Fachartikel

8.05.2018
erschienen in GIESSEREI Heft 5|2018

Harz Guss Zorge – Arbeits- und Gesundheitsschutz aus einem Guss

Überall in der Gießerei prägen Arbeitsschutz- und Arbeitssicherheitsmaßnahmen den Betriebsalltag.

In der niedersächsischen Eisengießerei Harz Guss Zorge werden seit 1870 Gussteile produziert: Die ca. 500 Mitarbeiter stellen jährlich bis zu 50 000 Tonnen komplexe Bauteile wie Abgaskrümmer, Turbolader-, Wasserpumpen-, Getriebe- und Kompressorengehäuse für die Nutzfahrzeugindustrie und den allgemeinen Maschinenbau her. Ein B·A·D-Arbeitsmedizinteam unterstützt das Unternehmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz.

VON IRIS HEINEMANN, MAINZ

Wir vergießen in einem Temperaturbereich zwischen 1380 und knapp 1500 Grad“, erzählt Andreas Glaßmeyer, Leiter des Werksdienstes bei Harz Guss Zorge, als er uns durch den Betrieb führt. „Vorher sieht man Sand und Schrott und anschließend steht da ein Gussstück“, fährt er fort und hat uns so in knappen Worten den aufwendigen Produktionsprozess in einer Eisengießerei erklärt.

Wir werden von ihm zwei Stunden lang durch das Unternehmen im Südharz geführt, um uns ein Bild von den Arbeitsplätzen zu machen. Das Unternehmen ist Öffentlichkeit gewohnt und weiß mit ihr umzugehen: Etwa viermal im Jahr kann sich die Öffentlichkeit bei Betriebsführungen ein Bild von einer modernen Eisengießerei machen. „Wir sind auch EMAS-zertifiziert“, sagt Glaßmeyer stolz über das Umweltmanagementsystem der Europäischen Gemeinschaft.

Hohe Identifikation mit der Arbeit

Seit 2005 ist Andreas Glaßmeyer bei Harz Guss Zorge beschäftigt und als Werksdienstleiter Chef der technischen Dienste. Er verantwortet den Instandhaltungsbereich und ist unter anderem zuständig für Arbeitssicherheit und Umweltschutz. „Wir haben arbeitsintensive Arbeitsplätze, die teilweise mit harter, körperlicher Arbeit einhergehen. Unsere Mitarbeiter arbeiten in drei Schichten. Gleichzeitig kann man sagen, dass sie stolz auf ihre Arbeit sind und sich stark mit ihr identifizieren. Die Art der Arbeit ist das Besondere, dass man mit seiner eigenen Hände Arbeit etwas erschafft“, führt Glaßmeyer aus.

„Unsere Mitarbeiter können zum Beispiel im Straßenverkehr sehen, welche Produkte aus Zorge kommen: der Turbolader und das gesamte Abgassystem. Wenn im Supermarkt die Kühltheke brummt, so ist das der Verdichterblock, der bei Harz Guss gegossen worden ist.“ Der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern sei sehr hoch, man müsse sich bei der Arbeit am Ofen oder beim Eisengießen schließlich aufeinander verlassen können. Harz Guss Zorge hat keine Probleme, gut ausgebildete Fachkräfte zu bekommen – der Altersdurchschnitt liegt etwa bei 35 bis 45 Jahren. Das Unternehmen sorgt durch eine qualifizierte Ausbildung selbst für Fachkräfte. Führungskräfte zu finden, so Glaßmeyer, sei schon schwieriger. „Wir haben gelernte und ungelernte Mitarbeiter. Wir achten aber in der Hauptsache darauf, dass die Leute überhaupt etwas gelernt haben, wenn sie hier anfangen. Wir bemühen uns auch, immer mehr Gelernte in die Produktion hereinzubringen, denn die Maschinen werden komplexer.

Schlosser, Elektriker oder Gießereimechaniker sitzen im Leitstand des Kupolofens, in dem das Metall erschmolzen wird, aber auch Mitarbeiter aus anderen Berufen“, erklärt Glaßmeyer. Man merke, dass die Qualifizierungsanforderungen immer höher würden, sobald man es mit Technik zu tun habe und da jemand sitze, der eine Anlage steuern muss. Das setzt doch umfassende Grundkenntnisse voraus, die in der Praxis noch erweitert werden.

Thema Eignung

Das Thema „Eignung“ spielt auch in der Arbeitsmedizin eine wichtige Rolle: Die B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH, Bonn, betreut Harz Guss Zorge mit einem Team bereits seit 2009, seit 2015 ist der B·A·D-Betriebsmediziner Dr. Heiko Rode für das Unternehmen zuständig: „Die arbeitsmedizinischen Untersuchungen beginnen bei Harz Guss Zorge mit den Einstellungsuntersuchungen.

Für alle Werksbereiche müssen wir prüfen, ob der Mitarbeiter auch für den Beruf geeignet ist. Es gibt etliche, die auch in anderen Werksbereichen aushelfen müssen. Das große Thema im Unternehmen ist der Staub. Es gibt daher Untersuchungen auf Silikose. Hierbei ist es auch wichtig, dass die Schutzausrüstung getragen wird, damit kein langfristiger Quarz-Sand-Schaden auftritt. Gehör- und Atemschutz sind wichtig und die Eignung für Fahr- und Steuertätigkeiten. Zehn bis zwölf Untersuchungen werden regelmäßig von mir durchgeführt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Eignung, wobei wir hier nicht nur leistungsorientiert vorgehen, sondern oft auch präventiv.“ Daher ist Dr. Rode drei Tage im Monat im Unternehmen, untersucht und berät die Mitarbeiter sowie auch die Verantwortlichen.

Es wird sich gekümmert

Das Unternehmen hat 14 Prozent leistungsgeminderte Mitarbeiter, das sind etwa 65 Mitarbeiter. Da ist auch das Thema Beratung sehr wichtig. Wenn jemand krank ist oder chronisch krank bleibt, stellt sich die Frage, an welchem Arbeitsplatz derjenige trotzdem wieder arbeiten kann. „Für das Unternehmen ist es ganz wichtig, dass die Mitarbeiter so lange wie möglich beschäftigt bleiben“, ergänzt Glaßmeyer.

Das Thema Wiedereingliederung wird bei Harz Guss Zorge schon seit vielen Jahren großgeschrieben. So wurde zum Beispiel nach einem Arbeitsunfall ein Lager so umgebaut, dass der Mitarbeiter trotz Handicap dort arbeiten konnte. „Die Mitarbeiter sind auch motiviert, weil sie wissen: Hier bin ich und auch mein Arbeitsplatz sicher. Sie haben gesehen, dass das Unternehmen für seine Mitarbeiter im Bedarfsfall auch einschränkungsgerechte Arbeitsplätze schafft, wenn sie nicht mehr im normalen Produktionsbetrieb eingesetzt werden können“, sagt Robert Mellinghoff, als B·A·D-Regionalleiter für das Unternehmen zuständig.

„Es ist ungewöhnlich für ein Unternehmen, sich in dem Maße Gedanken zu machen. Das ist noch ein Stück Tradition: Es wird sich gekümmert.“ Die Motivation der Mitarbeiter lässt sich auch am betrieblichen Vorschlagswesen ablesen. „Aus der Arbeitssicherheit“, so Glaßmeyer, „lässt sich das Vorschlagswesen nicht mehr wegdenken. Wir bekommen Vorschläge, die für das Unternehmen Einsparungen bedeuten, und die Mitarbeiter werden durch Prämien für ihre Vorschläge belohnt. Sogar unsere Azubis machen schon ganz konkrete Vorschläge, wie zum Beispiel Energie gespart werden kann.“

Möglichst lange gesund

Die B·A·D unterstützt das Unternehmen auch bei der Umsetzung von Gesundheitstagen. Der letzte fand am 27. April statt. An so einem Tag gibt es unterschiedliche Aktionen wie zum Beispiel Untersuchungen des Blutzuckers, Informationen zum optimalen Sitzen und zur Raucherentwöhnung. Auch im letzten Sommer hatte Harz Guss Zorge einen solchen Tag organisiert. Unsere Mitarbeiter konnten sich vor Ort über gesunde Lebensweise, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz informieren. Geboten wurden u. a. Kochvorführungen, Informationen über Schutzausrüstungen und Feuerlöschübungen.

„Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter und setzen gleichzeitig auf deren Eigenverantwortung. Das Ziel muss sein, die Mitarbeiter so lange wie möglich gesund an ihren Arbeitsplätzen zu beschäftigen“, stellt Glaßmeyer fest. „Unser Projekt ,Null Unfälle’ ist sicher ein zusätzliches großes Ziel – im Moment haben wir leider noch etwa 24 Arbeitsunfälle im Jahr –, aber wir haben uns fest vorgenommen, das Ziel – ,Null‘ – gemeinsam mit Unterstützung unserer Mitarbeiter zu erreichen“, ist Glaßmeyer überzeugt.

www.harzguss.de