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15.02.2017

Die deutsche Automobilindustrie elektrisiert die Mobilität

Die deutsche Automobilindustrie wird bis 2020 mehr als 40 Mrd. Euro in alternative Antriebe investieren. Bis dahin sollen mehr als 90 unterschiedliche Elektrofahrzeuge angeboten werden. FOTO: BMW

> VDA: Die deutsche Automobilindustrie elektrisiert die Mobilität. 30 Elektro-Modelle bietet sie bereits an. Bis zum Jahr 2020 soll sich diese Zahl mehr als verdreifachen. Vom Kleinwagen bis zum SUV – die deutschen Hersteller haben so einiges in der Pipeline, um der Konkurrenz davonzufahren. „Die deutschen Tesla-Killer“ nannte daher erst kürzlich das Wirtschaftsmagazin „Impulse“ die neuesten Elektrofahrzeug-Pläne von Volkswagen, Daimler, BMW und Opel. Noch in diesem Jahr wird zum Beispiel der Opel Ampera-e auf den Markt kommen. Das Elektroauto soll eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern haben. Zudem erobern auch immer mehr sportliche Modelle den Markt. Der Sportwagen BMW i8 etwa ist ein Plug-In-Hybrid mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 4,4 s – und dem Verbrauch eines Kleinwagens. Auch Porsche wagt sich jetzt an den ersten vollelektrischen Sportwagen der Firmengeschichte. Ende des Jahrzehnts soll die Serienversion der Konzeptstudie „Mission E“ erstmals vom Band rollen. „Die Zeit dafür ist reif“, sagt Dr. Stefan Weckbach, Leiter der Baureihe bei Porsche.

Jeder, der schon mal hinter dem Steuer eines Elektrofahrzeugs saß, weiß, dass sie enormen Fahrspaß bieten. Im Gegensatz zu klassischen Antrieben, die eine gewisse Zeit brauchen, bis Leistung und Drehmoment voll verfügbar sind, beschleunigen Elektroautos extrem schnell aus dem Stand heraus. Ein elektrischer Antriebsstrang scheint also wie gemacht für Sportwagen. Warum kam der Schritt der deutschen Hersteller in dieses Segment also nicht eher? „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs, aber lange Zeit waren die technologischen Voraussetzungen nicht vorhanden, um unsere Ansprüche an einen Porsche erfüllen zu können“, sagt Weckbach. Ende des Jahrzehnts würden sie die nötigen Komponenten zur Verfügung haben. Das kalifornische Startup Tesla erreicht eine relativ hohe Reichweite zum Beispiel nur dadurch, dass es viele Batterien hintereinanderschaltet. Das ist technisch wenig zukunftsweisend und vor allem enorm teuer. Die deutschen Hersteller wie Porsche suchen nach anderen, effizienteren Lösungen. Eine Herausforderung ist zum Beispiel, dass das Fahrzeug auch beim mehrmaligen Beschleunigen in kurzen Abständen noch seine volle Leistung entfalten soll. Daran scheitern die meisten E-Antriebe noch. Um dieses Problem zu lösen, setzt Porsche beim Mission E auf sogenannte permanenterregte Synchronmaschinen, kurz PSM. Sie haben den nötigen Wirkungsgrad und eine hohe Leistungsdichte. Porsche hat mit PSM bereits Erfahrungen im Motorsport gesammelt: Sie kamen im Le Mans-Sieger, dem Porsche 919 Hybrid, zum Einsatz. Der 600 PS starke Mission E soll damit künftig mehrmals von 0 auf 100 in weniger als 3,5 s beschleunigen können. Eine weitere Herausforderung ist die Alltagstauglichkeit. Richtigen Fahrspaß bringt ein Auto nur, wenn man sich nicht permanent Gedanken über den Standort der nächsten Ladesäule und die lange Ladedauer machen muss. Beim Mission E wird Porsche daher im Gegensatz zu den üblichen 400 V ein 800-V-System verwenden. „Das erlaubt uns extrem kurze Ladezeiten und weniger Gewicht, weil wir leichtere Kupferkabel mit kleinerem Querschnitt verwenden können“, sagt Weckbach. In weniger als 20 min soll der Sportwagen künftig soweit geladen werden können, dass die Energie für weitere 400 km Fahrt reicht.

Das Beispiel Porsche zeigt, welche innovativen Lösungen die deutsche Automobilindustrie für die Elektrofahrzeuge entwickelt. Bis 2020 wird sie mehr als 40 Mrd. Euro in alternative Antriebe investieren. Das umfasst nicht nur Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen, sondern auch Aufwendungen für Herstellung und Werkzeuge. Allein Porsche wird für die Produktion des Mission E rund 700 Mio. Euro am Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen investieren und mehr als 1000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Damit die Elektrofahrzeuge ihr volles Potenzial entfalten können, muss jedoch auch die Ladeinfrastruktur entsprechend ausgebaut werden. Der Porsche-Mutterkonzern Volkswagen hat daher Ende 2016 angekündigt, gemeinsam mit BMW, Daimler und Ford ein Joint Venture zu gründen, um ein leistungsstarkes Ladenetz an europäischen Autobahnen aufzubauen. Bis 2020 sollen Kunden Zugang zu Tausenden von Schnellladesäulen haben, an denen der Mission E in weniger als 20 min aufgeladen werden kann. Solche Hochleistungsladepunkte machen das Aufladen ähnlich bequem wie das Tanken an einer herkömmlichen Raststätte. So könnte der Weg endgültig frei werden für den Durchbruch der Elektromobilität.  

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