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3.04.2020

Beatmungsgeräte aus der Eisengießerei

Auszubildende in der Fritz Winter-Ausbildungswerkstatt. In diesen Räumlichkeiten wird die Eisengießerei eine Kleinserie der Beatmungsgeräte produzieren (Foto: Andreas Bednareck).

> CORONA-KRISE: Einem Team aus Forschung und Technik der Philipps-Universität Marburg und des Universitätsklinikums Gießen und Marburg ist es innerhalb weniger Tage gelungen, einfache Beatmungsgeräte zu entwickeln, die bei der medizinischen Bewältigung der Corona-Pandemie eingesetzt werden können. Bei der Produktion der Geräte bekommt das Team nun Unterstützung von der Eisengießerei Fritz Winter aus Stadtallendorf, die eine erste Kleinserie in der Ausbildungswerkstatt bauen wird.

Der Clou: Die Beatmungsgeräte sind schnell und relativ preisgünstig zu produzieren. Sie bestehen im Kern aus Geräten zur Behandlung von Schlafapnoe sowie aus Beatmungsbeuteln zur Erstversorgung. Zum Einsatz sollen sie kommen, falls in den Kliniken die Patientenzahlen steigen und die Zahl regulärer Beatmungsplätze nicht mehr ausreicht. Hessen stellt 10 000 Euro für die Entwicklung bereit. Neben der Unterstützung durch Fritz Winter hoffen die Marburger Forscher und Techniker auch noch auf die Hilfe weiterer Betriebe im Werkzeug- und Maschinenbau, die wegen unterbrochener Produktionsketten Leerläufe haben und nun bereit sind, Teile zum Selbstkostenpreis zu produzieren.

In rund zwei Millionen deutschen Haushalten gibt es Geräte zur Behandlung von Schlafapnoe. Das Entwicklungsteam um den Physiker Prof. Dr. Martin Koch hat die Beatmungsgeräte nach einer Idee aus dem Schlafmedizinischen Zentrum in Marburg mit Bauteilen u. a. aus dem Baumarkt und dem Elektrohandel für nur 50 Euro so erweitert, dass sie zur künstlichen Beatmung eingesetzt werden können. Das Team will mit einer öffentlich verfügbaren Bauanleitung erreichen, dass die Geräte weltweit nachgebaut und vor allem in Ländern mit schwacher medizinischer Versorgung genutzt werden können.

Für die Erstversorgung schwerer Fälle mit starker Atemnot sind die Geräte zwar nicht geeignet. Bei Patienten auf dem Weg der Genesung, die nicht so intensiv beatmet werden müssen, könnten sie aber zum Einsatz kommen. Dadurch können klinische Beatmungsplätze für akute Fälle schneller wieder frei werden.

Quelle: mit Gießener Allgemeine

www.fritzwinter.de