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13.10.2017

Bremsscheiben als Rettungsanker

Uwe Glock, Ulrich Schmidt, Andreas Chiari, Gerhard Pfeifer und Gerhard Steiger (v. l. n. r.) legen symbolisch einen Gusskern ein – als Startschuss für die Bremsscheibenproduktion der erweiterten Gießerei in Lollar. FOTO: BUDERUS GUSS

> BOSCH IN LOLLAR UND BREIDENBACH: „Heute ist ein sehr bedeutsamer Tag für beide Unternehmen“, sagte Gerhard Pfeifer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Buderus Guss GmbH – und meinte damit Buderus Guss in Breidenbach und die Robert Bosch Lollar Guss GmbH. Vor zwei Jahren war die Entscheidung getroffen worden, die Gießerei in Lollar zu erweitern, um dort künftig auch Bremsscheiben fertigen zu können – als drittes Standbein neben dem Kesselguss für die Bosch-Geräte und dem technisch anspruchsvollen Kundenguss.

„Die erfolgreiche Umsetzung dieser Entscheidung wird die Zukunft dieser beiden Unternehmen ganz entscheidend verändern und mitbestimmen“, so Pfeifer. 40 Millionen Euro hat die Bosch-Gruppe in die Erweiterung der Gießerei in Lollar investiert, die am 18. Juli eingeweiht wurde. Investition sichert auch Kapazität für den Standort Breidenbach. Pfeifer erläuterte, dass die Stückzahlen beim Kesselguss bereits seit mehreren Jahren kontinuierlich rückläufig seien. Der Kundenguss mit seinen technisch komplexen Produkten für die unterschiedlichsten Branchen – vom Automobilsektor bis hin zur Abwassertechnik – könne die rückläufigen Zahlen nicht wettmachen. Daher kämen nun die Bremsscheiben hinzu. „Die getätigten Investitionen bringen bis 2021 rund 50 000 t Gussvolumen pro Jahr an Bremsscheiben nach Lollar“, sagte Pfeifer. Darüber hinaus habe auch ein „deutscher Premium-Hersteller“ die Zusage gegeben, dass man die Bremsscheiben für dessen Elektrofahrzeuge fertigen könne. „Darüber hinaus sichert die Investition in Lollar dringend benötigte Kapazität für die Bremsscheibenproduktion in Breidenbach“, erläuterte Pfeifer. Gefertigt würden pro Jahr rund 18 Mio. Bremsscheiben, „davon die Hälfte als Rohteile, die von den Kunden selbst bearbeitet werden. Die anderen 50 % werden von Buderus Guss einbaufertig bearbeitet und direkt an den Montageort geliefert“.

Meilenstein sei dabei vor allem die selbst entwickelte „iDisc“, die nahezu keinen Bremsstaub und somit auch fast keinen Feinstaub produziere. „Sie liegt auf Augenhöhe mit Keramik“, so Pfeifer. „Zusammen wachsen“ im doppelten Wortsinne sei das Motto der Kooperation zwischen Breidenbach und Lollar gewesen – dies habe man hervorragend gelöst, der Transfer von Know-how aus Breidenbach nach Lollar sei wegweisend gewesen. Gerhard Steiger, Vorsitzender des Geschäftsbereichs „Chassis Systems Control“ in der Bosch-Gruppe, betonte, dass das Projekt eher ungewöhnlich sei. Ohne Erweiterung hätte der Gießerei das Aus gedroht. Zwei Geschäftsfelder hätten sich zusammengeschlossen, „um Lösungen für einen Industriestandort zu finden, der alleine möglicherweise nicht mehr überlebensfähig gewesen wäre“. Warum das so war, erklärte Uwe Glock, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Bosch Thermotechnik: „Der Heizungstechnikmarkt hat sich in den vergangenen zehn Jahren extrem verändert.“ So gebe es mehr elektrische Systeme, wie beispielsweise Wärmepumpen, hinzu kämen wandhängende Geräte – die Zahl der benötigten Heizkessel sinke indes stetig. „Die Konsequenz war, dass die Gießerei immer weniger ausgelastet war.“ In Breidenbach habe die Auslastung trotz der dort 2011 installierten zweiten Gießerei bei „120 %“ gelegen. „Und so kam es zu der Zusammenarbeit“, sagte Glock, der betont: „Wäre es nicht dazu gekommen, wäre es in Lollar – so hart es auch klingt – früher oder später zu Ende gegangen, die Gießerei hätte schließen müssen.“ Jetzt habe der gut 300 Jahre alte Standort in Lollar wieder eine Zukunft.

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