7.07.2016

Keine Angst vor Herausforderungen

Stefanie Bischof, Leiterin des Schmelzbetriebs bei Ergocast Guss, hat sich mit mutigen Enscheidungen u. a. bei Havarien Respekt bei den „Jungs“ verschafft (Foto: Ergocast)

Mit Vorurteilen braucht Stefanie Bischof erst gar keiner zu kommen. Denn sie hat es allen mit Engagement und Kompetenz bewiesen, dass sie den durch männliche Mitarbeiter geprägten Schmelzbetrieb der Eisengießerei Ergocast Guss in Jünkerath problemlos leiten kann. Und das überaus erfolgreich. Ein wichtiger Baustein des leistungsfähigen Schmelzbetriebes ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ofenbauer Otto Junker aus Simmerath. Ein Gespräch mit der 38-Jährigen über ihre Akzeptanz in einem männergeprägten Beruf und die Zusammenarbeit mit Otto Junker.

Sie haben den Sprung als Quereinsteigerin in den Schmelzbetrieb von Ergocast Guss gewagt. War Ihr Entschluss von vornherein klar – oder haben Sie zunächst gezögert?
Ja, ich habe gezögert, weil mir die Gießereitechnik fremd war, ich hatte ja bis dahin in einer Molkerei gearbeitet. Ich dachte mir, dass ich mir erst einmal praktisches Wissen über die Fahrweise der Anlagen aneignen sollte. Daher habe ich zu Beginn bei Ergocast Guss einige Monate lang Eisen gekocht – wie in einer Ausbildung. Dabei wurde ich auch mal ins kalte Wasser geworfen und musste mich selbstständig bewähren. Nach zehn Monaten habe ich aber schließlich die Leitung des Schmelzbetriebes übernommen. Parallel dazu habe ich das notwendige theoretische Wissen durch ein Zusatzstudium der Gießereitechnik bei der VDG-Akademie erworben.

Im Produktionsprozess einer Gießerei sind nahezu alle Mitarbeiter männlich. Wurden Sie dennoch als Leiterin akzeptiert?
Am Anfang war ich für einige Mitarbeiter das „Kindchen Steffi“. Was sich aber schnell änderte. Bei Havarien habe ich mehrfach kurzfristig mutige Entscheidungen getroffen, die sich als richtig erwiesen haben. Damit kam die Akzeptanz. Die Ehrlichkeit der „Jungs“ schätze ich. Sie sind auch mal robust, aber man nimmt sich das nicht krumm. Die Atmosphäre ist locker. Der Teamgeist ist wirklich groß. Jetzt denke ich, dass ich hier im Schmelzbetrieb genau richtig bin.

Als Leiterin des Schmelzbetriebes müssen Sie auch die Bereiche Energiemanagement, Umwelt und Qualität im Blick haben. Mit welchen Mitteln haben Sie sich hier engagiert?Hier kam mir entgegen, dass bereits meine Diplomarbeit im Wirtschaftsingenieurwesen das Thema Energiemanagement im Schmelzbetrieb behandelte. Bei Ergocast Guss fiel mir auf, dass das Einsatzmaterial zu grob war. Der Strom koppelt hier nicht optimal an und der Energieverbrauch ist daher zu hoch. Daher habe ich bei dem Einkauf auf kleinstückiges Material bestanden. Das ist zwar etwas teurer, aber unterm Strich steht eine lohnenswerte Stromersparnis. Auch durch die Einführung des Padicon Systems von Dr. Tanneberger konnten wir die Energiekosten senken. Außerdem verwenden wir nun saubere Einsatzmaterialien nahezu ohne Sand und Schmutz. Bei der feuerfesten Zustellung setzen wir die bereits vorgesinterte Quarzitmasse ein. Diese Masse ist zwar teurer, ermöglicht aber eine größere Zahl an Chargen. Das hat sich bereits für uns gelohnt, zumal dadurch unsere Eisenqualität verbessert sowie Arbeitseinsatzkosten für Neuzustellungen und Entsorgungskosten reduziert wurden.

Konnten der Service und die Anlagen von Otto Junker zum Erfolg beitragen?
Auf jeden Fall. Wenn ich die Unterstützung von Otto Junker benötige, kommt bei Bedarf sofort ein Servicetechniker oder auch ein Ingenieur zu uns. Das ist nicht selbstverständlich. Im Laufe der vergangenen neun Jahre haben wir einige Anlagen von Otto Junker in den Produktionsprozess integriert: Wie zum Beispiel eine Schmelzanlage mit zwei Mittelfrequenztiegelöfen mit 8000 kg/6000 kW in Duocontrol-Technik, mit der wir seit 2007 arbeiten. Sie hat sich bewährt: Statt wie zuvor zwölf Tonnen in sechs Stunden zu schmelzen, schaffen wir nun acht Tonnen in nur einer Stunde. Das macht uns flexibler und wir sind gut gerüstet für kurzfristige Bestellungen von Kunden. Unsere Wettbewerbsfähigkeit konnten wir damit klar verbessern. Seit 2011 haben wir außerdem Energiesparspulen von Otto Junker im Einsatz, wodurch wir nennenswert Energie einsparen. Eine Investition, die sich für uns gerechnet hat. Bezogen auf unseren Gießofen haben wir zwei Neuentwicklungen von Otto Junker im Einsatz: Die mit einem Linearantrieb arbeitende Stopfensteuerung und eine Impfeinrichtung. Beide Aggregate arbeiten sehr präzise und haben ebenfalls zur Qualitätsverbesserung beigetragen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit von Ergocast Guss und Otto Junker in den vergangenen Jahren entwickelt?
Sie ist immer partnerschaftlicher geworden und von Ehrlichkeit geprägt. Es ist ein Geben und Nehmen. Wir erhalten von Otto Junker bezogen auf die Neuentwicklungen günstige Zahlungsvereinbarungen. Beispielsweise haben wir die Stopfensteuerung erst nach erfolgreicher Erprobung komplett bezahlt. Andererseits kann Otto Junker seine neuen Anlagen in der Gießereipraxis testen. Für Otto Junker stellen sie damit Referenzanlagen dar, die anderen Gießereifachleuten bei uns gezeigt werden. Wenn also Otto Junker fragt, ob wir Interesse an einer neuen Entwicklung haben, sind wir sehr aufgeschlossen.

Welche Erwartungen haben Ihre Kunden?
Sie sind uns auch in schwierigen Zeiten treu geblieben. Mein Eindruck ist, dass die Zusammenarbeit mit ihnen sogar enger geworden ist. So hat ein Kunde von einem sehr dickwandigen Gussteil Hohlbohrproben für eine genaue Analyse entnommen. Die Ergebnisse stellte er uns zur Verfügung, damit wir die Qualität unserer Gussteile besser überwachen können. Eine Untersuchung, die wir ohne Mitwirken vom Kunden nicht hätten durchführen können. Wenn wir offen miteinander umgehen, kann man viele Dinge gemeinsam lösen. Und das ist unsere Vorgehensweise.

Welche Herausforderungen liegen vor Ihnen?
Die Gießereibranche befindet sich in einem schwierigen Umbruch. Auch wir müssen stetig besser werden, ohne uns zu übernehmen. Zum Beispiel gilt es, die Qualität der Werkstoffe weiter zu optimieren. Wir müssen zudem noch effizienter werden. So müssen wir beispielsweise die Abwärme besser nutzen – bei der Wärmerückgewinnung sind noch Potenziale vorhanden. Hierbei wird uns Otto Junker helfen können! 

Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Michael Vehreschild

ergocast-guss.de