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2.02.2021
erschienen in GIESSEREI Heft 3|2021

Autobauer setzt auf Solaraluminium

Aluminiumgewinnung mittels Sonnenenergie - damit will BMW seine CO2-Emissionen im Lieferantennetzwerk um 20 % senken (Foto: BMW)

> BMW GROUP: Aluminiumherstellung mit Solarstrom – das ist die neueste Strategie der BMW Group zur Reduzierung der CO2-Emissionen. Die Emissionen im Lieferantennetzwerk sollen so bis 2030 um 20 % gesenkt werden. Das entspricht 2,5 Millionen Tonnen CO2 in den kommenden zehn Jahren. Das Solaraluminium deckt fast die Hälfte des Aluminiumbedarfs der Leichtmetallgießerei Landshut.

Da die Herstellung von Aluminium sehr energieintensiv ist, hat der Einsatz von Solarstrom erhebliches Potenzial bei der Reduktion der CO2-Emissionen. Daher plant die BMW Group langfristig, mit Solarstrom hergestelltes Aluminium zu beziehen. Die so realisierte Reduktion entspricht ca. drei Prozent der selbst gesetzten CO2-Ziele für das Lieferantennetzwerk. Das Aluminium wird in der Leichtmetallgießerei des BMW Group Werks Landshut zu Karosserie- und Antriebskomponenten weiterverarbeitet, wie sie beispielsweise auch für Elektroantriebe benötigt werden.

Mit 43 000 Tonnen im Wert eines dreistelligen Millionen-Euro-Betrags deckt der Bezug des Solar-Aluminiums nahezu die Hälfte des jährlichen Bedarfs der Leichtmetallgießerei im Werk Landshut ab. "(...)Nun verwenden wir mit Grünstrom hergestelltes Aluminium. Auf diesen deutlichen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen sind wir stolz“, kommentierte Dr. Stefan Kasperowski, Leiter der BMW-Leichtmetallgießerei, den Schritt seines Unternehmens zu mehr Klimafreundlichkeit.

Mit dem Trend zur E-Mobilität verschiebt sich der Anteil der CO2-Emissionen im Lebenszyklus eines Fahrzeugs deutlich auf die vorgelagerte Wertschöpfung im Lieferantennetzwerk. Bei einem elektrifizierten Fahrzeug sind die CO2-Emissionen in der Nutzungsphase deutlich geringer, während gleichzeitig die Herstellung von Batteriezellen oder Aluminium sehr energieintensiv ist. So würden ohne Gegenmaßnahmen die CO2-Emissionen je Fahrzeug in der Lieferkette der BMW Group bis 2030 um mehr als ein Drittel steigen.

Diesen Trend will das Unternehmen nicht nur stoppen, sondern sogar umkehren und die CO2-Emission je Fahrzeug verglichen mit 2019 sogar um 20 Prozent senken. Mit den Lieferanten für die Batteriezellen der aktuellen, fünften Generation hat die BMW Group daher bereits vereinbart, dass für die Produktion der Batteriezellen ausschließlich Grünstrom verwendet wird. Aluminium kann das hohe Gewicht der Batterien in den elektrifizierten Fahrzeugen teilweise kompensieren. Gleichzeitig ist seine Herstellung sehr energieintensiv. Allein die Erzeugung des Stroms für die Herstellung von Primäraluminium, also des direkt aus dem mineralischen Grundstoff Alumina hergestellten Aluminiums, ist für etwa 60 Prozent der Treibhausgasemissionen der weltweiten Aluminiumindustrie verantwortlich.

Das mit Grünstrom produzierte Aluminium bezieht BMW von Emirates Global Aluminium (EGA). Den Strom bezieht EGA aus dem Mohammed Bin Rashid Al Maktoum Solarpark in der Wüste außerhalb von Dubai. „(…) Solaraluminium ist ein Schritt nach vorne – es nutzt eine natürliche und reichlich vorhandene Energiequelle in unserer Wüstenumgebung, um ein Metall herzustellen, das für die Zukunft unseres Planeten lebenswichtig ist“, so Abdulnasser Bin Kalban, Chief Executive Officer von EGA.

Die Leichtmetallgießerei ist der größte Produktionsbereich des BMW Group Werks Landshut und die einzige Fertigungsstätte für Leichtmetallguss der BMW Group europaweit. 2020 fertigten die über 1600 Mitarbeiter 2,9 Millionen Gusskomponenten. Zum Produktionsumfang zählen Motorkomponenten wie Zylinderköpfe und Kurbelgehäuse, Komponenten für elektrische Antriebe oder großflächige Strukturbauteile für die Fahrzeugkarosserie. Die Leichtmetallgießerei zählt zu den modernsten Gießereien weltweit.

Zur Fertigung der Gussteile arbeitet die Leichtmetallgießerei unter anderem mit formgebenden Sandkernen, die mit Hilfe anorganischer Bindemittel hergestellt werden. Die BMW Group hat sich zur Reduktion der CO2-Emissionen auch zum Ziel gesetzt, den Anteil von recycelten Rohstoffen bis 2030 deutlich zu erhöhen und Rohstoffe in einer Kreislaufwirtschaft mehrfach zu nutzen. Gleichzeitig etabliert die BMW Group einen CO2-Footprint als neues Vergabekriterium in der Lieferkette und hat bereits 2020 begonnen, dies bei den Ausschreibungen mit dem größten CO2-Fußabdruck umzusetzen.

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