Fachartikel

1.02.2017
erschienen in GIESSEREI Heft 2|2017

Perspektiven 2017 – die Herausforderungen wachsen

Foto: BDG/Soschinski

Für die wichtigsten Kundensektoren der deutschen Gießereien, den Fahrzeugbau und die relevantesten gussintensiven Maschinenbausparten, lässt sich für 2017 zusammenfassend sagen: Mit dem Fahrzeug- und Maschinenbau sind über 85 % der deutschen Gussproduktion abgedeckt. Der Fahrzeugbau (Pkw) stellt sich auf eine Seitwärtsbewegung im europäischen Rahmen ein. Dazu kommen Verlagerungen sowie ein ambitionierter Werkstoffwettbewerb. Für die Nutzfahrzeugzulieferer gilt: Das Zusatzgeschäft des Jahres 2016, befeuert durch vorgezogene Käufe aufgrund der neuen Abgasnorm Euro 6, wird im angelaufenen Jahr 2017 fehlen! Nach wie vor gilt zudem, dass die Hauptzielregionen der OEM die Differenzierung ausmachen. Nicht umsonst hat VW im Nutzfahrzeugbereich ein großes Interesse an den Tag gelegt, endlich auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Weiterhin stehen die OEM unter Druck sich mit den neuen Gegebenheiten im NAFTA-Raum zu arrangieren. Die Ungewissheiten sind hoch! Die Hoffnungen des Maschinenbaus sind mit einem Prozent Wachstum recht bescheiden angelegt. Seit 2012 in einer Seitwärtsbewegung muss es je nach Sparte eine andere Kundenregion richten. Währungseffekte könnten dabei durchaus das Geschäft z. B. mit den USA verbessern. Die Zinserhöhung in den USA lässt durch Kapitalströme in die USA das Pendel bzgl. Investitionstätigkeit in Schwellenländern aber womöglich wieder ins Negative schlagen. Zudem stellt sich wiederum die Frage, wie sich die Preisfront bei Rohstoffen entwickeln wird. Hält die Einigung der Öl- und Gasförderländer bzgl. Förderquoten oder sind diese innerhalb von Monaten Makulatur? Die ersten Bewegungen der Preise führten naturgemäß zu positiv revidierten Investitionsszenarien. Bitter dürfte es sein, sollten diese ein Quartal später wieder nach unten korrigiert werden müssen.

Gießerei-Industrie sollte sich auf Seitwärtsbewegung einstellen

Welches Szenario ist nach aktuellem Stand und der Bewertung der Rahmenbedingungen das wahrscheinlichste? Wir können für die deutsche Gießerei-Industrie, werkstoff- und kundengruppenübergreifend für das Jahr 2017 nur von einer stagnierenden Entwicklung ausgehen. Nach dem zu Ende gegangenen Minusjahr 2016 wäre dies schon eine echte Stabilisierung. Dass sich unternehmensindividuell eine komplett andere Konstellation ergeben kann ist natürlich. Eine signifikante Plusrate in der Gießerei-Industrie für das Jahr 2017 kann sich gestützt durch statistische Effekte ergeben: Zeigt sich das letzte Quartal 2016 in der Produktions-Jahresbilanz stärker als der Jahresdurchschnitt, startet die Gießerei-Industrie mit einem sogenannten Überhang ins neue Jahr. Eine Seitwärtsbewegung auf diesem Niveau führt dann rein rechnerisch zu einer Plus-Rate im Jahr 2017, auch wenn keine Impulse mehr kommen und die Unternehmen dies als Stagnation empfinden. Im Verlauf des aktuell vorliegenden Auftragseingangs (Januar bis Oktober 2016) könnte sich dies evtl. andeuten. Zudem ist die Gießerei-Industrie aufgrund ihrer Heterogenität und Größe seit je her sowohl positiv als auch negativ mit im Vergleich zu den Kundenbranchen hohen Veränderungsraten konfrontiert. Ein nochmaliges deutliches Minus nach den äußerst schwachen Jahren 2015/2016 gerade für die Eisen- und Stahlgießereien würde die Branche mit starken Blessuren versehen. Es wäre das sechste Jahr in Folge ohne richtigen Aufschwung. Ein Eintritt hätte mehrere Begleitumstände: Der Maschinenbau fährt mit seinen gussintensiven Sparten in eine leichte Rezession und die deutschen Gießereien verlieren spürbar Aufträge an den internationalen Wettbewerb. Außen vor bleiben Effekte aufgrund geopolitischer Ereignisse im weitesten Sinn. Wir bewegen uns leider in Zeiten, in denen dies erwähnt werden muss. Weiterhin ist das Thema E-Mobilität ausgeklammert. Hier Szenarien einzuspeisen ist definitiv zu früh. Der BDG beschäftigt sich natürlich mit allen Facetten dieses Themas. Eine quantitative Bewertung ist seriös aktuell, aber nicht möglich.

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