7.06.2016

"Verfahren sind auf Anorganik abgestimmt"

Jörg Brotzki, Mitglied der Geschäftsleitung der ASK Chemicals Gruppe, und Jörg Knechten, Geschäftsführer von ASK Chemicals CoreTech
(v. l. n. r.) im Kernlager in Moosburg an der Isar.

Jörg Brotzki, Mitglied der Geschäftsleitung bei ASK Chemicals, und Jörg Knechten, Geschäftsführer von ASK Chemicals CoreTech, über die Besonderheiten einer anorganischen Kernmacherei, den 3-D-Druck von Kernen und die Nachfrage nach anorganischen Produkten.

Wie unterscheidet sich eine herkömmliche Kernmacherei von der ASK-Kernfertigung in Moosburg?
Knechten: ASK Chemicals CoreTech ist als Teil von ASK Chemicals gemeinsam mit der Entwicklung der Inotec-Technologie gewachsen. ASK Chemicals gewinnt bei dieser Technologie immer mehr Erfahrungen in der kontinuierlichen Fertigung und entwickelt die Produkte gemeinsam mit seinen Kunden weiter. Daher sind die Prozesse bei ASK Chemicals CoreTech genau auf die engen Prozessfenster der anorganischen Kernfertigung abgestimmt: Kernsandmischen, Kernschießen, -montage, Transport und gießgerechtes Anliefern just-in-time. Damit stellen wir einen neuen Maßstab der Qualität sicher.

Inwieweit geht die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden über das reine Fertigen und Liefern von Kernen hinaus?
Knechten: ASK Chemicals CoreTech bietet seinen Kunden komplette Logistikkonzepte, bei denen die gefertigten Kerne oder Kernsätze für die spezifische Gießstrecke konfektioniert und per Lkw an den Kunden ausgeliefert werden. Auch die Entwicklung von Transportboxen und -gebinden, die speziell auf die gefertigten Kerne zugeschnitten sind, wird von ASK Chemicals CoreTech übernommen. Der Kunde erhält so seine gießfertigen Kerne wann und wie er sie braucht, um sie direkt weiterzuverarbeiten.

Ist der Standort Moosburg ein reiner Fertigungsstandort oder forschen Sie hier auch am Gegenstand Kernfertigung?
Knechten: Der Standort in Moosburg ist ein reiner Produktionsstandort. Wir fertigen dort in Großserie Kerne für namhafte OEMs. Unsere Forschung & Entwicklung findet in unserem weltweiten Forschungszentrum in Hilden statt. Inotec, unser Bindemittel für die anorganische Kernfertigung, wurde dort entwickelt und über die Jahre hinweg für die Serienanwendung optimiert. Ganz entscheidend sind hier die Erfahrungen unserer Kunden, aber auch die Erfahrungen, die ASK Chemicals in der anorganischen Großserienkernfertigung in Moosburg gemacht hat. In unserer Versuchsgießerei in Hilden werden unsere Produkte auf Herz und Nieren getestet. Hier zeigt sich dann das erste Mal, ob das „Hilfsmittel“ Kern für die Fertigung eines perfekten Gussteils eingesetzt werden kann. ASK Chemicals gießt in der Versuchsgießerei Prototypen in allen Aluminium- und Eisenlegierungen sowie in Stahl.

Inwieweit tangiert Sie das Thema 3-DDruck, das in den vergangenen Jahren mehr und mehr Publicity erlangt hat und zu einer Alternative bei der Formund Kernherstellung werden könnte?
Brotzki: Das 3-D-Drucken von Kernen wird eindeutig weiter an Bedeutung gewinnen. Allerdings ist der Weg zur Großserienreife noch weit, da die Binder- und Anlagenentwicklung die gewünschte Produktivität zulassen muss, um eine echte Großserie zu fertigen. Ich bin davon überzeugt, dass die Flexibilität im Hinblick auf Gestalt und Geometrie der gedruckten Kerne dazu führen wird, dass einzelne Kerne oder Komponenten von Kernpaketen künftig ausschließlich in diesem Verfahren gefertigt werden. Gemeinsam mit Partnern und Kunden arbeitet ASK Chemicals daran, die Technologie und die Prozesse so zu gestalten und zu optimieren, dass sie Serienreife erlangen. Gezielte Investitionen, um diesem Ziel näher zu kommen, haben eine hohe Priorität für das Unternehmen und konkrete Pläne sind in Arbeit und Umsetzung.

Hat das verstärkte Umweltbewusstsein die Nachfrage nach Anorganik erhöht?
Brotzki:
Beim Aluminiumgießen ist die Anorganik state-of-the-art, sodass die Prozesssicherheit kein Ausschlusskriterium mehr ist. Die gestiegenen Umweltanforderungen waren die erste Triebkraft für Gießereien, den Schritt hin zur Anorganik zu machen. Doch es hat sich gezeigt, dass sie sich beim Aluminiumgießen vor allem deshalb durchgesetzt hat, weil sich die Gesamtprozesskosten mit der Anorganik verringern ließen.

Bitte nennen Sie hierfür ein Bespiel?
Brotzki: Hier sind insbesondere die deutlichen Produktivitätssteigerungen im Gießprozess und ein drastischer Rückgang der Ressourcen zu nennen, die für Wartungsund Instandhaltungsarbeiten aufgebracht werden mussten. Schnellere Erstarrungszeiten durch geringere Kokillentemperaturen führen zu kürzeren Taktzeiten. Im Inotec-Verfahren findet keine Kondensatbildung statt, sodass die Kokillenverfügbarkeit deutlich gesteigert und der Reinigungsaufwand verringert wird. Weiter können der Wegfall von Luftaufbereitungsmaßnahmen und die verbesserten Gussteilqualitäten angeführt werden. Darüber hinaus ist es mit der Anorganik noch möglich, echte Innovationen in Bezug auf das Dünnwandgießen und neue Motorenkonzepte zu entwickeln, denn Abkühlraten und Erstarrungszeiten im Inotec-Prozess sind geringer bzw. kürzer und führen zu kürzeren Dendritenarmabständen, die für die Gefügequalität maßgeblich sind. Je dünnwandiger und hochaufgeladener der Motor, desto höher die Anforderung an das Aluminiumgefüge. Wir sehen vor allem beim Eisen- und Stahlgießen große Potenziale. Umweltanforderungen sind hier ebenso wichtig wie beim Aluminiumgießen und die Bedeutung von Innovationen gleichermaßen groß. ASK Chemicals arbeitet mit Kunden daran, die Anorganik beim Eisen- und Stahlgießen zur Serienreife zu führen.

www.ask-chemicals.com

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