Fachartikel

31.05.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 5|2017

Druckgießerei profitiert vom Boom der EC-Karte

EC-Kartenschlitze kennt man zum Beispiel von Fahrkartenautomaten. Die Rohteile werden in großer Zahl in Ansbach-Brodswinden gefertigt.

Die Ansbacher Friedrich Döbrich Druckgießerei GmbH & Co. KG stellt aus Zink Einfuhrschlitze für Bezahl-Terminals her.

VON FABIAN HÄHNLEIN, ANSBACH

Ob beim Tanken, am Fahrkartenautomaten oder sogar im Schnellrestaurant: Die EC-Karte ist als Zahlungsmittel beliebt. Bezahlt wird damit immer öfter nicht mehr an der Kasse, sondern an einem sogenannten Terminal. Von dessen Beliebtheit profitiert auch ein Ansbacher Unternehmen. Die Druckgießerei Friedrich Döbrich stellt aus Zink Einfuhrschlitze für EC-Karten her. Druckgießen: Der Name sagt schon viel darüber aus, was bei der Firma Döbrich passiert. Zink, genauer gesagt eine Legierung aus Zink sowie einem kleinen Anteil Aluminium und Kupfer, wird bei über 400 Grad geschmolzen und mit einem hohem Druck von ca. 260 bar in eine Form geschossen. Dort kühlt die Schmelze schnell ab und erstarrt. Auf diese Weise lassen sich in kurzer Zeit viele gleiche Teile produzieren.

Einfuhrschlitz mit Anti- Skimming-Beule

Wobei sich die Firma Döbrich gerade nicht auf die ganz großen Serien spezialisiert hat, sondern auf Stückzahlen von 1000 bis etwa 25 000, erklären die Geschäftsführer Gerhard und Oliver Bauer. Der Einfuhrschlitz für die EC-Karte begegnet einem vor allem an Tankstellen. Seit 2006 liefert Döbrich das Teil an den Bezahl-Spezialisten CCV Deutschland. Vor wenigen Jahren wurde das Produkt durch eine sogenannte Anti-Skimming-Beule ergänzt. Sie soll verhindern, dass Kriminelle auf den Einfuhrschlitz einen Fremdkörper setzen können, um damit beispielsweise Kreditkartendaten abzuschöpfen. Am Anfang eines jeden Teils steht bei Döbrich die Form. Unterstützt durch moderne Computerprogramme entwerfen die Konstrukteure in Zusammenarbeit und unter Vorgabe von Kundendaten die Formen, die dann im hauseigenen Formenbau an Erodier-, Dreh- und Fräsmaschinen gebaut werden. Rund 450 kundeneigene Formen, die teils mehrere hundert Kilo schwer sind, warten darauf, durch Kundenaufträge abgegossen zu werden. Je nach Komplexität der Teile kann eine neue Form schnell einen fünfstelligen Betrag kosten. Beim Druckgießen selbst wird die Form mit gigantischen Kräften zusammengehalten. Je nach Maschine sind zwischen 45 und 250 Tonnen am Werk. Der Maschinenpark bei Döbrich umfasst insgesamt elf Druckgießmaschinen. Ein ausgeklügelter Heiz-Kühl-Kreislauf sorgt dafür, dass das Teil in wenigen Augenblicken abkühlt und entnommen werden kann. Auf diese Art und Weise entstehen etwa Gasdruckregler, zum Beispiel für Campinggas, aber auch Türwächter für Notausgänge, Lampenfüße für Puppenstuben und kleinere Teile für den Automobilbereich. Die meisten Produkte sind einbaufertig, wenn sie aus dem Werk in der Gottlieb-Daimler-Straße in Ansbach-Brodswinden kommen, andere werden noch veredelt. Die Einfuhrschlitze beispielsweise erhalten anschließend eine Beschichtung aus Nickel – zum Schutz vor Korrosion und zur optischen Aufwertung, wie Oliver Bauer erklärt.

Recyclingquote bei 100 Prozent

Die Vorteile des Werkstoffs Zink beschreibt Senior-Chef Gerhard Bauer so: „Zink ist fester als Kunststoff und Aluminium. Die Schmelze ist sehr dünnflüssig, sodass sich damit dünnwandige Teile mit komplexen Konturen gießen lassen.“ Und: „Die Recyclingquote unserer Teile liegt bei 100 Prozent“, erklärt Oliver Bauer. Die anfallenden Zinkreste werden vor Ort zu Barren gegossen und so wieder dem Herstellungskreislauf zugeführt. Beschichtete Teile werden vom Rohstofflieferanten zurückgeschmolzen und chemisch getrennt. Seit fast zweieinhalb Jahren ist die Druckgießerei Friedrich Döbrich im Gewerbegebiet in Ansbach-Brodswinden zu finden. Zuvor war das Unternehmen im Zentrum der fränkischen Stadt beheimatet. Gründer Friedrich Döbrich war bereits in den späten 1950er-Jahren von Nürnberg nach Ansbach gezogen. Über familiäre Verknüpfungen trat Gerhard Bauer im Jahr 1999 in die Firma ein. Sohn Oliver Bauer begann 2007, sich einzuarbeiten, und ist neben seinem Vater seit 2013 gleichberechtigter Geschäftsführer.

Quelle: Fränkische Landeszeitung

www.doebrich.de