Aktuelles aus der Branche

2.04.2020
erschienen in GIESSEREI Heft 4|2020

Wer schützt mittelständische Zulieferer?

Der Shutdown der Automobilindustrie bedroht die deutsche Zulieferindustrie in ihrer Existenz. Die ArGeZ fordert deshalb Finanzierungshilfen und hochflexible arbeitsrechnliche Regelungen. Im Bild der mittelständische Automobilzulieferer Druckguss Westfalen, der seine Produktion erst im vergangenen Jahr erweitert hatte.

> ARGEZ ZU CORONA: Das Bündnis der Zulieferunternehmen Deutschlands und ihrer Wirtschaftsverbände ArGeZ warnt vor unabsehbaren Folgen für die Zulieferkette durch die europaweiten Werksschließungen der Automobilhersteller. Die von der Bundesregierung angekündigten Überbrückungskredite über KfW-Programme für die Industrie gehen laut dem Bündnis zwar in die richtige Richtung, sind jedoch nicht für jeden erreichbar.

„In der Stunde der Not gilt es, zusammenzustehen!“, so Christian Vietmeyer, Sprecher der ArGeZ. Die ArGeZ setzt sich für eine faire Partnerschaft zwischen Automobilindustrie und ihren Zulieferern ein. Die Werksschließungen von VW, BMW, Daimler und anderen Automobilherstellern hält Vietmeyer angesichts der dramatischen Pandemie für nachvollziehbar. Die vielen Zulieferbetriebe dürften aber nicht vor dem Aus stehen. Ein radikaler Abriss der Lieferketten dürfe nicht stattfinden. Die ArGez rechnet damit, dass durch Lieferverzögerungen das Wiederhochfahren der Produktion der Automobilfirmen bis Anfang Mai dauern kann, da Waren, die noch in China sind, in den europäischen Häfen vorher nicht eintreffen. Mit einer Produktionsunterbrechung bis zum 20. April 2020 rechnet die Zuliefergemeinschaft daher.

„Wir erwarten von den Automobilherstellern eine klare Kommunikation zum Produktionsstopp und zur weiteren Planung“, so Vietmeyer. Die zu erwartende mehrwöchige Produktionsunterbrechung wird bei einem Großteil der Zulieferunternehmen zu Liquiditätsengpässen führen, befürchtet er. Die derzeit von der Bundesregierung über die KfW zugesagten Kreditprogramme seien noch nicht ausreichend. Für viele Unternehmen seien Kredite keine Perspektive, insbesondere mit Blick auf die Zeit nach der Krise bräuchten sie jetzt vielmehr deutliche Unterstützungen des Eigenkapitals. Die Bundesregierung müsse dazu bereit sein, auch Zulieferbetrieben Zuschüsse zu gewähren. Zudem müssten die Regeln der EZB und der BaFin an die besonderen Gegebenheiten zeitlich befristet angepasst werden, so dass die Banken nicht die üblichen Sicherheiten hinterlegen müssten. Ansonsten würden nicht alle Unternehmen von ihren Hausbanken einen Kredit erhalten, warnte der ArGeZ-Sprecher.

Er forderte eine sofortige Ausweitung der Dauer von Kurzarbeit auf 24 Monate und neben einer Beschäftigungssicherung durch eine Vereinfachung der Kurzarbeiterregelungen auch kurzfristige Arbeitszeitflexibilisierungen. Ein erhöhter Infektionsschutz mit Mindestabstandsregelungen und Umstellungen in den Fertigungsprozessen erfordere eine kurzzeitige Flexibilisierung der Arbeitszeitbegrenzungen. Darüber hinaus sprach sich die ArGez gegen Ausgangssperren aus, um Unternehmen, Mitarbeiter und den Warenverkehr nicht zu sehr einzuschränken. Funktionierende Transportströme innerhalb Europas sowie eine transkontinentale Logistik müssten möglich bleiben, damit ein disruptiver Stopp mit nachfolgendem Wiederanlauf nicht zu langfristigen Stillständen in der deutschen Zulieferindustrie führten. Rohstoffe und Güter sind nach jetzigem Erkenntnisstand kein Überträger des Corona-Virus, bekräftigte Vietmeyer. „Der aktuelle Shutdown der Automobilindustrie bedroht die deutsche Zulieferindustrie und ihre Beschäftigten in ihrer Existenz. Deshalb sind jetzt passgenaue Finanzierungshilfen und hoch flexible Regelungen im Arbeitsrecht dringend notwendig ebenso wie der partnerschaftliche Umgang in der Zulieferkette.“

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