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10.05.2017

Unterschiedliche Strategien in Europa im Blick

> CHINESISCHE INVESTOREN: In Westeuropa steht Technologietransfer als Motiv für Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen im Vordergrund, in Mittel- und Osteuropa der Zugang zum EU-Binnenmarkt – Je nach Investitionsart, Neugründung oder Übernahme, unterscheiden sich die Faktoren, die die Investitionen beeinflussen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Chinesische Investoren verfolgen in der Europäischen Union unterschiedliche Strategien je nach Zielland. Für Investitionen in Westeuropa ist die Hauptmotivation der Zugang zu fortschrittlichen Technologien. Dort wird aus China mehrheitlich durch den Erwerb von Unternehmensanteilen investiert, zum Beispiel von Hidden Champions, also Marktführern in ihrem speziellen Marktsegment. In Mittel- und Osteuropa werden dagegen öfter Neugründungen vorgenommen. Hier geht es für chinesische Investoren eher darum, sich einen Eintritt in den EU-Binnenmarkt zu verschaffen. Die Studie des DIW untersucht zudem die genauen Bestimmungsfaktoren für diese zwei verschiedenen Investitionsformen. Demnach sind die wichtigsten Faktoren, die Investitionen aus China bestimmen, die Marktgröße im Zielland und die Intensität des bilateralen Handels zwischen diesem Land und China. Bei Neugründungen wirken sich Lohnstückkosten, die Größe des industriellen Sektors und die Regulierungsdichte eher negativ auf die Investitionen aus China aus. „Solide Institutionen, die auf stark regulierte, härter umkämpfte Märkte hinweisen, wirken eher abschreckend auf chinesische Investoren“, so Studienautor Christian Dreger. „Hier weisen Chinesen möglicherweise ein anderes Risikoempfinden aus als westliche Investoren, die bei Neugründungen vor Zielregionen mit hoher Wettbewerbsintensität weniger zurückschrecken“. In anderen Punkten aber unterscheiden sich die Determinanten für chinesische Direktinvestitionen kaum von gängigen Mustern.

Chinesische Direktinvestitionen im Ausland erreichten im Jahr 2015 über 145 Mrd. US-Dollar und die EU ist dabei die erste Zielregion. In manchen EU-Ländern wird das chinesische Kapital begrüßt, weil es zum Beispiel über Privatisierungen zur nötigen Haushaltskonsolidierung beiträgt oder einen lindernden Effekt auf die chronische Investitionsschwäche in der EU hat. Zunehmend werden aber diese Investitionen kritisch beäugt und Forderungen nach Reziprozität laut, also nach einem besseren Zugang europäischer Investoren zum chinesischen Markt. Die unterschiedlichen Strategien chinesischer Investoren je nach Zielland erschweren allerdings eine koordinierte Antwort der gesamten EU. „Übernahmen durch chinesische Firmen in bestimmte Technologien zu erschweren oder gar zu unterbinden wäre nicht zielführend“, so Dreger, „vielmehr sollte auf ein EU-China-Abkommen hingearbeitet werden, das unter anderem einen leichteren Zugang europäischer Firmen ins Land der Mitte ermöglicht“.

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