Aktuelles aus der Branche

5.12.2018

Studie geht von hohem Jobverlust aus

Mit gravierenden Folgen für die Beschäftigung rechnet eine neue IAB-Studie (Fotolia).

> E-MOBILITÄT: In einer neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) wird von einem Verlust von über 100 000 Arbeitsplätzen bis 2035 durch die Elektrifizierung der Mobilität ausgegangen. Die Studie geht dabei von einer E-Mobilität von nur 23 % bis dahin aus. Abmildern lasse sich dieses düstere Szenario den Autoren zufolge nur dadurch, dass Deutschland bei der E-Auto und E-Batterieproduktion vorprescht.

Die Ergebnisse weisen, im Vergleich zum Basisszenario, zwar zunächst einen positiven Wachstums- und Beschäftigungseffekt aus, langfristig müsse aber mit einem niedrigeren Bruttoinlandsprodukts- und Beschäftigungsniveau gerechnet werden. Während anfangs insbesondere die notwendigen zusätzlichen Investitionen der Autobranche, die Bauinvestitionen in die Ladeinfrastruktur und die Neuausrüstung des Stromnetzes für positive Effekte sorgen, dominiert langfristig steigende Importbedarf an Elektroautos und Traktionsbatterien. Die Kosteneffekte würden sich zwar mit Ausnahme der Weiterbildungskosten gesamtwirtschaftlich ebenfalls negativ auswirken, seien aber bei weitem nicht so dominierend. Auch federe der positive Effekt aus der Änderung des Kraftstoffbedarfes – Strom statt Mineralöl – die negativen Impulse ab, heißt es in der IAB-Studie.

Die produktivitätsbedingten Wachstums- und Beschäftigungsimpulse, die auch erst in langer Frist zum Tragen kommen, federten zwar einerseits ebenfalls den größtenteils importinduzierten Rückgang der Wirtschaftsdynamik ab, trügen andererseits aber zu dem relativ starken gesamtwirtschaftlichen Arbeitsplatzverlust bei. Insgesamt seien die technologiegetriebenen Arbeitsplatzverluste als relativ stark zu bewerten, heißt es. Im Jahr 2035 werden knapp 114 000 Plätze aufgrund der Umstellung auf den Elektroantrieb bei Pkws verloren gegangen sein, prognostizieren die Macher der Studie. Die Gesamtwirtschaft werde bis 2035 einen Verlust in Höhe von 20 Mrd. Euro realisieren. Dies entspriche ca. 0,6 % des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes.

Die sektorale Betrachtung der Erwerbstätigeneffekte zeige, dass mit 83 000 verlorengehenden Arbeitsplätzen der größte Jobabbau im Fahrzeugbau zu erwarten sein dürfte. Andere Branchen gerieten zwar ebenfalls in Mitleidenschaft und müssten über 30 000 Stellen abbauen. Allerdings würden auch fast 16 000 neue Stellen geschaffen wie bspw. im Bauwesen, bei den Stromversorgern oder in Teilen des Dienstleistungsbereiches und des Verarbeitenden Gewerbes. Der Gesamtumschlag an Erwerbstätigen, der sich durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs von Pkws ergibt, betrage im Jahr 2035 bis zu 150 000.

Von der Elektrifizierung des Antriebsstrangs seien vor allem Fachkräfte negativ betroffen, folgern die Autoren. Zeitverzögert sinke auch der Bedarf nach Spezialisten- und Expertentätigkeiten. In der längeren Frist würden sich negative Effekte für alle Anforderungsniveaus ergeben. Werde einerseits bedacht, dass das Elektromobilitäts-Szenario „nur“ von einem Elektroanteil von 23 % bis 2035 ausgehe, sei davon auszugehen, dass bei einer stärkeren Marktdurchdringung mit deutlich höheren Wachstums- und Beschäftigungseffekten gerechnet werden müsse.

Andererseits könne durchaus ein positiver Wachstums- und Beschäftigungseffekt realisierbar sein, wäre Deutschland in der Lage, sowohl den Markt stärker mit inländisch produzierten Autos als auch mit inländisch produzierten Traktionsbatteriezellen zu versorgen, räumen die Autoren der Studie ein. Es sei aber noch weiterer Forschungsbedarf nötig, um insbesondere die Stellung der Zulieferbranche und die Unterscheidung nach verschiedenen Kraftstoffarten und die Erweiterung weitere Mobilitätsbereiche auszuwerten.

www.iab.de