2.02.2016

3 Fragen an...

Josef Ramthun, Geschäftsführender Gesellschafter von Franken Guss Kitzingen und Sachsen Guss Chemnitz, zum Auftritt von Franken Guss auf der EUROGUSS, zur Entwicklung seiner Gießereigruppe und zum sozialen Engagement in der Gießereibranche.

Herr Ramthun, Sie waren Aussteller auf der EUROGUSS, was konnte man an Ihrem Stand sehen?
Franken Guss ist anders als andere Unternehmen; das Unternehmen unterscheidet sich nicht nur durch seine Produktvielfalt, Qualität und Liefertreue, sondern auch durch seine Wertekultur vom Wettbewerb. Die „Expedition Franken Guss“ ist geprägt durch Bilder wie Aufbruch, Dynamik, Bewegung und Gemeinschaft. Was uns von Beginn an geleitet hat, ist, dass wir „Im Dialog zur Lösung“ gelangen. Diese vier Worte beschreiben unser Selbstverständnis. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass die besten Lösungen im Dialog reifen; es ist eine Überzeugung, die uns in enger Partnerschaft mit unseren Kunden und Mitarbeitenden zu Höchstleistungen antreibt. Und in diesem Zusammenhang bestimmt stets die Perspektive den nächsten Schritt. Expedition heißt: unterwegs sein. Perspektive meint: wissen, wohin die Reise geht. Perspektive ist unsere Sicht der Zukunft. Perspektive zeigt, was wir erreichen können, und mehr: Perspektive erinnert uns daran, dass wir selbst unsere Zukunft gestalten – mit jedem Blick, jedem Gedanken, jedem Schritt. Und diese Botschaften haben wir im Aufbau des Messestandes und seiner bildlichen Gestaltung dokumentiert. Das Produkt steht nicht im Mittelpunkt, sondern die Beziehung zu den Kunden.

Sie haben 2009 Franken Guss Kitzingen und 2013 Sachsen Guss übernommen. Franken Guss haben Sie seither mit Investitionen wieder flott gemacht. Bei Sachsen Guss sind Sie auf dem gleichen Weg. Wie geht es weiter?
Es ist entscheidend, welche Berechtigung der jeweilige Standort im Markt hat. Es nützt nichts, heute zu sagen, jetzt investieren wir in noch bessere und schnellere Formanlagen ohne zu wissen, ob übermorgen dort Produkte erzeugt werden können, die marktfähig sind. Fehlinvestitionen als Mittelständler können wir uns nicht leisten. Am Standort Kitzingen habe ich inzwischen um die 35 Mio. Euro investiert. Und in Chemnitz machen wir das ähnlich. Wir müssen den Investitionsstau auflösen. Wir haben dort inzwischen annähernd 20 Mio. Euro investiert. Sachsen Guss habe ich auch deshalb erworben, weil die Kapazitäten in Kitzingen mittelfristig nicht ausreichen werden. Bei Sachsen Guss gibt es drei Formanlagen. Für den Markt, den sie bisher beliefert haben, sind wir bisher nur einschichtig ausgelastet – da ist noch Luft nach oben. Wir wollen weiter wachsen, unterschiedliche Verfahren einsetzen, unterschiedliche Märkte bedienen und unterschiedliche Produkte herstellen.

Sie haben als Arbeitgeber den Inklusionspreis erhalten und arbeiten z. B. in Ihrer Werkskantine in Kitzingen mit einem Sternekoch zusammen. Warum machen Sie das?
Gutes Essen ist sehr wichtig und viele sind auch bereit, dafür einen Euro mehr auszugeben. Für die grundsätzliche Ausrichtung der Kantine braucht man Geduld und nicht nur den betriebswirtschaftlichen Ansatz. Ich bin stolz darauf, dass wir unsere Kantine in Kitzingen so aufwerten konnten. Es findet kein Fest mehr außerhalb der Kantine statt, ob das Feiern jeglicher Art sind oder Kunden- und Lieferantentage. Kantine bedeutet auch Kommunikation. Wir sind eine Familie und legen Wert darauf, dass miteinander gesprochen wird. Ich gehe regelmäßig in die Kantine, setze mich irgendwo an einen der Tische: das ist ein Gedankenaustausch, den man nicht organisieren muss. Zum Thema Inklusion: Erst einmal fühle ich mich genauso verantwortlich, wenn ein Mitarbeiter z. B. einen schweren Unfall hat. Das hatten wir in Kitzingen. Da unternehmen wir mit Unterstützung der Unfallversicherung und der Sozialversicherungsträger alles, damit diese Menschen wieder in den Arbeitsprozess integriert werden können. Man muss sich eben kümmern. Es gibt dazu ein Netzwerk mit dem Integrationsamt, der Agentur für Arbeit, der Rentenversicherung, der Berufsgenossenschaft und mit den Krankenkassen, das durch eine inklusive Zusammenarbeit geprägt ist. Über die Auszeichnung mit dem Inklusionspreis 2015, bin ich sehr stolz. Er wurde mir von der Behindertenbeauftragten der Deutschen Bundesregierung Verena Bentele, einer blinden ehemaligen Spitzensportlerin und mehrfach erfolgreichen Teilnehmerin der Paralympics, in Berlin überreicht. Die Juroren überzeugten unsere demografiefesten Personalstrategien, ein gut konzipiertes Gesundheits- und Eingliederungsmanagement und die vielseitigen, präventiven Gesundheitsangebote. Diese Auszeichnung ist Ansporn genug, dass wir gemeinsam noch viel erreichen können, egal wie alt wir sind, welche Behinderung wir haben oder welcher Nationalität wir angehören! Diese Vielfalt will ich weiterhin nutzen!