Aktuelles aus der Branche

5.12.2018

Innovativer Leichbau und Digitalisierung

Das Branchentreffen Leichtbau in Guss fand am 6. Und 7. November 2018 im Monarch Hotel in Bad Gögging statt (Foto: BDG/Wirth)

> LEICHTBAU IN GUSS 2018: Mit dem Untertitel „Innovative Lösungen zur Effizienzsteigerung in der Wertschöpfungskette“ trafen sich am 6. und 7. November 2018 in Bad Gögging rund 80 Experten aus Wissenschaft und Industrie, um sich über die neuesten Trends, Entwicklungen und Erfahrungen zum Leichtbau im Gießereisektor auszutauschen.

Neben innovativen Konzepten im Bereich der qualitativ hochwertigen, effizienten und kostensparenden Leichtbaufertigung bildete auch die Digitalisierung in der Gießereitechnik einen wichtigen Themenschwerpunkt. Als Tagungsleiter führten Professor Wolfram Volk und Professor Hartmut Hoffmann vom Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen der Technischen Universität München durch das umfangreiche, durch entsprechende Pausen aber wohldosierte Vortragsprogramm und moderierten die äußerst spannenden Fragerunden.

Professor Volk hieß die Teilnehmer in seiner Begrüßungsrede aufs Herzlichste willkommen, bevor er das Wort an den ersten Referenten, Marc Hummel, Audi AG, Neckarsulm, übergab, der über Leichtbau-Innovationen beim neuen Audi A8 referierte. Mario Senff, BMW Group Landshut, stellte nachfolgend neueste Forschungen und Entwicklungen zur hybriden Mischbauweise von Aluminium-Stahlguss, insbesondere für den fügetechnisch optimierten Karosserieleichtbau vor.

Laura Leineweber, Magma GmbH, Aachen, leitete mit ihrem Vortrag zur methodischen simultanen Auslegung von E-Mobilität-Gussteilen den Themenblock zur digitalen Prozess- und Produktoptimierung ein. Sie stellte die virtuelle Auslegung und Optimierung von Gießprozessen als chancenreiche Schlüsseltechnologie zur fertigungstechnischen Absicherung aller Arten von gegossenen Leichtbau-Komponenten vor. Konrad Weiß und Chinnadit Baitiang, RWP, Roetgen, berichteten über die Umsetzung von Industrie 4.0 in der Gießerei, insbesondere dass Daten und Fertigung nur nutzbringend vereinbart werden können, wenn eine genaue Kenntnis der physikalischen Zusammenhänge besteht. Auch Jan Titze, Krämer + Grebe GmbH & Co, Biedenkopf, betonte, dass das Vorliegen der korrekten Daten essentiell für eine Prozessoptimierung ist. Zum Beispiel wissen wir zwar, mit welcher Druckvorgabe die Maschine ein Werkzeug befüllt, nicht aber ob diese Werte auch wirklich so im Werkzeug ankommen, diese „Blackbox Werkzeug“ gelte es zu visualisieren. Für die Gießereiplanung bedeute der digitale Wandel auch, dass die Grenzen zwischen Produktion und Dienstleistung verwischen, wodurch Kundenintegration und Prozesstransparenz ein neues Niveau im Umgang mit betrieblichen Daten und Informationen verlangen, betonte Robin Freitag von der Rawema Engineering & Consulting GmbH, Chemnitz. Seitens der Teilnehmer wurde der tatsächliche Benefit von „Industrie 4.0“ vielseitig diskutiert und zum Beispiel ein Datenbankstandard angemahnt.

Die beiden letzten Vorträge des ersten Veranstaltungstages widmeten sich wieder eher wissenschaftlich-technischen Aspekten. Wolfgang Knothe, Frankenguss AG, Kitzingen, referierte über „Gegossene Bauteile für den Leichtbau im Fahrzeug aus Eisen- und Aluniniumwerkstoffen“ und betonte unter anderem, dass es nicht nur auf die Werkstoffentwicklung ankomme, sondern vor allem auf eine lastgerechte Auslegung der Bauteile und deren Crashverhalten. Florian Heilmeier, Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen, TU München, stellte Forschungsergebnisse zu In-Situ-Dehnungsmessungen während der Erstarrung und Abkühlung von Aluminiumlegierungen vor. Hier werden optische Fasern mit in das Gussteil eingegossen und die Änderung des Brechungsindex‘ über die Zeit beobachtet.

Viel Gelegenheit, die in den Fragerunden angeschnittenen Themen noch weiter zu diskutieren und sich fachlich auszutauschen sowie alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen, bot am Abend das Get-together in der zünftigen „Almhütte“ des Tagungshotels.

Der zweite Veranstaltungstag startete mit zwei Vorträgen zu den Möglichkeiten und Herausforderungen von 3-D-gedruckten Formen und Kernen. Daniel Günther vom Fraunhofer IGCV, München, referierte in diesem Zusammenhang über die Strukturoptimierung beim Aluminiumgießen, insbesondere die Topologieoptimierung und das Potenzial von Monoblock-Kernen. Wie sich 3-D-gedruckte Kerne nicht nur geometrisch, sondern auch funktional, zum Beispiel durch angelegte Kühlkanäle, optimieren lassen, war Teil des Vortrags „Leichtbaupotenziale durch 3-D-gedruckte Formen und Kerne“ von Martin Bednarz, TH Ingolstadt. Aus der betrieblichen Praxis berichtete Ingo Prass, Nemak Europe GmbH, Linz, über den „Globalen Roll-out anorganisch gebundener Kerne“ und die Möglichkeiten der Regeneration des anfallenden Altsandes im Werk. Florian Hofbauer, BMW Group, Landshut, zeigte Möglichkeiten und Technologieentwicklungen im Leichtbau mit Stahlguss, zum Beispiel durch integrative Bauteile, auf. Abschließend stellte Martin Landsberger, Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen, TU München, Forschungsergebnisse zur Charakterisierung der Wärmebehandlung von ausferritischem Gusseisen mit Kugelgrafit (ADI) und seiner Eignung für hydraulische Komponenten vor.

Schluss- und quasi kleinen Höhepunkt der inhaltlich und organisatorisch gelungenen Fachtagung bildete die Besichtigung der Audi Strukturteilefertigung in Münchsmünster. Die nächste „Leichtbau in Guss“ wird vom 12.-13. November 2019 in Nürtingen stattfinden.

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