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1.08.2018
erschienen in GIESSEREI Heft 8|2018

Gießereiunternehmer gehört nicht zu altem Eisen

Till Casper hat als Gießereiunternehmer und Kulturschaffer nicht nur in Remchingen Spuren hinterlassen. Ende Juni feierte er seinen 80. Geburtstag. FOTO: Julian Zachmann

> KARL CASPER GUSS: Von altem Eisen kann in der Nöttinger Gießerei Karl Casper Guss mitnichten die Rede sein: Denn Seniorchef Till Casper feierte am 25. Juni seinen 80. Geburtstag bei guter Gesundheit und vollem Elan. Frühmorgendliche Gymnastik und Lauftraining halten ihn fit. Trotzdem steht zum Jubeltag eine wichtige Veränderung an: Till Casper wird die Geschäftsführung des Familienunternehmens komplett an seinen Sohn Felix und damit an die siebte mit dem Gießereiberuf verbundene Generation übergeben.

„Wir haben ein sehr gutes Vater-Sohn-Verhältnis und die Gießerei ist bei Felix, der seit über zehn Jahren gemeinsam mit mir Geschäftsführer ist, gut aufgehoben“, sagt der Jubilar, dem es nicht langweilig wird. Schließlich warten neben den Enkeln Larissa (9), Katharina (7) und Johannes (6) nach wie vor viele Ehrenämter. Nach der Zeit am Keplergymnasium und seiner Jugend in Pforzheim, wo die Witzenmann-Familie wie ein zweites Elternhaus war, zog ihn das Studium der Eisenhüttenkunde nach Aachen. Nach erlebnisreichen Wanderjahren, unter anderem für die IBM, kam er zurück zur 1954 nach Nöttingen umgesiedelten Gießerei.

Casper war rund 20 Jahre Landes- Vorsitzender des Landesverbands der Gießerei-Industrie, gut 30 Jahre Verwaltungsrat der Kreissparkasse, davon sieben Jahre im Kreditausschuss, elf Jahre Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung Nordbaden (nach wie vor Wirtschaftsrat), 13 Jahre Präsident der IHK Nordschwarzwald und 2000 bis 2006 als Präsident des Industrie- und Handelskammertags Baden-Württemberg regelmäßig auf Tour mit den Ministerpräsidenten Teufel und Oettinger: „Das Engagement für die IHK war mir wichtig, weil sie alle Interessen der Wirtschaftsregion vertritt – ob Buchhändler oder Maschinenbauer“, sagt Casper.

Noch heute sitzt er im Landesverband der Industrie sowie im Beirat der Kunststiftung Baden-Württemberg und des BDI-Kulturkreises, außerdem bereichert er das Kuratorium des Berliner Humboldt- Forums, die Akademie der Künste, seit Kurzem als einziger Badener den Beirat des Landesmuseums Württemberg. Das alles neben der Gießerei, die er unter dem Slogan „Weiße Gießerei im Grünen“ mit Arbeitsplatz- und Umweltbewusstsein und dank des rückenstärkenden technischen Geschäftsleiters Hans- Joseph Lücking durch zwei schwere Wirtschaftskrisen lotste. Schwer war auch die Zeit nach dem Tod seiner an Krebs erkrankten Tochter Felicitas. „Trotz alledem hatte ich immer sehr viel vom Leben“, stellt der Träger der baden- württembergischen Wirtschafts-, Verdienst- und der Stauffer-Medaille fest, der ebenso wie seine Frau Barbara, Buchhändlerin und Vorsitzende der Musik- und Kunstschule Westlicher Enzkreis, als rühriger Kulturschaffer in Remchingen Spuren hinterlassen hat. Als CDU-Gemeinderat (1975-89) und Fraktionssprecher kämpfte er für die Kulturhalle, an der wie an einigen anderen Ortsplätzen kreative Casper-Kunstgüsse für Gesprächsstoff sorgen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Pforzheimer Kuriers, Autor: Julian Zachmann