Aktuelles aus der Branche

17.10.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 9|2017

100 Tonnen schwerer Walzenkörper gegossen

Großes Spektakel in den ehrwürdigen Gießereihallen der SHW Casting Technologies im Werk Königsbronn: Dort, wo vor über 650 Jahren die Eisenverhüttung begann, gießt das Unternehmen mit 105 t Flüssigeisen einen 10 m langen Walzenkörper ab. FOTO: SHW

> SHW CASTING TECHNOLOGIES: Bei der SHW Casting Technologies GmbH & Co. KG hat im Werk Königsbronn am 14. August ein besonderes Highlight stattgefunden. Das Unternehmen goss 100 t Flüssigeisen bei einer Temperatur von 1350 °C in eine Gussform, um einen über 10 m langen Walzenkörper herzustellen. Ein Abguss von 105 t in der 13 m tiefen Gießgrube fand zuletzt vor rund acht Jahren im Werk in Königsbronn statt. Das Verfahren wurde mit einem neuen patentierten Material namens CDI (Chilled Ductile Iron) durchgeführt. Die Werkstoffentwicklung erfolgte bei der SHW CT. Die Rohwalze hat nach dem Guss eine Länge von etwa 12 m und ein Gewicht von 100 t. Das Erkalten dauert etwa zwei Wochen, anschließend wird die Walze geputzt, bearbeitet und verschiedenen Prüfungen unterzogen. Bis sie einsatzfähig beim Kunden ist, werden insgesamt 650 Einzelteile in der Walze verbaut. Das Auslieferungsgewicht der Walze wird nach allen Bearbeitungsschritten etwa 66 t betragen bei einer Körperlänge von 10150 mm und einem Außendurchmesser von 1425 mm. Die Oberflächenhärte liegt bei 550 bis 580 HV (Vickershärte). Die Walze kommt bei einem europäischen Kunden zum Einsatz und wird 2000 m Papier pro Minute herstellen. Sie hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren.

Die SHW Casting Technologies ist weltweit Marktführer bei der Herstellung von Papiermaschinenkomponenten. Walzen dieser Größenordnung können weltweit allerdings nur zwei Unternehmen herstellen. Und dazu zählt der Traditionsbetrieb, der derzeit in einem Eigenverwaltungsverfahren geführt wird. Marcus Katholing von der PLUTA Management GmbH ist Sanierungsgeschäftsführer bei SHW Casting Technologies. Der Restrukturierungsexperte sagt: „Das SHW-Team ist hoch motiviert. Wir sind im Papierbereich derzeit voll ausgelastet und planen schon für 2018. Aber auch in den anderen Bereichen laufen unsere Geschäfte sehr gut. Wir haben volle Auftragsbücher. Das sind beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung. Die Kunden halten uns die Treue.“ Vorläufiger Sachwalter im Verfahren ist Prof. Dr. Martin Hörmann von anchor Rechtsanwälte. Er begleitet und überwacht die Eigenverwaltung. Im PLUTA-Sanierungsteam für die SHW Casting Technologies Gruppe arbeiten unter Leitung von Michael Pluta neben Marcus Katholing auch Dr. Matthias Lehr, Andreas Hummel und Simon Eickmann.

Die Eigenverwaltung ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren zum Erhalt von Unternehmen. Das Unternehmen darf unter Aufsicht eines Sachwalters und meistens unterstützt durch erfahrene Sanierungsexperten die Gesellschaft selbst durch das Verfahren führen. Nach einem 2-3-monatigen Vorverfahren mündet es in einem Hauptverfahren, in dem die Gläubiger ihre Forderungen anmelden können. Die SHW Casting Technologies entstand aus den Gießereiaktivitäten der Schwäbischen HüttenWerke. Die Wurzeln der Eisenerzeugung gehen zurück bis in das Jahr 1365, als Mönche in der Schwäbischen Alb mit der Eisengewinnung begannen. Heute besteht die Gruppe aus einem Beteiligungsunternehmen sowie drei operativ tätigen Gesellschaften.

www.shw-ct.eu

Großes Spektakel in den ehrwürdigen Gießereihallen der SHW Casting Technologies im Werk Königsbronn: Dort, wo vor über 650 Jahren die Eisenverhüttung begann, gießt das Unternehmen mit 105 t Flüssigeisen einen 10 m langen Walzenkörper ab. FOTO: SHW