5.04.2016

3 Fragen an...

Manuel Bosse, Umwelt- und Energiemanagement- Experte bei der BDG-Service GmbH in Düsseldorf. Bosse war maßgeblich an dem deutsch-südafrikanischen Verbundprojekt EffSAFound2 zur Senkung des Energie- und Ressourcenbedarfs in südafrikanischen Gießereien beteiligt.

Südafrikanische Gießereien haben hohe Ausschussquoten und wirtschaften häufig ineffizient mit Energie. Was haben Sie diesbezüglich bei Ihren Besuchen in Südafrika erlebt und welche Ergebnisse konnten Sie im Rahmen von EffSAFound erzielen?
Für südafrikanische Gießereien war Energie bis 2008 sehr günstig. Seit 2008 hat der Energieversorger Eskom die Strompreise bis 2011 jedes Jahr um 20 % erhöht. Die Gießereien mussten zusätzlich 10 % Strom einsparen. Die Anlagen wie Schmelzaggregate und Formanlagen sind aber relativ alt. Man hat nicht auf den Stromverbrauch geachtet. In der Produktion bleiben Ofendeckel geöffnet, Gießpfannen werden nicht oder mit flüssiger Schmelze vorgewärmt. Die Öfen laufen in Südafrika zu 95 % mit Strom. Jetzt mussten sie sparen. Seit 2010 wurde vermehrt in neue moderne Aggregate investiert. Das passte perfekt zu unserem Verbundprojekt, das im Mai 2013 angefangen hatte. Dort haben wir uns genau auf diese Themen spezialisiert: die Energie- und Materialeffizienz. Wenn die Aggregate erneuert werden oder man beginnt, Gießereiprozesse zu simulieren, steigt nebenbei auch die Qualität. Seit 2013/2014 ist das Thema Materialeffizienz in Südafrika ein Schwerpunktthema. Man konnte in der Vergangenheit die Gießereisande einfach auf die Deponie fahren. Doch die Deponiekosten sind inzwischen ebenfalls gestiegen. Wir haben dann den Anstoß gegeben, den Sand zu regenerieren und ihn so 30 bis 40 mal nutzen zu können. Hierfür mussten wir die Produkte vorstellen und das Wissen vermitteln, dass Material- und Energieeffizienz auch wirtschaftliche Vorteile hat. Die Gießereien dort stehen stark unter Druck: Die Zahl der Gießereien hat sich von 270 in 2005 auf heute 170 Gießereien reduziert. Grund sind chinesische Gießereien, die mit kostengünstigem Guss auf den südafrikanischen Markt kommen.

Die Ausbildung von Gießereimitarbeitern in Südafrika lässt sehr zu wünschen übrig. Wie konnten Sie die Gießereiausbildung mit EffSAFound unterstützen?
Wir haben erhoben, dass in südafrikanischen Gießereien 70 % der Mitarbeiter nie eine Schule oder nur die Grundschule besucht haben. Da sind Training und Fortbildung natürlich sehr schwer und man muss mit Bildern und Filmen arbeiten. Nur 25 % haben einen Schulabschluss. Das sind meistens die Vorabeiter. Sie versuchen, die Mitarbeiter zu schulen, haben es aber nicht leicht. Und dann sind da die 5 %, die studiert haben und die Gießereien leiten. Das sind überwiegend noch Weiße. Seit 2010 haben sich alle Gießerei-Institutionen in Südafrika zusammengetan und arbeiten an verschiedenen Fronten, um die Gießereiausbildung nachhaltig zu verbessern. Da ist einerseits die Universität von Johannesburg. Sie arbeitet daran, dass auch farbige Mitarbeiter in Führungspositionen kommen. Angehende Ingenieure haben z. B. alle ein Auslandssemester absolviert. Die Absolventen besetzen zunehmend Schlüsselpositionen in südafrikanischen Gießereien. Um die 25 % mit Schulabschluss auszubilden, hat die GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) jetzt außerhalb Johannesburgs, wo es die meisten Gießereien im Land gibt, eine Schulgießerei eröffnet. Dort werden jedes Jahr 20 bis 40 junge Leute als Schmelzmeister, als Former und als Nachbearbeiter ausgebildet. Die klassische deutsche Ausbildung wird über die GIZ dort eingebracht. Wir konnten hier mit Schulungsunterlagen und Know-how helfen. Für die Gießereimitarbeiter ohne Fachausbildung haben wir mit einer Software gearbeitet, die Heger Pro im Qualitätsmanagement einsetzt. Wir haben die Software ins Englische übersetzt und um das Thema Energiemanagement erweitert. Auf einem Display im Aufenthaltsraum der Gießereien werden die Mitarbeiter jetzt mit Hilfe von Bildern geschult – etwa der Gegenüberstellung von geöffnetem und geschlossenem Ofendeckel.

Wie geht die Kooperation der deutschen und südafrikanischen Gießerei-Industrie weiter?
Das Projekt ist ja mittlerweile abgeschlossen? Genau, das ist von Mai 2013 bis Oktober 2015 gelaufen. Es finden aber weiter Schulungsseminare durch die GUT Giesserei Umwelt Technik GmbH, Freudenberg, in den drei größten Städten Südafrikas Durban, Johannesburg und Kapstadt statt, um das Wissen auch den bisher nicht in das Projekt einbezogenen Gießereien bereitzustellen. Auf dem Kolloquium der Metal Casting Technology Station an der Universität von Johannesburg im November trage ich auch den Abschlussbericht noch einmal vor und präsentiere neue Erkenntnisse. Wir wollen unsere Ergebnisse auch auf dem BRICS Foundry Forum im nächsten Jahr vorstellen, welches dann in Südafrika stattfindet. Günstig ist, dass die Veranstaltung mit der South African Metal Casting Conference im März 2017 zusammenfällt. Außerdem sorgt der Vertriebspartner von MAGMA in Südafrika, die Firma Ametex, auch in Zukunft dafür, dass die Erkenntnisse unserer Arbeit vor Ort nicht verloren gehen.