Fachartikel

5.11.2019
erschienen in GIESSEREI Heft 11|2019

Umwelttag 2019: Appell zur BREF-Beteiligung

BDG-Umweltreferentin Elke Radtke präsentierte Neuigkeiten zur Luftreinhaltevorschrift TA Luft und führte gemeinsam mit Moderator Guido Battenstein, dem Vorsitzenden des BDG-Umweltausschusses, durch die Tagung (Fotos: BDG/Piterek).

Zentrales Thema beim Umwelttag war in diesem Jahr der bevorstehende BREF-Prozess, der die Genehmigungsverfahren aller EU-Gießereien in Zukunft bestimmen wird.  Umweltbundesamt und BDG appellierten in Würzburg daher an die Branche, sich an dem Prozess zu beteiligen und ihn so mitzugestalten.

VON ROBERT PITEREK, DÜSSELDORF

Fridays for Future, Klimawandel, CO2-Fußabdruck: Die gesellschaftliche und politische Debatte um einen zukunftsfähigen Schutz der Umwelt hat den zehnten BDG-Umwelttag am 8. Oktober in Würzburg in ihrem Bann gehalten. Der mit über 60 Umweltexperten aus deutschen Gießereien bis auf den letzten Platz gefüllte Tagungsraum in der Residenzgaststätte in Würzburg zeigte, dass die Gießerei-Industrie die Zeichen der Zeit verstanden hat. „Angesichts der Klimadebatte gewinnt das Thema Umweltschutz in der Industrie noch weiter an Priorität“, bestätigte BDG-Umweltreferentin Elke Radtke. „Gießereien stehen heute unter ganz anderer gesellschaftlicher Beobachtung und werden viel strenger überwacht als früher.“ Der BDG-Umwelttag bietet Informationen und Hilfestellungen, um mit den strengeren Bedingungen in der betrieblichen Praxis zurechtzukommen.

Wichtigstes Thema des Umwelttages in diesem Jahr war die anstehende Überarbeitung der Besten Verfügbaren Techniken (Best Available Techniques Reference oder kurz BREF), einem umfangreichen Regelwerk, das in Zusammenarbeit zwischen EU-Kommission, nationalen Behörden, Industrie und Umweltverbänden bis 2023 entsteht. „Das BREF-Dokument der Besten Verfügbaren Techniken ist die TA Luft der nächsten Generation, nur, dass es noch weitere Umweltbereiche betrifft und den Umweltschutz damit umfassend abdeckt“, erklärte Elke Radtke die Bedeutung des Regelwerks, das die Genehmigungsverfahren aller Gießereien in der EU in den kommenden Dekaden bestimmen und Eingang in die nationale Luftreinhaltevorschrift TA Luft finden wird.

Umweltreferentin Elke Radtke sowie Dr. Fabian Jäger-Gildemeister und Ulrich Gromke vom Umweltbundesamt in Dessau appellierten an die anwesenden Teilnehmer, sich mit ihren Gießereien als Referenzanlage zu beteiligen, um – so Elke Radtke – „den Prozess wesentlich mitzugestalten und den Takt vorzugeben.“ Hierbei geht es um Unternehmen, die der Industrieemissionsrichtlinie unterliegen. Ziel ist eine Beteiligung von 60 deutschen Gießereien, bei denen unter anderem Emissionswerte in der Luft und im Abwasser erfasst werden. Wie und welche Daten erhoben werden, führte Ulrich Gromke vom Umweltbundesamt aus. Es geht bei den Emissionen in der Luft u. a. um Amine, AOx, Cyanide, NOx-Staub und SOx.

Was bei fehlender Beteiligung passieren kann, zeigte Gromke an einem Beispiel aus einer anderen Branche. Für Brauereistaub, der zwar keine Schwermetalle enthält, aber dennoch gesundheitsschädlich sei, gelte heute ein extrem niedriger Grenzwert, weil sich die Brauerei-Industrie in den Prozess der Grenzwertermittlung nicht eingebracht habe. „Im Gegensatz zu den TA Luft-Novellierungen ist die Industrie beim BREF-Prozess von Anfang an dabei und kann den Prozess aktiv mitgestalten. Diese Chance sollte man nutzen“, riet deshalb auch Dr. Fabian Jäger-Gildemeister vom Umweltbundesamt, dort u. a. zuständig für Gießereien.

Flankiert wurde das Hauptthema der Tagung von weiteren bedeutenden umwelt- und energietechnischen Themen. Dr. Martin Wieske von der Wirtschaftsvereinigung Metalle WVM sprach über krebserzeugende Stoffe am Arbeitsplatz. Er betonte, dass die aktuellen Grenzwerte uneingeschränkt gültig seien und bei Einhaltung für Gießereien kein weiterer Handlungsbedarf bestehe. Wie wichtig Verbände bei der Implementierung dieser Grenzwerte sein können, zeigte eine Anekdote von Umweltreferentin Radtke. Ursprünglich hatten die Behörden beim Benzol-Grenzwert nämlich nur die Gummihersteller eingeplant. Durch die gute Zusammenarbeit mit Dr. Wieske wurden schließlich auch die Gießereien bei der Ermittlung des Grenzwerts berücksichtigt.

Dr. Karlheinz Guldner, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft VBG, referierte anschließend über die Neufassung des TRGS 559 zu quarzhaltigem Staub. Er stellte die Grenzwerte in Unternehmen vor, die vor der sogenannten Silikose (Staublunge) und Beeinträchtigungen durch Quarzfeinstaub schützen sollen. Den Teilnehmern legte er abschließend noch die Bestellung der Broschüre „Gib dem Staub keine Chance“ mit zehn goldenen Regeln für den Umgang mit Staub ans Herz. Dr. Udo Pohlmann, Hüttenes Albertus Chemische Werke GmbH, stellte danach umweltrelevante technische Innovationen von Cold-Box-Bindersystemen vor. „Wir brauchen keine Fridays for Future, sondern sind schon jetzt eine innovative Branche“, versprach er den Tagungsteilnehmern selbstbewusst.Beim in Gießereien am weitesten verbreiteten Cold-Box-Kernfertigungsverfahren gebe es noch viel Potenzial nach oben. „Diese Systeme werden immer anorganischer“, kündigte Dr. Pohlmann an. Hinzu kamen Referate über Erfahrungen mit der DIN EN ISO 50001:2018 in Gießereien (Manuel Bosse, BDG-Service), reduzierte Netzentgelte durch Batteriespeicher (Rebekka Schuster, EDF Deutschland GmbH) und die physikalische Kühlwasserbehandlung gegen Legionellen (Ronny Wagner, Reicon GmbH). Moderiert wurde die Tagung in Würzburg von Guido Battenstein, Fondium Mettmann GmbH, dem Vorsitzenden des BDG-Umweltausschusses.

Angesichts des zehnjährigen Jubiläums des Umwelttages bezeichnete Moderator Guido Battenstein die Veranstaltung als Radarsystem der Branche: „Gemeinsam sind wir stärker. Die Unternehmen müssen ihre grüne Seite beleuchten und können sich so auch positiver vermarkten.“ Positive Worte für den Umwelttag fand auch Dr. Fabian Jäger-Gildemeister: „Der Umwelttag ist extrem wichtig, weil er eine Brücke schlägt zwischen der Produktionstechnik – dem Geldverdienen mit Guss – und den Anforderungen, um überhaupt produzieren zu können“. Wichtiges Bindeglied für einen erfolgreichen Brückenschlag ist damit auch das Umweltweltbundesamt selbst, mit dem der Verband seit Jahren eine konstruktive Zusammenarbeit pflegt. „Das verschafft uns im Rahmen des BREF-Prozesses eine gute Position“, resümierte BDG-Umweltreferentin Elke Radtke am Ende einer gelungenen Veranstaltung in Würzburg.

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