6.09.2016

"Unser Geschäft stützt sich auf Facharbeiter, Meister und Ingenieure"

Foto: Andreas Bednareck

Die Doßmanns sind seit fast 150 Jahren erfolgreiche mittelständische Unternehmer. Ihr Erfolg hängt schon seit jeher von guter Qualität und guten Mitarbeitern ab. Für die Zukunft rüstet sich Geschäftsführer Jörg Doßmann mit einer gesunden Mischung aus Traditionsbewusstsein und Offenheit für die modernen technischen Möglichkeiten.

Herr Doßmann, Fachkräfte und Azubis sind im Hochlohnland Deutschland ohnehin teuer. Warum investieren Sie mehr als unbedingt nötig?
Gegenfrage: Was kostet es wirklich, wenn Fachkräfte im Unternehmen fehlen. Wir müssen auch auf unsere Lohnkosten schauen. Unser Geschäft und unsere Qualität stützt sich aber auf gute Facharbeiter, Meister und Ingenieure. Viele unserer Führungskräfte sind ehemalige Auszubildende. Der Erfolg liegt in der Ausbildung. Und unsere Chance ist es, immer ein bisschen besser als andere zu sein.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 2025?
Wir sind überwiegend darauf angewiesen, dass der deutsche Anlagen- und Maschinenbau innovativ ist, können uns aber in Konstruktionsgesprächen einbringen und unseren Beitrag leisten. Grundsätzlich traue ich Deutschland zu, sich am Markt zu behaupten, die Technologieführung in einzelnen Branchen und Nischen sehe ich auf Grund der hohen Innovationskraft mittelfristig nicht gefährdet. Die Standortvorteile bei uns sehe ich im großen Wissensschatz, resultierend aus einer guten Allgemeinbildung, einer fundierten Facharbeiterausbildung, guten Fortbildungs- und Studienmöglichkeiten sowie der guten Infrastruktur mit Verbänden und Forschungsinstituten. Optimistisch bin ich auch deshalb, weil es immer wieder neue Entwicklungen gibt, z. B. die hochsiliziumhaltigen Werkstoffe, aber auch wegen des großen Engagements von Verband und Verein.

Welche Schritte müssen Sie aus heutiger Sicht bis dahin noch bewältigen?
Im Werk selbst möchten wir noch das Lager vergrößern und ein neues Büro bauen. Dann werden über kurz oder lang auch wieder Investitionen in Modernisierung und Optimierung fließen. Wachstum ist weiterhin möglich. Derzeit befinden wir uns aber in einer Konsolidierungsphase.

Der Standort Walldürn-Rippberg ist ländlich, viele junge Leute verlassen die Region. Engagieren Sie sich auch in regionalen Wirtschaftsgremien, um das zu ändern?
Ich bin im Vorstand des regionalen Unternehmensverbandes sowie in der IHK. Letztes Jahr wurde ein Deutschlandprogramm für die Förderung ländlicher Regionen aufgelegt. Hierzu sollen nun Projekte angestoßen werden.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009 hat auch Dossmann zu schaffen gemacht. Wie haben Sie die Folgen überwunden?
2009 lagen wir bei unter 50 % des Vorjahresumsatzes, aber: Kein Mitarbeiter wurde entlassen, denn Leute die einmal weg sind, bleiben weg. Wir mussten auf Kurzarbeit gehen und die Mitarbeiter mussten auf Nebenleistungen verzichten. Wir konnten den Standort aber sichern, weil wir Zusagen für die Zukunft gegeben haben.

Sie haben auch Erfolge in der Energie- und Ressourceneffizienz erzielt, sind ISO 50 001 zertifiziert
Genau, wir betreiben Wärmerückgewinnung aus dem Ofen und aus der Abluft über Rotationswärmetauscher. In den letzten vier Jahren haben wir so unseren Heizölverbrauch von 260 000 auf 50 000 bis 80 000 Liter gesenkt. Die neuen Kompressoren haben sich in nur 16 Monaten amortisiert. Darüber hinaus verwenden wir in unserer neugebauten Halle sparsame LED-Lampen und haben unsere Dieselstapler durch Elektrostapler ausgetauscht. 

Setzen Sie auch auf die technologischen Errungenschaften des digitalen Zeitalters – etwa durch Investitionen in Industrie 4.0?
Wir haben unseren Betrieb komplett digitalisiert. Es sind immer Laufkarten an den Produkten, in jeder Abteilung können die Mitarbeiter per Scan der Laufkarte erfahren, welche Kokillen eingelegt werden müssen oder welche Schlichte benötigt wird. Außerdem sehen wir auf Knopfdruck jeden einzelnen Artikel, in welchem Fertigungsstadium er sich gerade befindet und welche Prozessdaten ihm zugeordnet sind, z. B. Schlichte-Viskosität, Chargenanalyse und Ausleertemperatur.

Fassen Sie bitte kurz die Firmenhistorie von Dossmann zusammen?
Die Gießerei wurde in den 1950er-Jahren dazugekauft. Die Familie Dossmann hat seit 1870 ihr Geld mit Druck und Verpackung verdient und in den 1890er-Jahren eine Nadelfabrik gegründet. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde der weltweite Kurzwarenmarkt aus Fernost mit billigsten Produkten und Plagiaten überschwemmt, deshalb brauchte man mittelfristig ein weiteres Standbein und hat Unternehmensberater losgeschickt, um Geschäftspotenziale ausfindig zu machen, Diese Gießerei wurde gefunden. Besitzerin war eine alte Dame, die keinen Nachfolger hatte.

Gibt es eine Unternehmensstrategie, die die Zeiten überdauert und auch bis 2025 und darüber hinaus noch Bestand haben wird?
Bei uns gilt: Keine Branche über 30 Prozent, kein Kunde über 20 Prozent. Das ist eine sehr alte Strategie, die sich bisher immer bewährt hat. Zudem bauen wir auf „Qualität durch Wissensvorsprung“.

Herr Doßmann, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Robert Piterek

>Zum Fachbeitrag über Dossmann: Der Demografie ein Schnippchen schlagen

www.dossmann-eisengiesserei.de