Aktuelles aus der Branche

27.01.2021
erschienen in GIESSEREI Heft 2|2021

Nachhaltig in die Zukunft

Die Gießerei-Industrie wird auch in Zukunft vielfältige Absatzmärkte bedienen – beispielsweise für die Elektromobilität oder erneuerbare Energien.

> BDG-BANKENTAG: Nachhaltig in die Zukunft Wo stehen Deutschlands Gießereien? Konjunkturell, finanziell, produktseitig? Wohin geht die Reise der deutschen Gießerei-Industrie? – In eine immer nachhaltigere Zukunft, wie der 12. Bankentag des BDG vermitteln konnte.

Wirtschaft bedeutet: Interessen vermitteln, Verständnis und Neugier für Produkte, Prozesse, Bedürfnisse wecken. Zusammenbringen von Experten – BDG und Banker. Das ist die Grundidee des Bankentages, den der BDG in zwei Veranstaltungen am 21. und 27. Januar bereits im zwölften Jahr organisiert hatte. In diesem Jahr 2021 erstmals rein digital – den Corona-Umständen geschuldet.

Corona lautete auch das Stichwort für einen Teil der Veranstaltung, nämlich die Rückschau insbesondere auf das Jahr 2020. Dazu referierten die Volks- und Betriebswirtschafts-Experten des BDG, Heiko Lickfett, Tillman van de Sand und Dr. Fynn-Willem Lohe. Lickfett betrachtete insbesondere die Hauptkundenbranche Fahrzeugproduktion (mehr hierzu hier) und bilanzierte: „Das Corona-Jahr hat Spuren hinterlassen. Auftragsmangel mit schwacher Kapazitätsauslastung war ein Thema, insbesondere im Lockdown im zweiten Quartal“. Und auch wenn die Automobilproduktion nach dem tiefen Fall 2020 im laufenden Jahr wird kräftig zulegen können: Absolut betrachtet wird sie unter den 2014er-Zahlen bleiben. Erfreulich: Mit 12 % Umsatzwachstum geht die Gießerei-Branche durchaus optimistisch ins neue Jahr. Woher der BDG so klare Kenntnisse hat? Weil der Verband seine Mitglieder befragt, seit März 2020 auch in einer zusätzlichen monatlichen Corona-Umfrage. 

Der Zeitpunkt, zu dem eine spürbare Erholung erwartet wird, ist darin immer weiter nach vorne gerückt. Bereits 2021, so die Erwartung der Unternehmen mit der aktuellen Januar-Umfrage, wird sie einsetzen. Nach Corona wird aber nicht vor Corona sein – das weiß Deutschlands Gießerei-Industrie sehr genau. „Es wird investiert werden – und zwar vor allem in den beiden Schwerpunkten Automatisierung und Digitalisierung“, gab van de Sand den Finanzierungsspezialisten eine erste Ahnung davon, wo künftiger Finanzierungsbedarf liegen könnte.

Denn die Branche, die trotz Krise nicht Liquiditätsengpässe als vorrangiges Thema definiert, hat künftig enorme Herausforderungen zu meistern. „Der Green Deal ist für uns alle eine große Herausforderung. Die Gießerei-Industrie wird ihren Beitrag zur Klimaneutralität leisten“, leitete Cesare Troglio, BDG-Spezialist für Technik und Innovation, seinen Beitrag zum Bankentag ein. Das selbstverständliche Bekenntnis der Gießerei-Industrie zur Nachhaltigkeit hat mehrere Aspekte: Es betrifft erstens den Betrieb der eigenen Produktion: Schrittweise Substitution bis hin zum Ersatz fossiler Brennstoffe durch emissionsarme Energieträger wie zum Beispiel Strom und Wasserstoff für die Erzeugung von Prozesswärme sind hier die Schlagworte. Und zweitens natürlich auch die Produkte. Hier reklamiert die Gießerei-Industrie zu Recht das Label „gegossener Klimaschutz“ für sich. Leichtbau, Materialeffizienz und insbesondere die eigene Arbeitsweise in der Kreislaufwirtschaft – aus Schrotten werden per Re- und Upcycling neue, hochwertige Produkte – machen Verfahren und Industrie besonders nachhaltig. Der anstehende weitere Ausbau der Windkraft, insbesondere Offshore, Sektorenkopplung, Elektromobilität oder die Dekarbonisierung von Gebäuden zeigten die zukunftsweisenden Potenziale der Gießerei-Industrie auf.

Banker begleiten Gießereien - das war dann auch die Botschaft des Bankentages gegenüber den Instituten und ihren Vertretern: Die mittelständische Gießerei-Industrie ist integraler Bestandteil des Weges hin zu noch mehr Nachhaltigkeit bis zur CO2-Neutralität. Diesen Weg gemeinsam zu gehen ist eine fruchtbare Perspektive. Und der Finanzbedarf dafür, die Zukunft der Industrie zu gestalten, wird vor dem Hintergrund der Herausforderungen größer werden.

Martin Vogt

www.bdguss.de