Fachartikel

14.10.2019
erschienen in GIESSEREI Heft 10|2019

Staplerflotte hält den Guss im Fluss

Bei Fondium steht Sicherheit an erster Stelle. Alle Frontstapler sind mit dem Safety-Light 4Plus von Still ausgestattet (Fotos: STILL).

Um im intensiven Wettbewerb beim Automobilguss auch in Zukunft bestehen zu können, wurden bei Fondium im Produktionswerk in Singen die Flurförderzeuge durch den Staplerexperten Still auf den neuesten Stand gebracht. Wichtiger Bestandteil der Flottenmodernisierung ist der sogenannte Still-FleetManager. Unterm Strich wurde eine deutlich höhere Einsatzbereitschaft der Flotte erreicht – und dies bei einer Reduzierung von 136 auf 119 Fahrzeuge.

VON GERD KNEHR, REUTLINGEN

Durch die Verkleinerung der Flotte werden effektiv Kosten für Wartung und Unterhalt eingespart. Mit eigenen Ladestationen sind auch 23 wartungsfreie Lithium-Ionen-Lagertechnikgeräte jetzt direkt in den Abteilungen stationiert. Lange Wege zu den ehemals zentralen Ladestationen und zusätzliche Wechselbatterien fallen weg.

FleetManager hat alles im Blick

Produktions- und Logistikprozesse sowie Produktionsanlagen werden im Werk Singen regelmäßig modernisiert. Eine auf die Bedürfnisse der Produktion zugeschnittene Staplerflotte ist dabei ein sehr wichtiger Faktor. Alle Fahrzeuge haben GPRS-Datenfunk und einen RFID-Chip zur Fahrberechtigung. Mathis Märgner, Instandhalter Fuhrpark in Singen, betont: „Werden festgelegte Beschleunigungswerte bei einem Staplereinsatz überschritten, so kann das Fahrzeug, je nach Einstellung des Beschleunigungssensors im Unfallrekorder, in eine Schleichfahrt versetzt werden. Diese Reaktion kann nicht nur für Anfahrschäden gewählt werden, sondern auch bei zu schnellem Fahren über unebene Böden.“ Manuel Veser fügt hinzu: „Seit einigen Jahren zeichnen wir die Anfahrschäden mit dem FleetManager von Still auf. Sowohl an den Fahrzeugen als auch an den Betriebsgütern haben wir gemeinsam mit Still die Schadensbilder analysiert und konnten potenzielle Gefahrenquellen auf den Wegstrecken im Werk erkennen und eliminieren. Zusammen mit den jährlichen Unterweisungen der Fahrer und den auszufüllenden Betriebskontrollbüchern, in Abstimmung mit dem Betriebsrat, hat sich das Fahrverhalten der Staplerfahrer unverkennbar verbessert. Dadurch konnte die Schadensquote um zirka 80 Prozent gesenkt werden.“ Die transparente Fahrzeug-Biografie zeigt auch, ob bestimmte Stapler ausgelastet sind, während andere Fahrzeuge bereits zu viele Betriebsstunden aufweisen. Diese Aufzeichnung minimiert also das Risiko weiterer Kosten für Wartung und Service infolge von außervertraglichen Betriebsstunden. Mit den Standardisierungen und den flottenorientierten Optimierungen können obendrein die Stapler zwischen den Werksabteilungen leichter getauscht werden. Die Flotte ist dadurch besser ausgelastet.

Stand der Zeit: Li-Ion Lagertechnik steigert Verfügbarkeit

Zum ersten Mal sind 23 Lagertechnikgeräte mit Lithium-Ionen Batterien in den einzelnen Abteilungen stationiert worden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit den separaten Ladegeräten in den Abteilungen sind die Still-Gehhochhubwagen vom Typ EXV 20 jetzt auch zu jeder Zeit verfügbar. Mathis Märgner ist überzeugt von der neuen Technologie: „Der wichtigste Grund war die Zeitersparnis durch die langen Wege zu den zentralen Ladestationen und dort die langen Ladezeiten der Nass-Batterien. Mit eigenen Ladestationen in den Abteilungen können wir die Li-Ion- Deichselgeräte in den Pausen jetzt kurzfristig aufladen. Bereits nach 30 Minuten erreichen die Li-Ion-Batterien schon 50 Prozent ihrer Ladekapazität, wobei die Lebensdauer durch das schnelle Zwischenladen nicht beeinträchtigt wird. Sowohl Wechselbatterien und lange Ladezyklen als auch die aufwendige Wartung der Nassbatterien in staubiger Umgebung werden also eingespart.“ Alexander Heimburger, Verkaufsleiter der Still-Niederlassung Freiburg und federführend beim Staplerflotten-Projekt bestätigt: „In den intensiven Beratungsgesprächen erschloss sich dieses Optimierungspotenzial. Zudem beträgt durch die Wartung in der staubigen Gießerei-Umgebung und durch die notwendigen Zwischenladungen die Lebensdauer der Blei-Säure-Batterien lediglich vier Jahre. Wegen der nicht so häufigen und unregelmäßigen Nutzung, verlieren die Nassbatterien der Deichselgeräte auch einen Teil ihrer Kapazität. Die wartungsfreien Li-Ion-Akkus hingegen überzeugen durch eine konstante Spannung, also durch volle Leistung während der extrem langen Lebensdauer. Je nach Fahrzeugausstattung und Anforderung kann sich der Einsatz der Li-Ion-Technologie schon nach ein bis zwei Jahren amortisieren.“

Staplerflotte passt wie maßgeschneidert

Innerhalb der letzten vier Jahre waren rund 50 Elektrostapler vom Typ RX 60, mit einer Tragkraft von 2,5 bis zu 5,0 Tonnen, ohne nennenswerte Ausfälle jeweils zirka 15 000 Betriebsstunden im Einsatz. Die Gießerei ist mit den schweren Gussteilen ein klassischer Einsatzbereich für Transporte mit Gabelstaplern. Mit einer Vielfalt von 50 unterschiedlichen Ladungsträgern bestimmt der RX 60-Dauerläufer den größten Teil des innerbetrieblichen Materialflusses. „Sicherheit steht bei Fondium an oberster Stelle. Beim letzten Fahrzeugwechsel haben wir infolge der Anfahrschäden einen zusätzlichen Schutz für die Dachholme, Schutzgitter an den Kabinendächern und an den Fahrerkabinen seitliche Scheuerleisten angebracht. Ferner wurden alle Frontstapler zusätzlich mit Safety-Light 4Plus ausgerüstet, denn durch die richtungshinweisende Funktion des Lauflichts aus vier Lichtpunkten nehmen Passanten die Stapler schneller wahr und haben mehr Zeit zu reagieren“, bemerkt Sascha Heim, der für Fondium zuständige Gebietsverkäufer von Still. Im Vorfeld von solchen Optimierungen sind intensive Planungen und Konfigurationen der Fahrzeuge notwendig. Zusammen mit den Verantwortlichen der jeweiligen Abteilungen wertet anschließend das Team Werkslogistik der Gießerei die Ergebnisse solcher Analysen im Detail aus. Manuel Veser: „In vielen intensiven Gesprächen zeigte sich immer wieder, dass eine optimale Zusammenstellung unseres Fuhrparks nur dann möglich ist, wenn die relevanten Bereiche in den Werksabteilungen auch zusammenarbeiten. In vielen Arbeitsschritten konnten wir die Konfigurationen der vielseitig eingesetzten Fahrzeuge zusammen mit Still und der langjährigen Erfahrung von Mathis Märgner in maßgefertigte Ausführungen umsetzen und eine auf unsere Bedürfnisse maßgeschneiderte Staplerflotte bei Still bestellen.“

Wenn´s zur Sache geht

Für die schweren Transporte in der Schmelzerei werden fünf robuste RX 70-50600 eingesetzt. Für einen besonders geringen Verbrauch kombiniert der Dieselstapler von Still eine wendige Dynamik mit moderner Antriebsregelung in der Hybridtechnologie. Im Lauf der Jahre wurden insgesamt für den harten Einsatz in der Gießerei 18 spezielle Umbauten am kompakten Dieselstapler durchgeführt. So ist die Frontscheibe eine im Stahlrahmen befestigte, nicht gewölbte Hitzeschutzscheibe. Um die Frontbereifung vor Funkenflug zu schützen, sind die Kotflügel aus Metall und die Scheinwerfer und Neigezylinder mit einem schützenden Metallkäfig versehen. Eine zusätzliche Hitzeschutzscheibe ist rechts an der Fahrerkabine zum Schutz über die Kabinenscheibe aufgesetzt. Auch die Hydraulik vom RX 70 Anbaugerät mit der Kippvorrichtung ist vor Funkenflug und herabfallenden Gussresten geschützt. Ohne aussteigen zu müssen, kann der Kippmechanismus komfortabel in der Fahrerkabine betätigt werden. Ein weiteres Beispiel ist der maßgeschneiderte Drehsitzstapler RX 60-25. Drei Stapler sind von diesem Typ für die langen Transportstrecken im Einsatz. Mit einer 45 Grad Drehung des Fahrersitzes und einer doppelten Pedalerie für das Gas- und das Bremspedal wird eine ergonomische Sitzposition bei der Rückwärtsfahrt erreicht. So können die innerbetrieblichen Transporte rückwärts komfortabel zurücklegt werden. Bei der Rückwärtsfahrt entsteht zudem durch das vergrößerte Sichtfeld auch eine höhere Sicherheit beim Transport.

Service und Wartung klug organisiert

In der Kundenwerkstatt sind zwei Still-Mechaniker in zwei Schichten von 6 bis 18 Uhr ständig im Einsatz. In der restlichen Zeit und am Wochenende ist ein Service-Techniker von Still durch eine vereinbarte Rufbereitschaft innerhalb von zwei Stunden im Werk. Für besonders wichtige Stapler stehen zusätzlich Standby-Geräte zur Verfügung. „Zusammen mit dem Team Werkslogistik haben wir im Shopfloor-Management einen effizienten Vor-Ort-Service gestaltet. Alle arbeitsspezifischen Informationen werden dabei übersichtlich auf einer Tafel dargestellt. Damit können wir uns schnell einen Überblick über die Abläufe der Bestellungen und Aufgaben in der Werkstatt verschaffen. Wöchentliche Feedback-Runden ergänzen diese effiziente Organisation“, erläutert Alexander Heimburger. Eine äußerst hohe Verfügbarkeit der Flurförderzeuge von rund 90 Prozent ist die unmittelbare Folge.

Fazit

Für die extremen Belastungen mit den unebenen Böden in der staubigen Umgebung der Gießerei werden robuste, ergonomische, feinfühlige und komfortabel ausgestattete Stapler benötigt. Manuel Veser resümiert: „Die Basis für die gute Zusammenarbeit mit Still ist der RX 60-Dauerläufer. Mit diesen zuverlässigen Premium-Staplern haben wir in vielen Jahren gute Erfahrungen gemacht. Ferner wurden weitreichende Optimierungspotenziale mit dem Still FleetManager und den wartungsfreien Li-Ion Lagertechnikgeräten erschlossen.“

www.fondium.eu