Aktuelles aus der Branche

19.12.2018
erschienen in GIESSEREI Heft 1|2019

Serienfertigung des größten Windkraftgetriebes der Welt

Stolz auf ihr Unternehmen und ihre Arbeit: Die ZF-Mitarbeiter Yasar Can Bayrak, Maik Knappmann und Christopher Dickamp (v. l. n. r.) stehen vor einem 8-MW-Getriebe. Es ist das bislang größte in Serie gefertigte Windkraftgetriebe der Welt – made in Witten (Foto: Jürgen Theobald/Funke Foto Services).

> ZF WITTEN:  Das Unternehmen und seine Mitarbeiter hatten 2015 keinen leichten Start. Jetzt ist ZF in Witten im Aufwind. Im Werk an der Mannesmannstraße wird das größte Windkraftgetriebe der Welt in Serie gefertigt. 72 t schwer kommt das 8-MW-Getriebe in den großen Offshore-Windparks der Welt zum Einsatz.

Ulrich Reinders, Geschäftsführer der ZF-Industrieantriebe Witten GmbH: „Ab März starten wir mit der Produktion eines noch leistungsstärkeren Getriebes für 9,5 MW-Windturbinen. Das haben wir hier in Witten selbst entwickelt.“ Damit der Laie eine Vorstellung von der Leistungskraft solcher Giganten hat, fügt der Diplom-Ingenieur hinzu: „Allein eine Windkraftanlage mit einem 8-MW-Getriebe versorgt rund 10 000 Haushalte mit grüner Energie.“

In diesem Jahr (2018, Anmerkung der Red.) würden in Witten rund 125 solcher Getriebe gefertigt. Und noch weitere große Getriebe produziert – etwa für Tunnelbohrmaschinen oder Seilbahnen. Ulrich Reinders: „Unsere Seilbahngetriebe kommen sogar in Boliviens Hauptstadt La Paz zum Einsatz.“ ZF-Getriebe hätten die Fräsköpfe beim Bau des Brenner-Basistunnels und beim U-Bahn-Bau in Las Vegas angetrieben.

Wenn er an das Geschäftsjahr 2019 denkt, ist Reinders verhalten optimistisch. „Unsere drei Bereiche Windgetriebe, Industrieantriebe und der Service deuten auf Wachstum hin.“ Mit Blick auf die internationale Konkurrenz betont er jedoch: „Wir unterliegen weiterhin einem hohen Kostendruck.“

Als die ZF Friedrichshafen AG im Dezember 2015 die Windkraft- und Großgetriebesparte der Bosch Rexroth AG mit rund 850 Mitarbeitern in Witten übernahm, stieg der Konzern vom Bodensee in den Markt für Industriegetriebe ein. ZF-Kunden ordern diese in Witten zum Beispiel auch für Ölplattformen, Minenfahrzeuge oder Recycling-Maschinen. 2016 gab es aufgrund einer schwachen Auftragslage bei ZF Kurzarbeit. Ende Februar 2017 reisten Betriebsräte nach Passau, Sitz der ZF-Division Industrietechnik, um über Einsparungsstrategien am Wittener Standort zu sprechen.

Dann die Wende zum Besseren. Im September 2017 hieß es: Der Laden läuft wieder. „In diesem Jahr werden bei uns Überstunden gefahren“, sagt Reinders. Der Geschäftsführer spricht von einer „Erholung nach einer schwierigen Phase“. Und betont, der Standort Witten stehe besser da als bei der Übernahme Ende 2015. „Wir haben tolle, gut qualifizierte Mitarbeiter.“ Das Unternehmen investiere auch in den eigenen Nachwuchs. „In diesem Jahr sind zehn neue Auszubildende für technische Bereiche eingestellt worden. Insgesamt haben wir jetzt 27 Auszubildende.“

Der Wittener ZF-Standort müsse aber weiterhin an der kontinuierlichen Steigerung der Effizienz arbeiten und „weiter wachsen, um nachhaltig zu wachsen“. Rund 60 % des Umsatzes gehe auf das Konto Windkraftgetriebe, rund 40 % werde mit Industrieantrieben erwirtschaftet, so Reinders. Ein großes Standbein des Unternehmens sei auch das im März 2017 eröffnete europäische Service-Center für Wind- und Industriegetriebe. „Bei uns werden Großgetriebe – auch von anderen Produzenten – gewartet und repariert. Das Service-Center ist bei uns ein wachsender Bereich“, betont Reinders. Rund zwei Millionen Euro wurden in den neuen Arbeitsbereich investiert. Der Geschäftsführer: „Für unsere Kunden sind wir dadurch attraktiver geworden.“

Die ZF Friedrichshafen AG beschäftigt weltweit 146 000 Mitarbeiter an rund 230 Standorten in fast 40 Ländern. Rund 50 000 Angestellte arbeiten in Deutschland. ZF ist ein weltweit führender Technologiekonzern in der Antriebs-, Fahrwerk- und Sicherheitstechnik. Der Konzern gehört seit der Übernahme des amerikanischen Unternehmens TRW 2015 zu den weltweit größten Automobilzulieferern. 2017 hat ZF einen Umsatz von 36,4 Mrd. Euro erzielt. Umsatzzahlen für das Wittener Werk werden nicht genannt. Der Konzern wendet über 6 % seines Umsatzes für Forschung und Entwicklung auf und gehört zu den zehn größten Patentanmeldern in Deutschland.

Erschienen am 16.11.2018 in der WAZ Witten. Autorin: Jutta Bublies

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