Fachartikel

7.11.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 11|2017

3-D-Druck in nigerianischer Gießerei

Ein NFL-Mitarbeiter bereitet das 3-D-gedruckte Muster für das Sandgießen vor.

Nigerias Hauptstadt Lagos ist nicht unbedingt ein Ort, den man mit dem 3-D-Druck in Verbindung bringt – dennoch nahm die dort agierende Nigerian Foundries Limited (NFL) vor Kurzem den ersten großformatigen Titan Atlas 3-D-Drucker des Unternehmens Titan Robotics in Betrieb. Clay Guillory, Gründer und CEO des im US-Bundesstaates Colorado ansässigen Unternehmens Titan Robotics, reiste dazu im Sommer 2016 nach Nigeria, um dabei zu helfen, den größten 3-D-Drucker Westafrikas, einen Titan Atlas, zu installieren. Der Atlas ist das Flaggschiff von Titan Robotics und verfügt über ein Bauvolumen von 30 x 30 x 45 Zoll (umgerechnet 76 x 76 x 114 cm).

VON SUSANN HEINZE-WALLMEYER, HILDESHEIM

Nigerian Foundries Limited ist laut eigenen Angaben die führende Eisen- Gießerei-Gruppe in Afrika südlich der Sahara (ohne Südafrika) mit einer installierten Gesamtkapazität von 8500 Tonnen pro Jahr. Es gibt zwei Standorte: Ilupeju, Lagos State, und Sango-Otta, Ogun State. NFL wurde 1969 in Ilupeju als kleine Gießerei für Gusseisen mit Lamellengrafit (Grauguss) von den Brüdern Barberopoulos gegründet, die Gussteile und Wasserpipeline- Armaturen produzierten. Heute kommen von NFL produzierte Artikel in einer Reihe von Branchen zum Einsatz – beispielsweise in der Öl- und Gasförderung, im Bauwesen, in Minen und bei der Verarbeitung von Mineralien.

3-D-Druck soll Holz- und Wachsmuster ersetzen

Traditionell nutzt die Gießerei Holz- bzw. Wachsmuster, um damit Sandformen für die Gussstücke herzustellen. Die Fertigung der teilweise sehr komplexen Formen ist langwierig und kann sechs bis acht Wochen dauern. Änderungen sind bei diesem Verfahren noch zeitaufwendiger und teuer. Dies ändert sich mit dem Einsatz des 3-D-Drucks deutlich: Die Muster können auf Anfrage innerhalb von wenigen Tagen gedruckt werden – nicht nur für die Gießerei, sondern vor allem für den späteren Nutzer von großem Vorteil. Vassily Oye Barberopoulos, Präsident von NFL, zeigt sich zufrieden, dass sich durch den Titan Atlas 3-D-Drucker die Vorlaufzeiten drastisch reduzieren lassen. „Für uns ist dies ein wichtiger Aspekt, denn es bedeutet für die meisten Gussteile, die wir drucken können, dass wir tatsächlich ein Muster innerhalb von 48 Stunden herstellen und in die Produktion geben können. Das Endprodukt haben wir dann innerhalb einer Woche, was normalerweise einen Monat dauern würde.“ Ganz neu ist der 3-D-Druck nicht in Nigeria. So hat beispielsweise General Electric im letzten Jahr in Lagos eine „GE Garage“ gegründet. Gleichzeitig startete das Land verschiedene Initiativen, um der Jugend den 3-D-Druck näherzubringen. Das Land habe dazu nach Ansicht des CEO von Titan Robotics viel Potenzial. NFL selbst beteiligt sich an der landesweiten Initiative „Nigerian Local Content Act“, die das Wirtschaftswachstum stärken soll. Sicher werden in Zukunft weitere afrikanische Staaten die additive Fertigung in den unterschiedlichsten Branchen nutzen.

www.titan3drobotics.com

Quelle: Susann Heinze-Wallmeyer, Online- Magazin 3D-Grenzenlos, 12.09.2017, Jongo Webagentur, Hildesheim