6.09.2016

Drei Fragen an...

Foto: Edgar Schoepal

Markus Dürkes, Geschäftsführer der Schonlau-Werke in Geseke, dessen Eisengießerei in den letzten zehn Jahren zahlreiche Energiesparmaßnahmen umgesetzt hat. Mit der GIESSEREI sprach Dürkes über die Bedeutung der Energieeffizienz in der Gießereibranche sowie das Leitbild der „Green Economy“ in Deutschland.

Herr Dürkes, durch einen Brand wurde Ihre Gießerei im Jahr 2005 schwer beschädigt. Sie haben die Gelegenheit genutzt und in eine energieeffiziente Produktion investiert. Welche Schritte haben sie seither unternommen?
Wir haben zahlreiche Hallen nach dem Brand erneuert und einige auch neu gebaut. Bei dieser Gelegenheit haben wir auf eine ordentliche Isolierung geachtet und damit viel Energie gespart. Man bedenke, dass wir früher sogar noch Holzschiebetüren an den Hallen hatten, die dann im Zuge der Modernisierung ersetzt wurden. Dank dieser Maßnahmen brauchen wir heute nur noch ein Drittel der Heizstrahler für die Hallenheizung. Seit einiger Zeit haben wir auch ein Energiemanagementsystem sowie eine Energiemanagementsoftware, die es uns ermöglicht, versteckte Energielecks aufzuspüren. Die Einführung eines solchen Systems war im Rahmen unserer Zertifizierung nach DIN EN ISO 50001 allerdings ohnehin nötig. Viel Energie konnten wir durch die Erneuerung unseres Druckluftsystems sparen. Benötigte das System im intensivsten Bereich früher 5 bar, wurde im gesamten System auch immer 5 bar bereitgestellt. Heute können wir den Druck im System variieren und dem Bedarf anpassen. Ebenfalls wurde ein großer Duckluftkompressor durch eine kleinere Variante ersetzt. Dieser kostete zwar 30 000 Euro, hat sich aber schon nach zwei Jahren amortisiert. Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind die Nutzung der Prozesswärme der Kompressoren für die Hallenheizung in den Bereichen Modellbau und Blockformanlage sowie der konsequente Austausch ausgebrannter Lampen durch LED-Leuchten. Zur Energieeffizienz zählen meiner Auffassung nach aber auch mittelbare Maßnahmen, wie z. B., dass wir unsere Führungskräfte und Mitarbeiter in der 5 S-Arbeitsgestaltung schulen, bei der Ordnung und Sauberkeit sowie die Struktur der Arbeit verbessert werden, denn indirekt haben viele Dinge mit Energieeffizienz zu tun! Summa Summarum haben wir in den vergangenen zehn Jahren knapp 10 % Energie eingespart.

Warum ist das Thema Energieeffizienz so wichtig?
Natürlich verbrauche ich so wenig Energie wie möglich, damit meine Kosten sinken. Gleichzeitig muss ich aber darauf achten, dass der Stromanteil an den Gesamtkosten nicht zu stark abnimmt, sonst setze ich unsere Teilbefreiung von der EEG-Umlage aufs Spiel – so irrsinnig sich das anhört, ist es auch! Ein zertifiziertes Energiemanagementsystem hätte ich mir aber nicht angeschafft, wenn es im Rahmen der Energiezertifizierung (Stichwort EEG) als Nachweis für den schonenden Umgang mit Energie nicht nötig gewesen wäre. Es hat zwar schon etwas gebracht, aber der Aufwand und die damit verbunden Kosten sind zu hoch! Wir würden gerne noch mehr Energie einsparen, allerdings entfallen 75 % unserer Energiekosten auf die Öfen, bei denen wir nichts mehr einsparen können. Die übrigen 25 % sind nur ein kleiner Hebel in der Gießerei. Wenn ich dort 10 % Energie einspare, sind das, übertragen auf den Gesamtbetrieb, nur 2,5 %.

Wie stehen sie zum Leitbild der sogenannten „Green Economy“, einer wettbewerbsfähigen umwelt- und sozialverträglichen Wirtschaft in Deutschland?
Aus meiner Sicht haben wir keine „Green Economy“, weil der ganzheitliche und globale Aspekt fehlt, mit dem sie Sinn machen würde! Mit unserem grundsätzlichen Verhalten sägen wir ja langfristig den Ast ab, auf dem wir sitzen. Wir verschwenden oftmals sinnlos Energie und Ressourcen und stellen z. B. Autos her, die Dinge können, die nur ein Bruchteil der Autofahrer wirklich nutzt. Durch unsere Umweltschutzbemühungen ist der Rhein zwar heute wieder ein Fluss und der Schwenk von der Nukleartechnologie hin zu regenerierbaren Energiequellen ist im Grundsatz wohl auch gut. Es frustriert mich aber, dass Deutschland diese Bemühungen ganz alleine unternimmt. Umweltschutz wird durch gewisse Regulationen mitunter auch ad absurdum geführt. Man hat den Eindruck, z. B. beim Altsand, dass Grenzwerte willkürlich festgelegt worden sind. Nicht nachvollziehbar ist z. B. der Grenzwert von Fluor in Altsand. Andererseits hat die TA Luft das Klima insgesamt verbessert – und das ist auch gut so! Gut ist auch, dass die Umweltbehörde regelmäßig prüft, ob die Umweltgesetze und die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden. Allerdings darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden: Wenn jemand eine Auflage, z. B. aus Geldgründen, nicht erfüllen kann, ist ein Aufschub okay. Wenn er die Auflage, zu der alle anderen verpflichtet sind, „aus Kulanz“ bis auf Weiteres nicht erfüllen muss, ist das Wettbewerbsverzerrung!

http://schonlau-werke.de