Fachartikel

10.01.2020
erschienen in GIESSEREI Heft 1|2020

Jahresauftakt in bewegter Phase

Wozu die Druckgießer technisch in der Lage sind, wird die EUROGUSS auch in diesem Jahr wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Die EUROGUSS bildet den Auftakt des Jahres 2020: Anders als bei der letzten Messe ist die Phase der Hochkonjunktur abgeebbt. Die Branche steht vor Herausforderungen.

VON MARTIN VOGT

Für Deutschlands Druckgießereien ergeben sich aus den Herausforderungen entsprechende Chancen, mit zunehmender Beratungs- und Systemkompetenz in komplexeren Verfahren die weltweite Qualitätsführerschaft zu behaupten. „Im Ergebnis wird die Diskussion um die strategische Ausrichtung einer geringeren, aber auch höheren Fertigungstiefe zunehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern“, so die Prognose von Thomas Krüger, Geschäftsführer im Verband Deutscher Druckgießereien (VDD im BDG). Die Verbände sind als Ansprechpartner vor Ort auch mit einem eigenen Stand (Halle 9, Stand 121) vertreten.

Der Status quo der Druckgießer

Wie ist der Stand bei Deutschlands Druckgießern? Er ist gekennzeichnet durch eine stabile Lage und dynamische Investitionen. So konnten die deutschen Druckgießereien ihr hohes Vorjahresniveau in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 stabilisieren. Zeitgleich zeigten sich die europäischen Zulassungszahlen für Pkw – nach wie vor die Hauptabnehmerbranche für Druckgusserzeugnisse – um mehr als 3 % rückläufig. Dies verdeutlicht die außerordentliche Performance der deutschen Druckgießer. Die Produktionsprognose 2019 (2018 in Klammern) gliedert sich in

  • 90 % Aluminiumdruckguss 638 000 t (616 740 t)
  • 2 % Magnesiumdruckguss 16 000 t (17 921 t)
  • 8 % Zinkdruckguss 58 500 t (59 252 t)

Investitionen und Produkte

Die gute Nachfrageentwicklung der vergangenen Jahre führte zu einer stabilen Investitionsquote von rund 5 % vom Umsatz. Bei den Investitionsplanungen zeigten sich die Gießereien für das abgelaufene Jahr 2019 zu zwei Dritteln bereit, mehr als in 2018 zu investieren. Neben kontinuierlichen Rationalisierungs- und Ersatzinvestitionen spielen – so die Analyse des ifo Instituts München – Erweiterungsinvestitionen eine führende Rolle. Ein entscheidendes Kriterium für Investitionsentscheidungen ist die Modifikation der Produktpalette. Dabei wird die Komponentenstruktur immer deutlicher in Richtung Strukturteile ausgelegt.

Dennoch haben die Druckgießer zurzeit einige Sorgen: Bedingt durch die Diskussionen über die Zukunft des Verbrennungsmotors, im Speziellen des Dieselantriebs, müssen sich viele Druckgießer auf strukturelle Änderungen auf der Nachfrageseite einstellen, die sich unabhängig vom künftigen Mix der Mobilität bereits ändert. Auf nicht alle in diesem Zusammenhang auftauchenden Themen und Fragen gibt es gegenwärtig zufriedenstellende Antworten. Trend ist jedoch: Die Anwendungsbereiche und die Komplexität von Druckgussprodukten nehmen stetig zu.

Additive Fertigung kommt

Die Anfragen erfordern neue Legierungsentwicklungen und Verfahrenstechnologien, um beispielsweise den Anforderungen im Bereich von Fahrwerks- und Strukturbauteilen gerecht zu werden. Neben den mechanischen Eigenschaften, der Gießbarkeit und einer definiert kalkulierbaren Formstandzeit stehen sowohl konturnahe Temperierung, Additive Fertigung, Fügetechnologien (Kleben, Schweißen), Wärmebehandlung, Digitalisierung und Simulation sowie Automatisierung als auch Werkstoffverbunde bzw. die Entwicklung Hybrider Bauteile,  im Fokus der Druckgießereien.

www.euroguss.de