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2.04.2020

Gussteile zur Lebensrettung

Die Beatmungsgeräte der Lübecker Drägerwerke sind auf Gussteile angewiesen. G.A.Röders vervielfacht jetzt die Produktion, um die Fertigung der weltweit benötigten Geäte zu erhöhen und damit Leben zu retten (Foto: Drägerwerke).

> CORONA-KRISE: G.A.Röders beliefert die Drägerwerke in Lübeck mit dringend benötigten Gussteilen für Beatmungsgeräte. In den vergangenen Tagen wurde die Produktion im niedersächsischen Soltau im Eiltempo umgerüstet, um die Fertigung der erforderlichen Gussteile zu vervierfachen. Die hochmodernen Geräte von Dräger retten Leben und werden überall auf der Welt dringend gebraucht.

„Die Drägerwerke in Lübeck sind für uns ein alter Kunde, den wir schon seit drei Generationen bedienen“ so Geschäftsführer Gerd Röders. Dabei setzt die Gießerei auf Flexibilität, technische Kompetenz und ein Netzwerk von Zulieferern, um einbaufertige Produkte zu liefern. So werden auch jetzt die dringend benötigten Teile für die Beatmungsgeräte innerhalb von wenigen Tagen in der Ausbringung vervierfacht. Dabei haben die Mitarbeiter kräftig mitgezogen. „Wir haben die Produktion nach dem Anruf von Dräger aus Lübeck sofort umgerüstet und fertigen nun im Rekordtempo die benötigten Teile“ so Betriebsleiter Oliegard Lemanski „An uns soll es nicht scheitern, dass noch viel mehr Geräte gebaut werden als zurzeit geplant sind. Viele Mitarbeiter sind motiviert und stolz, hier an so wichtigen Produkten mitarbeiten zu können“  Natürlich sichert diese Arbeit auch Arbeitsplätze. „Wenn sich nicht bald etwas ändert, werden auch wir Kurzarbeit machen, aber dieser Auftrag von Dräger gibt uns noch ein wenig Luft und den Mitarbeiter sichert er Einkommen und Arbeitsplätze in dieser unsicheren Zeit“ so Gerd Röders.

Nichts ist zurzeit bei G.A.Röders so wie in normalen Zeiten. Mehr als die Hälfte der kaufmännischen Mitarbeiter arbeiten im Home Office, die Arbeitsplätze in der Produktion sind auf Abstand aufgebaut und auch bei den notwendigen Produktionsbesprechungen wird auf Distanz geachtet. Schon am Eingang befindet sich Desinfektionsmittel und in der nächsten Woche werden 500 Mundschutze erwartet, die die Mitarbeiter in der tschechischen Niederlassung für Ihre Kollegen in Deutschland genäht haben.

Die Zusammenarbeit mit dem Werk in Tschechien funktioniert. Die eigene Firma besuchen können aber zurzeit weder die Besitzer noch die Fachleute aus Soltau, die Grenzen sind geschlossen. „Immerhin produzieren wir noch in beiden Werken“ freut sich der Geschäftsführer Andreas Röders. Die Auftragszahlen zeigen allerdings überwiegend in eine Richtung - nach unten. „Besonders schwer trifft uns, dass die Automobilindustrie in den letzten Jahren durch mehrere Krisen gegangen ist“, ergänzt Gerd Röders. „Zunächst die Dieselkrise, dann die Zulassungsbeschränkungen der europäischen Union und zuletzt die überstürzte Einführung der Elektromobilität haben in der ganzen Zulieferindustrie zu erheblichen Verwerfungen geführt. Viele Gießer gehen angeschlagen in diese neue Krisensituation."

Das gilt auch für das zweite Standbein der Firma, die Flugzeugindustrie. Hier haben sowohl der Skandal bei Boeing und jetzt die weltweite Einschränkungen des Flugzeugverkehrs, zu massiven Einbrüchen bei den Bestellungen geführt. Für Röders ist das ungewöhnlich denn die Flugzeugindustrie hat sich in den letzten Krise stets als stabil gezeigt. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat Röders neben der Zertifizierung für die Automobilindustrie auch eine Zertifizierung für den Flugzeugbau, fast schon ein Alleinstellungsmerkmal unter den Druckgießern. „Unsere Strategie sich breit aufzustellen zeigt trotzdem jetzt ihre Vorteile“

In den guten Zeiten suchen viele Gießer eher Kunden mit großen Serien um durch hohe Produktionsmengen die Gewinne zu verbessern. Röders hingegen hat immer auch kleine Serien produziert, besonders in der Medizintechnik, dem dritten Standbein des Soltauer Unternehmens. Dieses Standbein sichert jetzt in der niedersächsischen Gießerei nicht nur Arbeitsplätze, sondern rettet auch Leben - in Deutschland und weltweit. 

www.roeders.com

>>Zum Interview mit Gerd Röders zur aktuellen Lage