Aktuelles aus der Branche

3.01.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 1|2017

Die Welt der Gusseisenwerkstoffe – Vielfalt für die Zukunft

Für ein Programm rund um das Thema Gusseisenwerkstoffe kamen Ende November 2016 rund 100 Teilnehmer zur CastTec nach Darmstadt. Foto: BDG/Steller

> CASTTEC 2016: Mit einem eindrucksvollen Programm ging die CastTec am 24. und 25. November 2016 ins Rennen. Inspiriert hatte es rund 100 Teilnehmer, die für die Veranstaltung nach Darmstadt gekommen waren, um sich an den Vorträgen und Diskussionen zu beteiligen. Das Motto der CastTec war dieses Mal: „Die Welt der Gusseisenwerkstoffe – Vielfalt für die Zukunft“. Im Auditorium saß ein breit gefächertes Publikum, das Vertreter der Gießereien, aber auch der Anwender, der Klassifikationsgesellschaften, der Hochschulen und auch einiger Gießereizulieferer umfasste. Überwiegend fühlten sich deutsche Teilnehmer angesprochen, doch es nahmen auch Experten aus Japan, China, den Niederlanden, Großbritannien, Finnland und mehreren anderen Ländern teil. Den Auftakt machte Prof. Tobias Melz vom gastgebenden Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit (LBF), das in einem Jahr sein 80-jähriges Bestehen feiern kann. Sein Vortrag „Eisenguss als Leichtbauwerkstoff“ zeigte anschaulich die Vorteile von Gusseisenwerkstoffen. Er begann mit einer Risikobewertung: Wichtig sei, die Qualitätskosten (z. B. Rückrufaktion) so niedrig wie möglich zu halten. Heute ist in rund 80 % aller Fälle ein Ermüdungsschaden der Grund für einen Ausfall. Dabei ist ein technischer Anriss nicht mit einem sofortigen Integritätsverlust gleichzusetzen. Zunächst erfolgt ein technischer Anriss, der sich langsam weiterbewegt – und hier können die Eisengusswerkstoffe punkten. Bei einer Betrachtung der verschiedenen Szenarien – und hier ist eine Gassner-Gauss-Sequenz wesentlich realitätsnäher als der Wöhlerversuch – zeigen die Eisengusswerkstoffe ihr Potenzial. Wichtig ist einerseits eine schadenstolerante Bauweise, andererseits wird das Monitoring immer engmaschiger. Gezeigt wurde ein Konzept des Fraunhofer LBF zur Integration von Sensoren in Gussteilen, das im Augenblick noch auf Leichtmetelle beschränkt ist. Fazit: Eisenguss erlaubt beanspruchungsgerechte Konstruktionen mit hohen Sicherheitsreserven.

Zweifellos der Höhepunkt des Programms war ein typischer launig-kurzweiliger Vortrag von Prof. Claus Mattheck, der den Lehrstuhl für Schadenskunde am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) leitet. Wer allerdings glaubte, dass Prof. Mattheck inhaltlich vorwiegend auf Bionik und das SKO-Verfahren (Soft Kill Option) setzen würde, hatte sich geirrt. Stattdessen setzte er etwas tiefer auf der Verständnisebene an und machte seinen Zuhörern nachdrücklich klar, dass die Schubvierecke und Zugdreiecke die Basis allen Wissens seien. Natürlich objektiviert durch FEM-Rechnungen, doch hinsichtlich der Anschaulichkeit unerreicht. Selbstredend gibt es im Frühjahr 2017 ein neues Buch, mit dem der geneigte Leser das Ganze noch einmal nachvollziehen kann.   Das Bankett der CastTec fand diesmal in einer alten Wasserwerkshalle in Frankfurt statt. Ausgezeichnet wurden die besten Referenten, aber auch – ein Novum – die ersten Anmeldungen.

www.casttec2016.com