Aktuelles aus der Branche

7.02.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 2|2017

Sprung ins Zeitalter der intelligenten Fabrik

China plant im Rahmen seiner Strategie „Made in China 2025“ den zügigen Sprung ins Zeitalter von Industrie 4.0 (Foto: Daimler).

> STUDIE „MADE IN CHINA 2025“: Laut der aktuellen MERICS-Studie will das Land seine Industrie direkt in das Zeitalter des Smart Manufacturing und der vernetzten Fabrik versetzen. Vorbilder sind das deutsche Konzept der „Industrie 4.0“ und das in den USA geprägte „Industrial Internet“. Beim Blick auf den geringen Grad der Automatisierung in China mag dies unrealistisch erscheinen. Denn im Schnitt kommen bislang auf 10 000 Arbeiter nur 19 Industrieroboter. In Deutschland sind dies nach Angaben des Weltroboterverbands (IFR) 301 Roboter, in Südkorea sogar 531.

Doch China steckt enorme finanzielle Ressourcen in seine ehrgeizige Vision. Der kürzlich begründete „Investitionsfonds für intelligente Fertigung“ ist mit 20 Mrd. Yuan (2,6 Mrd. Euro) ausgestattet. Der „Investitionsfonds für die Halbleiterindustrie“ verfügt über 139 Mrd. Yuan (19 Mrd. Euro). Zum Vergleich: ungefähr 200 Mio. Euro hat die Bundesregierung bislang in Forschung zu Industrie 4.0 investiert. China nimmt nicht nur Geld in die Hand: Aufstrebende einheimische Hightech-Produzenten werden durch staatliche Eingriffe vor ausländischer Konkurrenz geschützt.

Dass dies funktionieren kann, zeigen die sozialen Medien. Facebook, Twitter und Google sind in China gesperrt, deshalb haben sich chinesische Pendants wie Baidu, Sina Weibo und Wechat bereits fest etabliert. Was Hightech-Bereiche betrifft, ist China noch nicht soweit: Bei im Land gefertigten Industrierobotern machen importierte Komponenten drei Viertel der Kosten aus. Um die Technologielücke zu schließen, investieren chinesische Firmen in jüngster Zeit massiv im industrialisierten Ausland: Von Januar bis September 2016 beliefen sich chinesische Investitionen in EU-Staaten auf mehr als 15 Mrd. Euro, bis Ende 2016 waren es geschätzt fast 19 Mrd. Euro. In den USA investierten chinesische Firmen im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres umgerechnet mehr als 17 Mrd. Euro. Viele Investitionen fließen in Bereiche wie Immobilien und Dienstleistungen – hier gibt es positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit.

Doch vermehrte Übernahmeangebote an Hochtechnologiefirmen sorgten hierzulande für heftige Diskussionen, wie der Fall des Roboterherstellers Kuka, des Spezialmaschinenbauers Aixtron und des Leuchtmittelproduzenten Osram. Es tauchte die Frage auf, inwieweit der chinesische Staat hinter den Deals steht. „Made in China 2025“ hat auch deutliche Schwächen, wie es in der Studie heißt. Politische Prioritäten und Bedürfnisse der Industrie stehen oft nicht im Einklang. Die Fixierung auf quantitative Ziele und ineffiziente Mittelzuteilung könnten dazu beitragen, dass die breit angelegte Initiative in vielen Bereichen verpufft.

Doch in manchen Bereichen, dazu gehören Robotik und 3-D-Druck, könnte China die derzeitig führenden Volkswirtschaften und internationale Konzerne erheblich unter Druck setzen. Besonders Deutschland und den EU-Nachbarn Ungarn, Tschechien, Irland und Österreich, aber auch Südkorea und den USA, in denen Hightech-Industrien einen großen Teil zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern, droht auf lange Sicht eine Schwächung ihres Wirtschaftswachstums. Entscheider in Politik und Wirtschaft sollten sich nicht von kurzfristigen Geschäftschancen täuschen lassen, die „Made in China 2025“ für ausländische Hightech-Hersteller bereithalte, heißt es in der Studie. Am Ende gehe es der chinesischen Führung darum, ausländische durch chinesische Technologien zu ersetzen.
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