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30.07.2020

Schutzschirmverfahren beantragt

Auffüllen einer Druckgießmaschine bei KSM Castings in Hildesheim. 2016 betrieb das Unternehmen dort 28 Anlagen zur Herstellung von Druckguss (Foto: Andreas Bednareck).

> KSM CASTINGS GROUP: Einer der führenden Automobilzulieferer für Leichtbau-Druckgusskomponenten aus Aluminium und Magnesium, die Hildesheimer KSM Castings Group, hat Anfang Juli ein Schutzschirmverfahren beantragt. Grund: Die Corona-Pandemie, die zu starken Nachfrage- und Produktionsrückgängen auf dem deutschen Automobilmarkt führt. Um diesen Marktveränderungen Rechnung zu tragen, will sich das Unternehmen im Rahmen des Schutzschirmverfahrens restrukturieren und neu aufstellen.

In Deutschland beschäftigt die KSM Castings Group GmbH rund 1800 Mitarbeiter an den vier Produktionsstandorten Hildesheim, Wuppertal, Radevormwald und Wernigerode. Das Unternehmen erwirtschaftete 2019 mit ihren Standorten in Deutschland und Tschechien einen Umsatz von 360 Mio. Euro. „Wir waren zuletzt in Deutschland auf einem klaren Wachstumskurs. Dann kam Corona. Wir werden uns auf einen veränderten Markt nach Corona einstellen müssen“, so Dr. Zhihua Zhu, CEO der KSM Castings Group.

„Deshalb werden wir unser Unternehmen mit den Möglichkeiten, die das Schutzschirmverfahren bietet, jetzt so aufstellen, dass wir auch unter den neuen Marktbedingungen wieder nachhaltig wettbewerbsfähig sind. Unser Gesellschafter trägt den eigeschlagenen Restrukturierungskurs mit und hat seine Unterstützung zugesagt.“ Das operative Geschäft des Automobilzulieferers ist von dem Schutzschirmverfahren nicht betroffen. Die Komponenten-Produktion und -Auslieferung an Automobilhersteller und OEM-Partner laufen ohne Einschränkungen weiter.

Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) ist die PKW-Produktion in Deutschland in den ersten fünf Monaten 2020 um 44 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Eine Erholung ist nach Einschätzung des Verbandes noch nicht in Sicht. Dieser Markteinbruch hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die in Deutschland angesiedelten Automobilzulieferer wie KSM Castings, die mit Maßnahmen wie Kurzarbeit nur teilweise kompensiert werden können.

Die KSM Castings Group GmbH beschäftigt in Deutschland und Tschechien insgesamt rund 2350 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 360 Mio. Euro. Nur für die deutschen Produktionsstandorte der KSM Castings Group GmbH wurde das Schutzschirmverfahren beantragt. Das Schutzschirmverfahren ist eine besondere Form der Insolvenz in Eigenverwaltung, bei dem das bestehende Management einen Sanierungs- bzw. Restrukturierungsplan erarbeitet. Es kommt nur zur Anwendung, wenn das Unternehmen grundsätzlich Aussicht auf eine erfolgreiche Sanierung hat und nicht zahlungsunfähig ist. 

Die Geschäftsleitung unter der Führung von CEO Dr. Zhihua Zhu wird in den nächsten Wochen gemeinsam mit Restrukturierungs- und Insolvenzexperten einen konkreten Restrukturierungsplan erarbeiten. In welchem Ausmaß auch die Personalkapazitäten der Produktionsstandorte in Deutschland angepasst werden müssen, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. KSM-Kunden sind u. a. Automobilhersteller und OEM-Anbieter wie Volkswagen, Daimler AG, BMW, ZF, Benteler und Bosch.

Wenige Tage nach der Ankündigung des Schutzschirmverfahrens wurde zudem bekannt, dass sich das Management des Unternehmens durch den neuen Chief Sales Officer (CSO) Patrice Gay verstärkt. Gay kommt von CITIC Dicastal, weltweit größter Alufelgenherstellerung aus China und Mutterunternehmen der KSM Castings Group,  wo er in den letzten zehn Jahren aus Frankreich heraus das Felgengeschäft mit vielen namhaften OEM-Partnern für die PSA Gruppe, Renault-Nissan, Toyota, Honda, BMW und Tesla in Europa verantwortete.

www.ksmcastings.com