Aktuelles aus der Branche

7.06.2021

Corona bremst Produktion

Schmelzbetrieb bei Technoguss in Tangerhütte. Aktuell ist die Produktion massiv beeinträchtigt (Foto: Birgit Schulze)

> TECHNOGUSS TANGERHÜTTE: Wegen Corona muss Technoguss im sachsen-anhaltinischen Tangerhütte Kurzarbeit fahren, obwohl die Auftragsbücher brechend voll sind.

Die Vögel zwitschern, es ist jetzt, Anfang Mai 2021, ungewöhnlich still auf dem Gießereigelände der „TechnoGuss“ in Tangerhütte, wo normalerweise 140 Mitarbeiter ihren Dienst tun. Geschäftsführer Stefan Maier spricht von fast körperlichen Schmerzen, die die Ruhe bei ihm erzeugt.

Wenn drei Mitarbeiter an Corona erkrankt und 20 Kollegen in Quarantäne sind, müssen mehr als 100 in die Kurzarbeit gehen, einfach weil die Produktionskette nicht mehr aufrecht zu halten ist. Und das trotz brechend voller Auftragsbücher.

Die „Hütte“ in der jüngsten Stadt der Altmark muss sich mit ihrer fast 180-jährigen Geschichte und ihrem großen Absatzmarkt nicht verstecken. In Tangerhütte gegossene Teile mit Stückgewichten von bis zu 24 Tonnen (zweiteilig) gehen in die ganze Welt. Absperrventile aus Tangerhütte sind im weltgrößten Kraftwerk der Drei-Schluchten-Talsperre in China verbaut oder im Burj Kalifa – dem höchsten Gebäude der Welt. Am Standort Tangerhütte, den Geschäftsführer Stefan Maier seit gut fünf Jahren parallel zur Gießerei Heidenreich & Harbeck in Mölln verantwortet, werden Gussstücke von 60 Kilo bis etwa 12 Tonnen produziert.

Im arabischen Raum forderten die Kunden immer öfter ganz gezielt Produkte aus Tangerhütte an, erklärt Maier. Die Coronakrise wird an der Tangerhütter Präzisionsgießerei, die für den Maschinenbau, Armaturenhersteller, Antriebstechnik sowie Spezialgüsse im Kundenauftrag produziert, nicht spurlos vorbeigehen. Schon jetzt spricht Stefan Maier von 30 Prozent Umsatzrückgang im vergangenen Jahr. Nach der Insolvenz des Vorgängerunternehmens und der Übernahme 2015 konnte der Betrieb 2018 erstmals wieder ein „schönes“ Jahresergebnis vorlegen. Ein gutes Jahr später ging es mit Corona los.

Seitdem sind für den Gießereibetrieb in Tangerhütte Lieferantenketten eingebrochen, Personalprobleme hinzugekommen und die Materialverfügbarkeit schwieriger geworden, fasst Maier zusammen. Man habe viele Aufträge – gerade im Maschinenbau verloren, weil es für Zulieferer und Hersteller schwierig geworden ist, in diesen Zeiten zu investieren.

Dank der Unterstützung einer Gesellschafter-Familie im Hintergrund stehe das Unternehmen stabil da, „ohne sie hätten wir den Sturm der vergangenen 12 Monate kaum überleben können“, sagt Maier. Inzwischen sind die Auftragsbücher wieder voll, die Kunden warten auf Guss aus Tangerhütte, doch dort steht aktuell die Produktion still. Stefan Maier setzt jetzt alle Hoffnung auf zügige Impfangebote für alle.

Es drücken aber auch andere Probleme: Schon seit Jahren hat TechnoGuss Schwierigkeiten, Auszubildende mit einem halbwegs akzeptablen Schulabschluss zu finden. Aktuell gibt es keinen einzigen Auszubildenden mehr im Betrieb, fasst der technische Geschäftsführer Tobias Töpfer zusammen. Noch vor einigen Jahren waren es 15 oder drei bis fünf pro Jahrgang. Doch es geht auch anders: Noch 2019 konnte der Betrieb mit Sebastian Pabst einen der beiden bundesbesten Auszubildenden des Jahrgangs vorweisen, der im Betrieb geblieben sei und nun die Meisterausbildung absolviere.

Autorin: Birgit Schulze, Volksstimme vom 7.5.2021

www.technoguss.de