10.01.2018
erschienen in GIESSEREI Heft 1/2018

"Große Zulieferer verhalten sich rechtswidrig"

ArGEZ-Sprecher Christian Vietmeyer (Foto: Privat).

Im Interview mit der GIESSEREI spricht Christian Vietmeyer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ), über die Zahlungszielpraxis großer Zulieferer. In der ArGeZ sind 9000 meist mittelständische Unternehmen aus der metall- und kunststoffverarbeitenden Industrie organisiert. Der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie ist ArGeZ-Gründungsmitglied.

Herr Vietmeyer, die großen Automobilzulieferer Bosch, Continental, Schaeffler und der Sitzehersteller Adient stehen in der Kritik rechtswidriges Verhalten bei den Zahlungszielen für ihre Unterlieferanten an den Tag zu legen. Wie ist die Lage und was halten Sie davon?
In der Automobilindustrie werden immer noch Einkaufsbedingungen mit 90, teilweise sogar über 100 Tagen Zahlungsziel verwendet. Das ist nicht nur rechtswidrig, sondern auch grob unfair. Gesetzesgrundlage ist seit 2014 die 30-Tage-Regel für Einkaufsbedingungen und die 60-Tage-Regel für Individualvereinbarungen

Was sind die Folgen für diese Lieferanten?
Einige Unterlieferanten sind bereits in Liquiditätsprobleme geraten. Es soll auch Drohungen geben, keine Neuaufträge mehr zu erhalten oder als Lieferant auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden. Viele kleine Zulieferer sind aufgrund des Drucks schon eingeknickt und haben zähneknirschend schlechte Zahlungsbedingungen akzeptiert.

Welche Schritte hat die ArGeZ eingeleitet?
Wir haben die für Compliance zuständigen Vorstände kontaktiert, bislang aber ohne Erfolg. Entweder bekamen wir gar keine Antwort oder nur ausweichende. Leider wird immer wieder behauptet, dass Zahlungsziele individuell ausgehandelt werden, dabei ist es bei diesen Unternehmen üblich, einseitig die eigenen Einkaufsbedingungen durchzusetzen.

www.argez.de