Fachartikel

5.02.2018
erschienen in GIESSEREI Heft 2|2018

Imerys - Starkes Potenzial für Synergien

Moderne Ausrüstung unterstützt die Forschung, hier im Labor des Imerys-Werks Marl.

IKO – der Name des Herstellers von Formstoffzusätzen und Kernsandadditiven war der ganzen Gießereibranche ein Begriff. Doch vor drei Jahren wurde aus der allseits bekannten Marke IKO „Imerys Metalcasting Solutions“. Die französische Firmengruppe Imerys, ein global führender Hersteller von Spezialprodukten basierend auf mineralischen Ressourcen für die Industrie, hatte die griechische S&B Industrial Minerals S.A., und somit auch deren Gießerei-Bereich IKO, übernommen und in „Imerys Metallurgy“ umbenannt. „Der schnelle Markenwechsel war zunächst eine Herausforderung, doch der ist zügig gelungen“, betont Didier Legrand, Technical & Commercial Director - Foundry Europe. Ein großer Pluspunkt der Übernahme: „Es gibt ein starkes Potenzial für Synergien“ und frische Investitionen.

VON MICHAEL VEHRESCHILD, KLEVE

Manches ist nun anders, aber vor allem auch besser. Was bereits beim Betreten des früheren IKO-Werksgeländes in Marl unübersehbar ist. Beim Gang über das Firmenareal weist eine rote Beflaggung auf das Beladen eines Lkw hin. Leuchtende Helme der Mitarbeiter und sicher fixierte Standregale sollen zur Vermeidung von Unfällen beitragen. Und auch ein großzügig markierter Sammelbereich für Notfälle am Eingang setzt beim Besucher sofort ein deutliches Signal: Hier wird Wert auf Sicherheit gelegt. Um nicht falsch verstanden zu werden: Auch vor der Übernahme durch Imerys war Sicherheit ein hohes Gut. Aber das französische Unternehmen hat „noch eine Schippe draufgelegt und sein Sicherheitskonzept auf IKO/S&B übertragen“, erklärt Dr. Oleg Podobed, Leiter Anwendungstechnik - Gießerei Deutschland.

IKO/S&B und Imerys ergänzen sich

Einen Mehrwert gibt es aber nicht nur beim Thema Sicherheit – auch die größere Vielfalt an Lösungsmöglichkeiten ist ein positiver Effekt der Übernahme. Denn „IKO/S&B und Imerys ergänzen sich“, betont Didier Legrand. Gut so, denn neben bestmöglicher Leistung der Produkte „müssen Gießereien schnell produzieren und Kosten reduzieren, außerdem werden Gussteile immer komplexer.“ Eine Herausforderung, zu deren Lösung auch die kundenspezifischen Mischungen von Formstoffzusätzen, basierend auf Bentoniten, Glanzkohlenstoffbildnern und anderen ausgewählten, hochwertigen Rohstoffen der Firma Imerys Metalcasting beitragen. Durch die Übernahme vor rund drei Jahren erhielt das Werk in Marl zusätzlich Zugriff auf die Mineralien von Imerys. Verfügte S&B in der Vergangenheit über fünf Industriemineralien, können nun zusätzlich über 30 verwendet werden. Ein Schub für weitere Innovationen. So gab es 2016 in der Imerys Gruppe weltweit bereits mehr als 90 neue Produkte, 2017 waren es sogar 110 Neuentwicklungen. 

Liefersicherheit erhöht

Die Imerys Metalcasting-Werke profitieren nun von einem wesentlich umfangreicheren Netzwerk, denn die Gruppe ist auf fünf Kontinenten präsent – mit 270 Industriestandorten in über 50 Ländern. Dazu zählen weltweit 14 Produktionsstandorte für Gießereien in Europa, Nordamerika und Asien. „Das ermöglicht uns heute, die passenden Produkte relativ kurzfristig bereitzustellen. Auch die Liefersicherheit wird erhöht“, so Didier Legrand. „Außerdem können Marktschwankungen besser abgefedert werden, weil wir über eigene Minen verfügen“. 

Fokus auf Innovation

Der Trend zu Gewichtsreduzierung bei modernen Gussteilen und steigende Umweltanforderungen verlangen nach innovativen Produkten. Erwartungen, die nicht nur durch die höhere Zahl an Mineralien erfüllt werden sollen. Denn das Imerys Metalcasting Team besitzt auch den Zugang zu den Forschungszentren, Testmöglichkeiten und dem Know-how der Imerys Gruppe. Unterstützt wird die Entwicklung innovativer Lösungen durch das neu gegründete „Business Development“. Diese junge Abteilung forciert nicht nur die klassische Forschung und Entwicklung, sondern fokussiert sich auch auf die Verfolgung von Markttrends sowie die Marktbearbeitung. Imerys Metallurgy stockte seit 2015 das Team mit zusätzlichen Wissenschaftlern auf und startete F&E-Projekte im Gießerei-Bereich. Auch die Zusammenarbeit mit Universitäten und Instituten wurde intensiviert, sowie in neue Ausrüstung investiert. Obendrein verstärkte Imerys Metallurgy das Verkaufsteam mit jungen Fachleuten. Als erster umweltfreundlicher Formsand-Binder wurde Envibond vor 10 Jahren in die Gießereiindustrie eingeführt.

Envibond reduziert den Anteil an organischen Komponenten im Formstoff-Kreislauf und ermöglicht somit der Gießerei, während des Gießvorgangs die Emissionen signifikant zu senken und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dank der oben genannten Maßnahmen wird Envibond kontinuierlich und intensiv weiterentwickelt, um dem Markt neue Lösungen zur Verfügung zu stellen.

Kundennähe bleibt gewahrt

Bei allen Vorteilen besitzt für Imerys die Kontinuität einen hohen Stellenwert. Alle bisherigen Leistungen von IKO/S&B werden weiterhin angeboten und so die Kundennähe gewährt. „Der Hintergrund blieb also gleich“, unterstreicht Didier Legrand. Dennoch setzte Imerys auf Aufklärung, um die Umgewöhnungsphase bestmöglich zu meistern. Durch eine forcierte Öffentlichkeitsarbeit wurden die Kunden während des Übernahmeprozesses kontinuierlich über die Entwicklung informiert, auch die bisherigen Ansprechpartner blieben identisch.

Bei der vergangenen GIFA 2015 in Düsseldorf sprang die neue Verbindung dann regelrecht ins Auge: Am Stand von Imerys Metalcasting war zu sehen, wie das IKO- mit dem Imerys-Logo verschmolz. Insgesamt eine Strategie, die Wirkung zeigte, denn die Übernahme war „kein Schock für die Branche“, sagt Didier Legrand. Sein Fazit: Die Übergangsphase ist geglückt – trotz der üblichen Herausforderungen einer Veränderung. 

Eine Herzenssache

Aber auch neue Lösungen für die Herausforderungen der Kunden und für neue Anwendungen werden gefunden. - Und es passt einfach: Denn IKO bzw. S&B und Imerys haben den gleichen Hintergrund. Beide Unternehmen bieten Lösungen auf Mineralienbasis für die Industrie an. Es geht also um eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft, nicht um ein spekulatives Geschäft. „Imerys akquiriert ausschließlich Unternehmen, die eine Ergänzung bzw. Erweiterung zu bestehenden Geschäftsbereichen darstellen und in die Wachstumsstrategie und Märkte der Imerys Gruppe passen“, betont Dr. Oleg Podobed. Für Kontinuität steht auch Didier Legrand als Technical & Commercial Director. Das Gießen hat es seiner Familie schon lange angetan. Sein Vater arbeitete 47 Jahre in der Gießerei-Industrie. Didier Legrand stieg bereits mit gerade einmal 16 Jahren in die Branche ein, zunächst im Laborbereich. Und die Faszination blieb. Denn bis heute sind 42 Jahre – wohlgemerkt in der gleichen Branche – vergangen. davon alleine 28 Jahre bei IKO und später bei Imerys. Das Unternehmen ist Didier Legrand eine Herzensangelegenheit. Kein Wunder, dass er mit Blick auf die Perspektiven von Imerys Metalcasting begeistert von der erfolgreichen Entwicklung schwärmt...

Ohr an der Branche

Als Sales-Chef von Europa eilt Didier Legrand von Gespräch zu Gespräch. Das ist ihm wichtig, „denn wir müssen das Ohr an der Entwicklung der Branche haben“. Imerys Metalcasting sieht sich als strategischer Partner der Automobilindustrie. Das Unternehmen bewegt deshalb auch die Mobilität der Zukunft. Damit Legrand die Erwartungen der Branche ganz genau kennt, trifft er sich deshalb mit Automobilzulieferern der Gießereibranche - damit Imerys Metalcasting auch weiterhin kräftig Fahrt aufnehmen kann.

www.imerys-additivesformetallurgy.com

Imerys Metalcasting – ein Unternehmen mit langer Tradition

S&B Industrial Minerals wurde 1934 gegründet und besitzt eine lange Tradition als Zulieferer von Gießerei-Bentoniten aus den bekannten Lagerstätten der griechischen Insel Milos sowie weiteren Minen weltweit. Der Ursprung von IKO Industriekohle geht auf das Jahr 1964 zurück. 1994 fusionierten IKO Industriekohle und Erbslöh Geisenheim – S&B erwarb 50 Prozent der neu gegründeten Firma mit Werken in Deutschland und Frankreich. Im Jahr 2001 übernahm S&B auch die restlichen 50 Prozent von IKO, rückte noch näher an die Gießerei-Kunden in Europa und belieferten sie mit Bentoniten, Glanzkohlenstoffbildnern und anderen ausgewählten Rohstoffen sowie kundenorientiertem Service. Durch die Nutzung weiterer lokaler Anlagen, Kompetenzen und Technologien wurden die Gießerei-Aktivitäten in Amerika, der Türkei und zuletzt in China sowie in Indien und Italien erweitert. Seit dem Jahr 2015 gehören S&B, bzw. IKO zu Imerys, dem weltweit führenden Anbieter von Spezialprodukten basierend auf mineralischen Ressourcen für die Industrie. Auch Imerys ist ein Traditionsunternehmen. Bereits im Jahr 1880 wurde die französische Firma mit Hauptsitz in Paris gegründet. Das Unternehmen zählt weltweit rund 18 500 Mitarbeiter und erzielte 2016 einen Umsatz von über 4 Milliarden Euro. Zudem setzte sich Imerys ehrgeizige und anspruchsvolle Ziele für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und der sozialen Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern.

Die Imerys Metallurgy Division, die aus S&B hervorgegangen ist, basiert auf einem global führenden Bentonit-, Perlit-, Bauxit- und Moler-Geschäft mit eigenen hochwertigen Vorkommen. Daneben gibt es eine Geschäftseinheit für Flussmittel für das Stahlgießen. Die Metallurgy Division konzentriert sich hauptsächlich auf die Gießerei-Industrie und deren Geschäftsbereiche. Die frühere IKO heißt jetzt Imerys Metalcasting.

Imerys Metalcasting bietet der Gießerei-Industrie maßgeschneiderte Lösungen von Formstoffzusätzen bei gleichzeitigem technischem Service. Durch die globale Ausrichtung werden auch internationale Kundengruppen bedient, unterstützt durch das umfangreiche Netzwerk von 14 Standorten, ganz nach dem Motto „Think Global, Act Local“. Hauptkundengruppe sind Gießereien mit automatisierten Formanlagen. Ein weiterer Bereich für die Anwendung von Produkten von Imerys Metalcasting sind Kernmachereien, die mit dem Cold-Box-Verfahren arbeiten. Hier werden Kernsandadditive zur Vermeidung von Blattrippen und anderen kernsandbedingten Gussfehlern eingesetzt.

www.imerys.com