Aktuelles aus der Branche

8.04.2020

Branche flächendeckend beeinträchtigt

Die Corona-Krise geht nun an fast keinem deutschen Gießereiunternehmen mehr spurlos vorbei. Gießereien leiden unter u. a. unter Lieferengpässen und Liquiditätsschwierigkeiten (Foto: Fotolia).

> CORONA-KRISE: Die zweite BDG-Mitgliederumfrage offenbart eine nahezu flächendeckende Beeinträchtigung der Branche durch die Pandemie. Zu den gravierendsten Schwierigkeiten der Gießereien gehören Liquiditätsengpässe, Absatzschwierigkeiten, Zulieferer- und Lieferantenausfälle sowie Ausfälle der eigenen Mitarbeiter. Zugleich verlagern sich die globalen Lieferketten: deutsche Gießereien werden verstärkt angefragt, asiatische Lieferengpässe auszugleichen.

Während die Branche die von der Bundesregierung ergriffenen Bemühungen zum Gesundheitsschutz begrüßt, wird ihre Betriebsfähigkeit durch die getroffenen Schutzmaßnahmen zugleich zunehmend beeinträchtigt. Die zwischen dem 31.03. und 03.04 durchgeführte Befragung hatte in neun Fragen nach aktueller Situation im Betrieb und Ausblick differenziert. Sie folgt damit der ersten Befragung vom 10.03.-13.03.2020. Besonders interessant ist der Blick auf die Veränderung der Antworten zu den identischen Fragenformulierungen der ersten Umfrage.

So hatten bei der Erstbefragung 76% der befragten Unternehmen “Auswirkungen des Coronavirus auf den Betriebsablauf“ gespürt, 24% hatten dies nicht. Drei Wochen später ist die Verneiner-Quote auf vier Prozent geschrumpft, 96% spüren Auswirkungen auf den Betriebsablauf: „Die Coronakrise hat die Gießerei-Industrie also zwischenzeitlich flächendeckend erfasst“, so Max Schumacher, Hauptgeschäftsführer des BDG. Die gravierendsten Auswirkungen sind Liquiditätsengpässe, Beschränkungen von Geschäftsreisen, Ausbleiben von Gästen bzw. Kunden, Absatzschwierigkeiten, Zulieferer- und Lieferantenausfälle sowie Ausfälle der eigenen Mitarbeiter.

Engpässe konzentrieren sich deutlich auf den Bereich Arbeitsschutz und Hygiene (Masken, Desinfektionsmittel) sowie bei Rohstoffen und Komponenten zunehmend auf Italien und Spanien.Nach wie vor mangelt es vor allem an Gießerei-Hilfsstoffen auf Alkoholbasis. Hier kämpfen die Gießereien mit schlechter Verfügbarkeit und extrem gestiegenen Preisen. Für den weiteren Zukunftsausblick sind „Absatzschwierigkeiten“ die meistgenannte Befürchtung.

Aktuell gibt es gleichwohl Indizien dafür, dass die Branche mit der Situation aktiv und – soweit es in ihrem Gestaltungsbereich liegt – auch konstruktiv umgeht. So wurde die Frage gestellt „Sehen Sie sich in der Lage, rasch Alternativen bei Zulieferengpässen zu finden?“ Dies hatten in der KW 11 insgesamt 27 % der Befragten bejaht, bei der zweiten Umfrage jetzt bereits 34 %. Alternativen sind, so der Tenor, durch Lieferantenwechsel oder Umstellung des Produktionsprozesses, etwa von Alkohol- auf Wasserschlichte möglich. Im Regelfall sind damit allerdings höhere Kosten verbunden.

Erneut ist in der Umfrage die Frage gestellt worden, ob das Coronavirus das Potenzial hat, „der Konjunktur zu schaden und eine Rezession auszulösen“. Dies hatte bereits in der KW 11 eine deutliche Mehrheit von 82 % der Befragten bejaht. Dieser Wert ist weiter gestiegen, auf nunmehr 88 %. Gestiegen ist binnen drei Wochen auch die Quote der Betriebe, die bereits in Kurzarbeit sind oder dies unmittelbar planen, und zwar von rund 50 % auf jetzt 86 %.

Sowohl in KW 11 als auch in der aktuellen Umfrage wurde die Frage gestellt „Gibt es Signale seitens Ihrer Kunden, dass globale Lieferketten modifiziert werden?“ Diese Frage beantwortet noch immer eine deutliche Mehrheit mit „Nein“, allerdings nur noch 71 % statt 81% vor drei Wochen. Entsprechend vernehmen mehr Befragte solche Signale – laut aktueller Umfrage 29 %. Dahinter steckt die aktuell konkrete Erfahrung, dass vermehrt deutsche Gießereien um Lieferungen angefragt werden, die bislang aus Asien oder Südeuropa bezogen wurden.

Die Coronakrise verläuft dynamisch, was im Rahmen der Frage „Kommt es zu Schwierigkeiten bei der Beantragung der Sonderkredite?“ deutlich wird. Unter den 17 % der Ja-Antworten fanden sich Forderungen zur 100-Prozent-Übernahme des Risikos durch die KfW – eine Forderung, die auch der BDG gegenüber der Politik unterstützt. Dieses für die Branche enorm wichtige Kriterium ist inzwischen politisch entschieden zu Gunsten der beantragenden Wirtschaft. Schumacher: „Dies ist eine weitere Entscheidung der Bundesregierung, die positive Signale setzt und die der BDG ausdrücklich begrüßt. Ob dies am Ende aber der Weisheit letzter Schluss ist, wird sich zeigen.“

Die Befragung erfolgte vom 31.03 - 03.04.2020 , teilgenommen haben 106 deutsche Gießereien, davon 60 % aus dem Eisen- und 40 % aus dem Nichteisen-Bereich.

http://www.bdguss.de