1.03.2016

Drei Fragen an...

Julian Gänz, Spezialist für Gießerei-Anwendungslösungen beim Softwarehersteller CD-adapco. Das Unternehmen ist im Bereich CAD- und CAE-Software mit Schwerpunkt numerische Strömungssimulation aktiv. Foto: Andreas Bednareck

Julian Gänz, Spezialist für Gießerei-Anwendungslösungen beim Softwarehersteller CD-adapco. Das Unternehmen ist im Bereich CAD- und CAE-Software mit Schwerpunkt numerische Strömungssimulation aktiv.

Herr Gänz, CD-adapco hat kürzlich sein 35. Firmenjubliäum gefeiert. Auf welche Meilensteine haben Sie zurückgeblickt?
Während der STAR Global Conference 2015 feierte CD-adapco sein 35-jähriges Bestehen in San Diego in den USA. Als größter unabhängiger Entwickler von Simulationslösungen für Engineering und Design wuchs CD-adapco seit 1980 von einem kleinen 3-Mann-Betrieb in einem Dachgeschoss zu einem internationalen, facettenreichen Konzern mit weltweit 34 Niederlassungen und einem Umsatz von fast 200 Mio. US-Dollar. Das Unternehmen blickt auf 35 erfolgreiche Jahre in der Entwicklung technischer Simulationssoftware zurück, in denen es sich von einer Idee einiger Freunde zu einem internationalen Unternehmen entwickelt hat. Steven MacDonald, Mitbegründer, President und CEO von CD-adapco sagte, dass die Lösung komplexer Probleme im Industrial Engineering Simulationstechniken erfordere, die verschiedene ingenieurwissenschaftliche Bereiche umfassen. Die Unternehmensphilosophie ziele darauf ab, die Grenzen unserer Simulationen im jeweiligen Anwendungsgebiet immer mehr zu erweitern, alle relevanten physikalischen Größen zu erfassen, Näherungen zu minimieren und alle Faktoren einzubeziehen, die womöglich Einfluss auf das Design oder die Leistung eines Produkts während seiner Lebensdauer haben. Im Jahr 1980 erkannten Steven MacDonald, Bill Wheeler und Marc Whittlesey einen Markt für Ingenieure, die schwierige Probleme hinsichtlich Turbulenzen, Wärmeübertragung und Verbrennungsprozesse schnell und präzise lösen mussten. Das Unternehmen entstand als Antwort auf diese Nachfrage: Eine talentierte Gruppe von Erfindern entwickelte die erforderlichen Verfahren, mit denen diese Technologien vorangebracht und die Welt der Ingenieurarbeit revolutioniert wurde. Nach nunmehr 35 Jahren definiert CD-adapco den Branchenstandard in der Entwicklung von Simulationssoftware. CD-adapco konzentriert sich weiterhin auf sein Vorzeigeprodukt STAR-CCM+ und eine Reihe weiterer innovativer Produkte, die das Engagement des Unternehmens für die Bereitstellung verbesserter Engineering-Lösungen für Ingenieure unter Beweis stellen. CD-adapco ist weiterhin ein Unternehmen in Privatbesitz und zählt zu den wenigen Hightech-Unternehmen, die über viele Jahre hinweg ein stetiges Wachstum verzeichnen.

Tragischerweise ist Mitgründer Steve MacDonald kurz nach dem Jubiläum verstorben. 
Am 4. September gab CD-adapco mit großer Trauer das Ableben seines President, CEO und Mitbegründers Peter "Steve" MacDonald bekannt. MacDonald verstarb am Mittwochabend, dem 2. September 2015. Während seiner 35 Jahre in der Firmenleitung verfolgte MacDonald stets mit Leidenschaft seine Vision einer "kompromisslosen" Entwicklung technischer Simulationslösungen für anwendungsnahe und praxisorientierte Produkte und Prozesse. Bei der Verwirklichung dieser Vision standen für MacDonald die Umsetzung der Zielsetzung der Kunden und die funktionale Weiterentwicklung der Softwareprodukte von CD-adapco bis an die Grenzen des Möglichen stets an erster Stelle. Dank seines großen Talents, stets die besten und klügsten Ingenieure einzustellen, besitzt CD-adapco die erforderlichen Fachkräfte, um seine führende Position in der Branche und seine solide weltweite Support-Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Bereits vor seinem Tod trat MacDonald in Verhandlungen mit der Firma Siemens ein. Im Frühjahr 2016 wurde dann CD-adapco an Siemens veräußert und in das PLM Software Business der Siemens Digital Factory (DF) Division integriert. DF ist Branchenführer im Bereich der Automatisierungstechnik und führender Anbieter von PLM-Software (Product Lifecycle Management). Die Industrie 4.0-Initiative von SIEMENS rückt das digitale Abbild eines Produktes ganz klar ins Zentrum seiner Entwicklungsstrategien. Zu diesem digitalen Abbild eines Produktes gehört natürlich nicht nur seine Funktion und Design sondern auch dessen Herstellungsprozess. Daher passen Gießsimulationen als detailliertes Planungs und Entwicklungswerkzeug perfekt in diese Strategie. STAR-Cast und STAR-CCM+ passen an dieser Stelle perfekt in die Produktstrategie von Siemens PLM.

Sie haben kürzlich eine neue Innovation vorgestellt, die Multizyklenberechnung. Um was handelt es sich dabei?
Eine detaillierte Analyse der Formfüllung unter Berücksichtigung der Entlüftung der Form, einer realistischen Beschreibung der Formfüllung einschließlich der Kolbenbewegung ist unerlässlich, wenn es um eine verlässliche Untersuchung des Druckgießprozesses geht. Wie für alle Simulationen gilt es auch beim Druckgießen, dass korrekte Rand- und Anfangsbedingungen elementar für eine erfolgreiche Simulation sind, hierzu gehört auch eine möglichst genaue Abschätzung der Formtemperatur. Die Temperierung der Form beeinflusst maßgeblich die Qualität des Gusses und die Anzahl der Abgüsse. STAR-Cast verfügt ab dem kommenden Release über eine automatisierte Mehrzyklenanalyse, welche es erlaubt die Formtemperatur nach einer beliebigen Anzahl von Zyklen zu bestimmen. Diese Ergebnisse können dann für eine detaillierte Formfüllanalyse herangezogen werden, um ein besseres Verständnis für den Gießprozess zu bekommen. Allerdings erlaubt eine solche Mehrzyklenanalyse auch Rückschlüsse auf die thermische Belastung der Form im Zusammenspiel Sprühen und Temperierkanäle. Dadurch ist STAR-Cast nicht nur für den Gießer, sondern auch den Formenbauer von großem Interesse.  

www.plm.automation.siemens.com