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8.09.2018

Junger Sprechabend der VDG-Landesgruppe NRW

Getreu dem Motto „Mein Einstieg in die Gießerei-Industrie – viele Wege führen zum Ziel“ berichteten Absolventen und Berufseinsteiger über ihren persönlichen Werdegang in der Gießerei-Industrie (Foto: BDG/Soschinski).

> VDG: Der Sommer-Sprechabend der VDG-Landesgruppe NRW – Bezirksgruppen Rhein-Ruhr und Ostwestfalen – hatte diesmal einen besonderen Schwerpunkt: den Karriere-Start in die Gießerei-Industrie. Er richtete sich vor allem an Absolventen, die vor kurzem in der Gießerei-Industrie in den Beruf eingestiegen sind und an Studenten kurz vor dem Abschluss, die aus den Vorträgen Tipps für ihre eigene bevorstehende Bewerbungsphase erhalten sollten.

Getreu dem Motto „Mein Einstieg in die Gießerei-Industrie – viele Wege führen zum Ziel“ berichteten Absolventen und Berufseinsteiger über ihren persönlichen Werdegang in der Gießerei-Industrie, von der Ausbildung über das Studium bis zum Berufsstart. Dabei ging es u. a. darum, wie sie Kontakte zu Unternehmen geknüpft hatten, beispielsweise über ihre Bachelor- und Master-Arbeiten. Dabei gaben sie auch einen kleinen Einblick in ihre Unternehmen und beschrieben ihre Tätigkeiten. Vier interessante Lebensläufe, die neugierig machen und das Potenzial oder die Faszination der Gießereitechnik anschaulich darstellen. Rein zufällig ergab es sich, dass die drei Vortragenden beruflich aus dem Sauerland kamen, wobei doch einige Wege ins Rheinland führten. Einige von ihnen blieben ihrer Heimat verbunden – im Sauerland gibt es ein reichhaltiges Angebot an Industriebetrieben der Gießereitechnik!

Der Werdegang von B.Eng. Eva Strake begann mit ihrer Wunschausbildung zur Werkzeugmacherin bei Honsel in Meschede, dann folgte für die wissbegierige junge Frau das Fachabitur in Metalltechnik. Ihr Interesse an der Gießereitechnik führte zu einem Bachelor-Studium an der FH Südwestfalen, während sie als Werksstudentin weiter für Martinrea Honsel arbeitete. Für ihr Master-Studium wählte sie die Universität Duisburg-Essen und absolvierte ein Auslandssemester bei einem OEM. In ihrer Masterarbeit entwickelt sie neuartige Entlüftungssysteme für das Niederdruckgießverfahren. Bei Martinrea Honsel arbeiten zurzeit zehn Ingenieurstudenten, in der Mehrzahl von der FH Südwestfalen.

Vom Aachener Gießerei-Institut kommt M.Sc. Jan Krampe, der sich direkt für das Studium der Metallurgie und Werkstofftechnik entschied und dort auf die Vertiefungsrichtung Gießereitechnik aufmerksam wurde. In einem Praxissemester im Berliner BWM-Motorradwerk arbeitete er an Schmiede- und Gusskomponenten, wobei ihn letztere besonders faszinierten. In seiner Masterarbeit arbeitete er an Wärmedämmschichten für Dauerformkokillen für das Aluminiumgießen. Den Kontakt zu seinem heutigen Arbeitgeber Ohm und Häner fand er über eine Exkursion des Gießerei-Instituts. Hier ist er heute in der Forschung und Entwicklung tätig und arbeitet u. a. bei verschiedenen Forschungsvorhaben der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) mit. Im Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e. V. (BDG) vertritt er sein Unternehmen im Fachausschuss Leichtmetall Sand- und Kokillenguss. Seine Work-Life-Balance findet er auf E-Bikes seines Arbeitgebers, die er im Umland von Olpe gut einsetzen kann.

M.Eng. Daniel Schaltenberg ist ebenfalls ein Absolvent der FH Südwestfalen. Und auch er begann mit einer Ausbildung bei Honsel, allerdings als Gießereimechaniker der Fachrichtung Druck- und Kokillenguss. Eine Tätigkeit in der Arbeitsvorbereitung reichte ihm nicht und so nahm er das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der FH Südwestfalen, Fachrichtung Maschinenbau mit Schwerpunkt Gießereitechnik, auf, dass er mit dem B. Eng. abschloss. Zusätzlich erwarb er die Qualifikation des „VDG-Gießerei-Fachingenieurs“ an der VDG Akademie in Düsseldorf – für ihn der ideale Berufseinstieg bei dem großen Automobilzulieferer Mubea Tailor Rolled Blanks in Attendorn. Seine nächste berufliche Station führte ihn wieder zurück zur Gießereitechnik – zu Georg Fischer in Werdohl, wo er einen Fertigungsbereich verantwortete. Parallel zu seiner herausfordernden Tätigkeit belegte er den Verbundstudiengang Maschinenbau an der FH Südwestfalen, den er mit dem M.Eng. abschloss; seine Arbeit behandelte das Eingießen von medienführenden Stahlrohren in Druckgießformen. Aktuell ist er Produktionsleiter bei Magna BDW Technologies – Cosma Casting – in Soest und verantwortet die Fertigung von Strukturgussteilen.

Zum Abschluss eine Karriere in der Eisengießerei: B.Eng. Patrick Schulte berichtete über seine berufliche Entwicklung bei der M. Busch GmbH in Wehrstapel, die er als Industriemechaniker begann. Die Faszination der modernen Eisengussfertigung motivierte ihn, sich beruflich weiterzuentwickeln. Nach dem Fachabitur nahm er das Maschinenbaustudium an der FH Südwestfalen auf. Während der vorlesungsfreien Zeiten arbeitete er weiterhin als Ferienarbeiter in der mechanischen Instandhaltung bei M. Busch; im Rahmen seiner Bachelorarbeit spezialisierte er sich auf die Gussteilnachbearbeitung durch Strahltechnik und optimierte die Strahlmittelaufbereitung. Heute ist er Koordinator der mechanischen Instandhaltung Putzerei. M. Busch unterstützte seine Fortbildung und stellte in den letzten Jahren drei Ingenieure von der FH Südwestfalen ein.

Die anschließende Diskussion offenbarte, dass der Ingenieurmangel in den Unternehmen spürbar ist. Dies fordert den Absolventen viel Engagement ab, bietet ihnen aber eben auch sehr vielseitige Arbeitsumfelder und zugleich genug Freiraum für sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten. Die vier vorgestellten Gießereien liegen – wie viele Betriebe – etwas abseits der Metropolen. Da sich die vier Absolventen in der Umgebung ihrer Betriebe im Sauerland sehr wohl fühlen, passt das gut. Interessant war der Erfahrungsaustausch zur Bewerbungspraxis. Einige Studenten aus dem Publikum bemängelten, dass sie von einigen Unternehmen überhaupt keine Rückmeldung erhalten hatten. Dies waren jedoch eher Einzelfälle, denn in den meisten Fällen lief die Bewerbungsphase recht zügig und über Portale professionell.

Die Diskussion mit anderen jungen Teilnehmern zeigte, wie wichtig es ist, den Erfahrungsaustausch mit Studienkollegen in anderen Unternehmen nicht abreißen zu lassen und auch den Austausch mit Absolventen anderer Hochschulen zu pflegen, wie beispielsweise beim Studentenempfang beim Gießereitag 2017 oder bei der Studenten-Vortragsreihe in Salzburg. Aufgaben, die der VDG bereits wahrnimmt und deren Bedeutung die Diskussion bestätigte.

Im Anschluss nahmen die Teilnehmer an einem kurzen Rundgang durch die Labors der BDG Service GmbH teil, wo ihnen Holger Becker und Manuel Bosse einen Einblick in die moderne Analytik für Gießereibetriebe gaben. Die BDG Service GmbH wird seit Mitte Mai von dem neuen Geschäftsführer Ralf Gorski geleitet. Zum Abschluss hatte der VDG ein Networking Barbecue organisiert. Auch wenn dies leider wetterbedingt nicht im Freien durchgeführt werden konnte, ergab sich ein intensiver Erfahrungsaustausch zwischen Studenten, Absolventen und Berufserfahrenen. Ein kleines Manko: Es stellte sich heraus, dass der Termin des Sprechabends gegen Ende der Klausurphase lag und so einige Studenten von der Teilnahme abgehalten hatte. Dies wird beim nächsten Termin am 23. November 2018 am Lehrstuhl für Gießereitechnik in Duisburg berücksichtigt. Zu diesem Termin wird unter Leitung des VDG-Landesgruppenvorsitzenden NRW Dr. Ingo Steller auch die Mitgliederversammlung der Landesgruppe stattfinden.

Zusammen mit dem Studentenempfang oder den Studenten-Vortragsreihen bietet der VDG ein attraktives Programm, um junge Ingenieure aller Hochschulen der Gießereitechnik zusammenzuführen. Die „Gemeinschaft der Gießer“, die dort jeweils eine lange Tradition hat, erfährt so durch den VDG eine zusätzliche Unterstützung. 2019 ist GIFA-Jahr und hat keinen regulären Gießereitag. Dennoch plant der VDG eine „Zukunftswerkstatt“, an der Studenten der letzten Fachsemester und Absolventen mit Führungskräften über den Karriere-Einstieg, Führung und Weiterbildung sprechen können.

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