Aktuelles aus der Branche

27.12.2019
erschienen in GIESSEREI Heft 1|2020

Hochofen erstmals mit Wasserstoff betrieben

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart (5. v. l.) im Stahlwerk von thyssenkrupp in Duisburg. Der Minister startete eine Versuchsreihe zum Einsatz von Wasserstoff im Hochofen (Foto: thyssenkrupp)

> DEKARBONISIERUNG: Der Duisburger Stahlhersteller thyssenkrupp Steel hat eine Versuchsreihe zum Einsatz von Wasserstoff im laufenden Hochofenbetrieb gestartet. Es sind die bislang ersten Tests dieser Art. Sie dienen dem Ziel, die bei der Stahlherstellung entstehenden CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren.

Den Versuchsstart im Beisein von NRW-Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart wertete das Unternehmen als Meilenstein in der Transformation zur klimaneutralen Stahlproduktion. thyssenkrupp will bis 2050 klimaneutral werden. Bereits bis zum Jahr 2030 sollen die Emissionen aus Produktion und Prozessen (die sogenannten Scope 1-Emissionen) im eigenen Unternehmen sowie die Emissionen aus dem Bezug von Energie (Scope 2) um 30 Prozent reduziert werden.

„Wir haben uns mit unserer Klimastrategie ein klares Ziel gesetzt“, sagte Dr. Klaus Keysberg, Mitglied des Vorstands der thyssenkrupp AG, zuständig für Materialgeschäfte des Konzerns. „Die Stahlproduktion nimmt für die Erreichung unserer Klimaziele eine wichtige Rolle ein, denn der Hebel der Sparte bei der Senkung der Emissionen ist groß. Deswegen treiben wir den Wandel zur Wasserstofftechnologie mit aller Kraft voran.“

Beim klassischen Hochofenprozess werden für die Herstellung von einer Tonne Roheisen rund 300 Kilogramm Koks und 200 Kilogramm Kohlenstaub benötigt. Der Kohlenstaub wird im unteren Schachtbereich des Hochofens als zusätzliches Reduktionsmittel über 28 sogenannte Blasformen eingeblasen. Zum Versuchsstart wurde an einer dieser Blasformen am Hochofen 9 Wasserstoff injiziert.

Damit beginnt eine Versuchsreihe, in der thyssenkrupp Steel den Einsatz von Wasserstoff schrittweise erst auf alle 28 Blasformen dieses Hochofens und ab dem Jahr 2022 dann auf alle drei weiteren Hochöfen ausweiten will. Der Vorteil: Während beim Einsatz von Einblaskohle CO2-Emissionen entstehen, entsteht beim Einsatz von Wasserstoff Wasserdampf. Somit können bereits an dieser Stelle im Produktionsprozess bis zu 20 Prozent CO2 eingespart werden.

www.thyssenkrupp.com