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27.06.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 6|2017

Podiumsdiskussionen auf der Terratec

Podiumsdiskussion zum Thema Altsanddeponien im Rahmen der Umweltmesse Terratec in Leipzig. FOTO: INWESD

> ALTSAND-DEPONIEKAPAZITÄTEN: Auf der Umweltmesse Terratec in Leipzig im April hat das Thema Verknappung von Deponieraum eine wichtige Rolle gespielt. „Angesichts der zunehmenden Klagen von Unternehmen verschiedener Branchen, dass die Entsorgung mineralischer Abfälle auf Deponien schwieriger und deutlich teurer wird, kann die Politik vor dieser Problematik nicht länger die Augen verschließen“, betonte Elke Radtke, die Umwelt- und Arbeitsschutzreferentin des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie e. V. (BDG), die an einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema auf der Messe teilnahm. Zwar solle die sogenannte Mantelverordnung, in deren Rahmen auch die Verwertung mineralischer Abfälle als Ersatzbaustoffe geregelt wird, Abhilfe bei der Problematik schaffen. Allerdings dürfte eher das Gegenteil der Fall sein. Denn die sehr strengen Vorgaben zum Schutz von Boden und Grundwasser würden dazu führen, dass nicht mehr, sondern wesentlich weniger geeignete Abfälle zu sekundären Baustoffen verarbeitet und verbaut werden könnten. Bislang tue sich der Gesetzgeber schwer, diesen Zielkonflikt von Ressourcenschutz und Naturschutz zu lösen.

Nach wie vor werde auf politischer Ebene die Schließung von Stoffkreisläufen angestrebt, in deren Konsequenz gar keine Ablagerung von Abfällen mehr stattfinden solle. Dem stehe die Notwendigkeit gegenüber, dass insbesondere schadstoffbelastete Materialien auch zukünftig umweltgerecht entsorgt bzw. beseitigt werden müssten, ergänzte Radtke. Dieses Spannungsfeld hatte die Interessengemeinschaft Deutsche Deponiebetreiber (InwesD) zum Anlass genommen, ihr traditionelles „Deponiefrühstück“ auf der Terratec unter den Titel „Deponien – ein Auslaufmodell?“ zu stellen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten die Teilnehmer – Dr. Bernd Engelmann vom Umweltbundesamt, Prof. Dr. Klaus Fricke von der TU Braunschweig, Elke Radtke vom BDG und Hartmut Haeming von InwesD – über Möglichkeiten der Abfallvermeidung, Verwertungsstrategien und die Nutzung von Deponien als Langzeitdepots für Rohstoffe. Die zum Teil sehr kontrovers geführte Debatte lockte viele Zuhörer an. Denn eines wurde deutlich: die auf politischer und wissenschaftlicher Ebene gepflegte Vorstellung von der kompletten Verwertung aller Abfälle steht in krassem Widerspruch zur Realität. Für viele Abfallfraktionen existieren heute noch keine Verfahren, mit deren Hilfe die Rest- in Wertstoffe umgewandelt werden können. Darüber hinaus enthalten viele Abfälle Stoffe, die umwelt- oder gesundheitsschädlich sind. Um diese Hürden zu nehmen, bedarf es weiterer Anstrengungen aller Beteiligten zur Entwicklung nachhaltiger Verwertungsmöglichkeiten.

Als Industrievertreterin betonte Elke Radtke, dass die Unternehmen schon aus Kostengründen daran interessiert seien, die Menge und Schadstoffbelastung der Abfälle so gering wie möglich zu halten. Allerdings seien dennoch Initiativen gefragt, Konzepte zur weiteren Reduktion zu entwickeln. Nicht ganz zu Unrecht hatte Prof. Fricke der Industrie vorgeworfen, dass die seit vielen Jahren verfügbaren günstigen Deponiepreise dazu beigetragen hätten, technologische Innovationen zur Abfallminimierung bzw. -verwertung nur halbherzig voranzutreiben. Heftigen Widerspruch indes erntete Dr. Engelmann vom UBA für seine Aussage, dass in Deutschland im Durchschnitt für 14 Jahre Deponiekapazitäten zur Verfügung stünden. Dass dem nicht so ist, belegen Datenerhebungen sowohl von InwesD als auch vom BDG. Aus diesen geht eindeutig hervor, dass viele Regionen von tatsächlichen Engpässen betroffen sind, weil die Laufzeiten bestehender Ablagerungskapazitäten unter fünf Jahren liegen. Insbesondere im nordöstlichen Niedersachsen zeichnet sich ein echter Deponienotstand ab. Gleichzeitig werden jedoch keine neuen Kapazitäten geschaffen – vielmehr werden bereits geplante und sogar genehmigte Vorhaben beklagt und so zum Stillstand gebracht. Auf diese Situation hat die deutsche Wirtschaft reagiert und unter dem Schirm des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ein Diskussionspapier erarbeitet, welches die Knappheit an Deponiekapazitäten und mögliche Lösungsmöglichkeiten adressiert. Dieses Papier wurde in einer weiteren Podiumsdiskussion vorgestellt. Ziel der Ausarbeitung ist es, die politischen Entscheidungsträger auf die Problematik aufmerksam zu machen und die Gewährleistung einer Entsorgungssicherheit als wichtigen Standortfaktor zu begreifen.

Der BDI schlägt deshalb unter anderem vor, die Entscheidung über die Schaffung von Deponiekapazitäten auf einer höheren politischen Ebene anzusiedeln. Bislang befinden Kommunalpolitiker über die Realisierung von Deponiestandorten. Zunehmend fällt deren Votum allerdings negativ aus und trägt damit dem Widerstand in der Gesellschaft gegen abfallwirtschaftliche Projekte Rechnung. Nach Ansicht des BDI sollten die Interessen sorgsam abgewogen und im Sinne eines unabhängigen, objektiven Handelns von der lokalen Ebene auf Landes- oder sogar Bundesebene gehoben werden.

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