Aktuelles aus der Branche

20.04.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 5|2017

Fachtagung diskutierte Entsorgungsengpass

Die Altsandkonferenz im Hannover Congress Center war bis auf den letzten Platz ausgebucht: ein deutliches Zeichen, dass die Entsorgungsproblematik alles andere als ein Strohfeuer ist (Foto: Andreas Bednareck).

> BDG-ALTSANDKONFERENZ: Auf der zweitägigen Fachtagung „Altsand“ am 3.-4. April 2017 in Hannover befassten sich mehr als 160 Teilnehmer mit Fragestellungen rund um die Themen Formstoff, Sandregenerierung und Altsand. Angesichts eines sich ganz offensichtlich abzeichnenden neuen Engpasses bei Deponiekapazitäten sind Lösungen gesucht, wie die Entsorgung der Gießereialtsande auch zukünftig sichergestellt werden kann.

Im Sinne eines prozessintegrierten Ansatzes waren alle Beteiligten am System Formstoff/Altsand angesprochen worden: Formstoffverwender, Chemikalienlieferanten, Anlagenhersteller und Gießer. Im Rahmen eines vielschichtigen Vortragsprogramms wurden technische Möglichkeiten und Lösungsansätze präsentiert, wie den Entsorgungsschwierigkeiten von Altsand begegnet werden kann.

Flankiert wurde die Agenda durch Informationsstände der relevanten Zulieferindustrie. Hier bot sich den Teilnehmern die Gelegenheit, die Fachtagung auch zu einem „Speed Dating“ mit Anlagen- und Chemikalienherstellern zu nutzen.

Eröffnet wurde die Vortragsreihe mit einem Überblick über die Entsorgungssituation von Altsand sowie die rechtlichen und politischen Hintergründe, die zu dem sich erneut abzeichnenden Entsorgungsengpass in Deutschland geführt haben. Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Verfügbarkeit von Deponieraum bereits heute in einigen Regionen ein kritisches Minimum erreicht hat – dem jedoch keine adäquaten neuen Flächen gegenüberstehen. Ziel des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG), des Veranstalters der Fachtagung, war es deshalb, ein deutliches Signal an die Branche zu senden, sich wieder verstärkt mit den Themen Altsandregenerierung und Auswahl von Formstoffbindersystemen auseinanderzusetzen, um die Menge und Schadstoffbelastung von Altsanden zu minimieren.

Dass zumindest die Mengenreduktion technisch machbar ist, wurde in der nachfolgenden Präsentation anschaulich belegt. Die zum Teil seit mehr als 20 Jahren bewährten Praktiken zur Regenerierung von Altsand stellen noch immer den Stand der Technik dar. Wenn es hier zwischenzeitlich keine technologischen Quantensprünge gegeben hat, mag dies auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Entsorgung auf Deponien zu sehr preisgünstigen Konditionen möglich war und in einigen Regionen derzeit noch ist.

Weitere Vorträge präsentierten sowohl die Anlagentechnik zur Aufbereitung und Regenerierung als auch die damit gemachten betrieblichen Erfahrungen. Im Ohr dürfte den Teilnehmern die Mahnung „Entstauben, entstauben, entstauben!“ von Dr. Hartmut Polzin von der TU Bergakademie Freiberg geblieben sein. Er referierte zum Einfluss der Regenerierung auf die Sandkornoberflächen und die damit verbundenen technologischen Erfordernisse.

Im Verlauf der Tagung wurde deutlich, dass nicht nur technische Lösungen zur Verringerung des Altsandanfalls verfügbar und notwendig sind, sondern dass bereits Bindersysteme und Formstoffadditive entscheidenden Einfluss auf die spätere Quantität und Qualität des Altsandes haben. Die Repräsentanten verschiedener Zulieferer aus dem Bereich der Gießereichemie stellten ihre Lösungen zur Minderung von Schadstoffemissionen sowie zu störenden Rückständen im Altsand vor.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Entsorgung von Altsand in Zukunft vielen Gießereien Schwierigkeiten bereiten wird. Die komfortable Situation billiger Deponiepreise ist in absehbarer Zeit vorbei. Die Branche ist nun gefordert, sich wieder mit einem Thema zu befassen, welches vor 20 Jahren bereits seine Blütezeit hatte: der Regenerierung von Altsand. Daneben bieten aber auch verschiedene andere technisch-technologische Ansätze vielversprechendes Potenzial zur Reduktion der Altsandmengen.

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