Fachartikel

5.11.2019
erschienen in GIESSEREI Heft 11|2019

Metallurgiekolloquium: Klimaneutrale Produktion im Blick

Die Plenarredner des Metallurgiekolloquiums: Prof. Dr. Joachim Schachtner, TU Clausthal, Dr. Matthias Weinberg, thyssenkrupp, und Dr. Jürgen Großmann, Georgsmarienhütte Holding (v. l. n. r.)

Unter dem Motto „Wirtschaft und Wissenschaft im Dialog“ haben sich rund 130 Teilnehmer beim Metallurgie-Kolloquium der TU Clausthal ausgetauscht, darunter Spezialisten und Führungkräfte aus der Stahl- und der Gießerei-Industrie. Vertreter von thyssenkrupp und der Georgsmarienhütte stellten eine klimaneutrale Produktion und Bemühungen zur Dekarbonisierung in Aussicht.

VON BABETTE TONN, CLAUSTHAL

Hinsichtlich Klimaschutz und Energiewende hat sich in der Stahl- und Metallbranche eine neue Innovationsdynamik entwickelt.Dies ist während des zweitägigen Metallurgie-Kolloquiums 2019 deutlich geworden. Ausrichter der Tagung war das Institut für Metallurgie der TU Clausthal, das in diesem Jahr mit den Professuren in Thermochemie und Mikrokinetik, Metallurgischer Prozesstechnik, Gießereitechnik und Werkstoffumformung sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Universitätspräsident Prof. Dr. Joachim Schachtner stellte zu Beginn der Konferenz die vielfältigen Aktivitäten der TU Clausthal als Partnerin der Wirtschaft vor. „Der aktive Transfer von Forschungsergebnissen und wissenschaftlichem Know-how in die praktische Anwendung genießt an der TU einen hohen Stellenwert“, unterstrich er. Wesentlicher Baustein für den Erfolg sei dabei das interaktive Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft, das an der Clausthaler Universität als ein offener, beide Seiten befruchtender Austausch begriffen werde.

Im Anschluss referierte Dr. Matthias Weinberg, Vorstandsmitglied bei thyssenkrupp Steel Europe, im Plenum über das Thema „Nutzung & Vermeidung von CO2: Integrierte Strategie zur klimaneutralen Stahlproduktion bei thyssenkrupp“. Die Nachfrage der Industriekunden nach „grünem“ Stahl, so Weinberg, werde immer größer. Deshalb verfolge der Essener Konzern mit einem technologieoffenen Ansatz das Ziel, Stahl bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu produzieren. Aktuell arbeitet das Unternehmen daran, entstehendes CO2 umzuwandeln und so chemisch nutzbar zu machen bzw. durch Wasserstoffinjektionen im Herstellungsprozess von Stahl die CO2-Emissionen deutlich zu verringern.

Einer der bekanntesten Alumni der TU Clausthal, Dr. Jürgen Großmann, Gesellschafter der Georgsmarienhütte Holding GmbH, folgte mit dem Vortrag „Stahl trägt die Wirtschaft – auch ohne Hochöfen“. „Wir setzen bei der GMH Gruppe auf nachhaltigen Stahl und wollen so zur Dekarbonisierung unserer Branche beitragen. Dabei begreifen wir uns als Säule einer funktionierenden Stahl-Kreislaufwirtschaft“, betonte Großmann. Stahl hat eine Zukunft in Deutschland, weil er auch in einer klimaneutralen Wirtschaft nicht ersetzbar ist.

Gusseisenlegierungen sind dank der geringen CO2-Emissionen bei ihrer Erzeugung und Verarbeitung zu Produkten sowie ihrer mechanischen Eigenschaften nach wie vor attraktive Gusswerkstoffe. Mit Fachvorträgen zu neuesten Entwicklungen sowie Bewertungen von Gusseisen und ihren Bauteilen konnten mit Dr. Wolfgang Knothe von der Franken Guss GmbH & Co. KG, Dr. Georg Geier von Siempelkamp, Dr. Christoph Bleicher vom Fraunhofer LBF Darmstadt, Dr. Konrad Weiß, von der RWP GmbH und Dr. Stephanie Duwe von der TU Clausthal exzellente Vortragende aus Wirtschaft und Wissenschaft gewonnen werden. Neue Entwicklungen zu anorganischen Formstoffen und -verfahren stellten darüber hinaus Dr. Hartmut Polzin von der Peak Deutschland GmbH und Sabrina Anderten von der Huettenes Albertus Chemische Werke GmbH vor. Mit dem Kolloquium wird Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft seit 2010 alle drei Jahre eine Plattform für Informationsgewinn und Austausch zu fachlichen Themen und Zukunftsstrategien geboten.

www.imet.tu-clausthal.de