18.10.2018

„Der Gießer wird sich neuen Herausforderungen stellen und die Probleme lösen“

Foto: Uli Zillmann

Dipl.-Ing. Heinz Nelissen, Präsident GIFA 2019 und NEWCAST, Geschäftsführer Vesuvius GmbH, Foseco Foundry Division, Borken, im Gespräch mit der GIESSEREI.

Was erwartet Besucher auf der kommenden GIFA?
Was hat sich im Vergleich zur letzten GIFA 2015 geändert? Der Megatrend der Stunde ist additive Fertigung, das Zukunftsthema der Produktionstechnik. Auch digitale Transformation ist ein Thema für Gießereien. Dreidimensionaler Druck ergänzt zunehmend die herkömmlichen Fertigungstechniken und ist in vielen anspruchsvollen Industrien wie Medizintechnik, Automobilindustrie sowie Luft- und Raumfahrt bereits erfolgreich im Einsatz. Auch die Gießereiindustrie, Stahl- und Aluminiumbranche haben das Potenzial des 3-D-Drucks erkannt. Die GIFA greift das Trendthema konsequenterweise auf und widmet ihm eine eigene Sonderschau, um dieses Potenzial zu erschließen. Nicht nur in der Sonderschau, auch bei vielen Ausstellern werden wir entsprechende Lösungen und Produkte zu diesem Thema finden. Diesmal kann man sicher auch unter dem Aspekt „Digitale Transformation“ interessante Ansätze für selbstoptimierende Systeme erleben.

Wer sollte die GIFA besuchen?
Jeder, der in der Gießereibranche oder deren Umfeld verantwortlich tätig ist, sollte sich einen persönlichen Eindruck vom Stand der Technik und der Entwicklung machen. Die Top-Zielgruppen der GIFA sind die Mitarbeiter und die Geschäftsführungen von Eisen-, Stahl- und Tempergießereien, aber natürlich auch von NE-Metallgießereien. Außerdem richtet sich die Messe an den Gießerei-, Maschinen- und Apparatebau, den Fahrzeug- und Getriebebau sowie an die Zulieferindustrie.

Neue Entwicklungen wie 3-D-Druck und Digitaltechnik haben deutlich kürzere Innovationszyklen, als klassische Gießereiausrüster. Konkurrenzveranstaltungen wie die im Zweijahres-Rhythmus stattfindende Euroguss werden größer und internationaler, neue Themen und Messen wie die CastForge in Stuttgart kommen hinzu. Wo steht die GIFA im Wettbewerbsumfeld?
 Regionale bzw. nationale Veranstaltungen haben sicherlich ihre Berechtigung, schließlich greifen sie aktuelle Themen aus Expertenperspektive auf und adressieren ein regionales Besucherumfeld. Die GIFA – und mit ihr die METEC, THERMPROCESS und NEWCAST – hingegen präsentieren im Weltmaßstab Innovationen, Produkte und Dienstleistungen. Keine andere Messe deckt das gesamte Spektrum von Gießereitechnik, Gussprodukten, Metallurgie und Thermoprozesstechnik in dieser Tiefe und Breite ab. Das Who-is-Who der Branche präsentiert sich ebenso wie kleinere innovative Unternehmen. Die großen Zulieferer der Branche stimmen ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte häufig mit dem Vierjahresmesse-Rhythmus ab. Genau diese breite, nahezu komplette Marktabdeckung auf Nachfrage- wie auf Angebotsseite ist das Erfolgsgeheimnis des Messequartetts. Das spiegelt sich auch in der Entscheidungskompetenz der GIFA-Besucher wider: Mehr als die Hälfte der rund 50 000 Besucher gehörte 2015 zum Top-Management mit entsprechend hoher Entscheidungskompetenz. Die Internationalität der GMTN mit 58 % ausländischen Besuchern aus 112 Ländern ist global einmalig. Aufgrund des Vierjahres-Rhythmus findet keinerlei Verflachung der Messe statt.

Bis auf neue Themen wie additive Fertigung und Digitale Transformation bleibt das Messekonzept unverändert?
Ganz offensichtlich sind die Erwartungen der Fachbesucher in der Vergangenheit erfüllt worden, denn immerhin 97 % der rund 50 000 GIFA-Besucher im Jahr 2015 bewerten die Messe positiv und geben an, ihre Ziele erreicht zu haben. Jeder Zweite hat zudem neue Lieferanten gefunden. Die GIFA ist natürlich ein idealer Treffpunkt für Gespräche mit Kunden, Kollegen und dem Gießereinachwuchs, den wir wieder in großer Zahl erwarten.

Wie hat sich das wirtschaftliche Umfeld gegenüber 2015 verändert?
Ein wesentliches Kriterium für die Beurteilung des Gießereimarktes ist die gegossene Tonnage. Der Bereich der NE-Gießereien wächst kontinuierlich und hat auch durch Leichtbau und E-Mobility weiterhin erstklassige Perspektiven, besonders im Druckguss und Niederdruckguss…

Anders als bei den Eisengießereien…
…die Eisengießereien in Deutschland, und das ist synonym für Westeuropa, haben seit 2011 eher eine flache Entwicklung genommen und erst in 2017 und im 1. Halbjahr 2018 einen deutlichen Aufwärtstrend verspürt. Dies war bedingt durch die Entwicklung im Maschinenbau. Es gab dort auch einen Nachholeffekt und zwischenzeitlich boomten alle Subsegmente, mit Ausnahme der Windkraft. Die Marktlage dort ist sehr positiv, jedoch sind die Aussichten getrübt. Dies ist dem wirtschaftspolitischen Umfeld geschuldet, das sich stark verändert hat. Denken wir nur an die Maßnahmen der amerikanischen Regierung, den freien Warenverkehr zu erschweren, den nicht gelösten Brexit oder die Zunahme von Sanktionen. Die Verlässlichkeit der Geschäftsbeziehungen hat sich jedenfalls nicht zum Positiven gewandelt. Hoffen wir, dass die positive Lage bis über den GIFA-Termin anhält.

Was ist Top-Thema der Messe?
Das eine alles beherrschende Thema kann ich nicht erkennen – wohl aber mehrere verschiedene, die teilweise auch ineinandergreifen und sich gegenseitig bedingen. Neben Additive Manufacturing dürften vor allem Leichtbau für die Automobilindustrie, Industrie 4.0 und digitale Transformation, Energie- und Ressourceneffizienz sowie die Nachhaltigkeit der Branche eine große Rolle auf der kommenden GIFA spielen, auch E-Mobility.

Sehen Sie additive Fertigung und Gießen als Partnerschaft oder Wettbewerb?
Als Ergänzung. Generative Verfahren stellen heute eines der größten Forschungsfelder der globalen Industrie dar. Derzeit werden Randbereiche des Marktes, Prototypen oder Luftfahrtteile 3-D-gedruckt und nicht mehr gegossen. Für die Großserienfertigung, und das wird auch von den großen OEM´s so kommuniziert, ist Gießen nach wie vor das wirtschaftlichste Verfahren. Dieses Gleichgewicht wird sich in Zukunft mit höheren Rechnergeschwindigkeiten, geringeren Kosten und verbesserten Metallpulvern verschieben. Es gibt einige konkrete Anwendungen, wo 3-D-Druck und Gießen sich ergänzen. Dies zeigen wir auch auf der GIFA in einer Sonderschau.

Ist 3-D-Druck ein Thema auch für Ihr Unternehmen?
Wir stellen Prototypen-Werkzeuge im 3-D-Druck her. Bevor wir mit teuren Metallwerkzeugen in Großserie gehen, können wir sie so unter Fertigungsbedingungen testen. Wir wissen von einigen Druckgießern, dass sie ihre sehr komplexen Werkzeuge überhaupt nur noch mit 3-D-Druck-Technologien fertigen können. Da herrscht eine größere Gestaltungsfreiheit, so sind mit additiver Fertigung beispielsweise Hinterschneidungen möglich.

Was ist das Top-Thema von FOSECO auf der GIFA?
FOSECO bildet die Top-Themen der Gießer in den Forschungs- und Entwicklungsprojekten ab. Die Energie- und Ressourceneffizienz kann mit verschiedenen Produkten und Anwendungstechniken deutlich positiv beeinflusst werden. Besucher können sich auf einige Neuigkeiten im Speiserbereich freuen. Wir werden eine neue Technologie vorstellen, die ein fast turbulenzfreies Gießen von mittelschweren Stahlgussstücken erlaubt. Seit vielen Jahren haben wir einen Schwerpunkt im Nichteisenbereich: die optimierte Schmelzereinigung. Neue Technologien für unsere FDU/MTS-Maschinen zeigen wir kombiniert mit innovativen Lösungen zum Schmelzetransport. Innovationen im Bereich Schlichten- und Bindemittel werden unseren Messeauftritt abrunden.

Sehen Sie Potenzial zur Substitution konkurrierender Fertigungsverfahren durch Gießen? Erwarten Sie neue Lösungen in Guss und neue Märkte für Guss?
Hybride Bauteile aus Metall/Metall, Metall/Kunststoff, der 3-D-Druck, eine unglaublich leistungsfähige Zerspanungstechnik, aber auch unsere klassischen Wettbewerbsverfahren Schmieden und Schweißen sind mit uns im Wettbewerb. Es ist in den nächsten fünf Jahren nicht zu erwarten, dass die genannten neuen Technologien von Gießereien signifikante Marktanteile erobern werden oder umgekehrt; das heißt aber nicht, dass sie nicht für Nischenanwendungen oder Anwendungen für ein besonderes Einsatzprofil zum Einsatz kommen können. Die Gießer werden sich durch die Weiterentwicklung der Technologie zum Dünnwandgießen nicht nur im Druckguss, sondern auch im Eisen- und Stahlguss neue Anwendungsmöglichkeiten erschließen. Darüber hinaus gibt es durch die Weiterentwicklung von Werkstoffen und neuen Gusswerkstoffen neue Chancen. Generell gibt es bedingt durch E-Mobility eine Anzahl von neuen Teilen, die hauptsächlich in Aluminium hergestellt werden.

Dennoch nimmt der Materialmix im Auto zu und damit der Wettbewerb der Werkstoffe und Verfahren. Sind Strukturteile aus faserverstärktem Kunststoff eine Bedrohung für Aluminium-Strukturguss?
Die Kunststoffbranche unternimmt große Anstrengungen, um eine noch stärkere Durchdringung mit ihren Produkten im Fahrzeugmarkt zu realisieren. Thermoplastische und faserverstärkte Kunststoffe werden genutzt, um technisch anspruchsvolle Lösungen anzubieten. Gusswerkstoffe, im genannten Fall insbesondere hochfeste Aluminiumlegierungen für die Herstellung von sicherheitsrelevanten Teilen, haben große Vorteile hinsichtlich Festigkeit und Dehnung und nur Gusswerkstoffe können zu 100 Prozent recycelt und anschließend wieder zu demselben hochwertigen Produkt vergossen werden. Kunststoffe haben die Recylingfrage nicht gelöst und die aktuelle Diskussion über Kunststoffe und Umweltbelastung sollte den Gussprodukten helfen.

Sind die Stärken des Gießens in den für die Gießer relevanten und potenziellen Branchen ausreichend bekannt? Oder was müsste hier noch unternommen werden?
 Die großen Abnehmerbranchen sind der Pkw- und Lkw-Bau sowie der Maschinenbau mit seinen vielen Subsegmenten, daneben gibt es noch viele weitere spezielle Segmente. Den wichtigen Gussabnehmern sind die Vorteile unseres Verfahrens schon sehr gut bekannt. Man kann davon ausgehen, dass eine intensivere Information über unsere Fähigkeiten das Potenzial für Guss auch bei den klassischen Abnehmern noch durchaus steigern könnte. Trotz Internet, Webseiten und Suchmaschinen ist die Unkenntnis darüber, was gegossene Bauteile leisten können, in vielen potenziellen Abnehmerbranchen erstaunlich. Andererseits können die Gießer aber auch nicht anfangen, als „Ersatz-Uni“ aufzutreten.

Bis heute hat sich im Bereich Automotive der Eisenguss gegenüber NE-Guss immer wieder behaupten können, selbst bei Leichtbaulösungen. Wie sieht die Zukunft aus, Stichwort E-Mobilität?
Gewichtreduzierung wird im Automobilguss ein Hauptentwicklungsziel der OEM´s bleiben, unabhängig von E-Mobilität. Es zeichnet sich heute ab, dass sowohl im vollelektrischen Fahrzeug als auch bei konventionellen Antrieben weiterhin Lösungen in Guss gebraucht werden. Leichtbau in Eisen, aber auch in dünnwandigem Stahl wird neben weiter optimierten Leichtmetalllösungen auch künftig gebraucht. Dies basiert auf den überragenden Eigenschaften der Metalle in Bezug auf Dauerfestigkeiten und den Freiheitsgraden beim Design durch bionische Konstruktionen. Fertigungstechnisch erfordert Dünnwandguss in Eisen und Stahl in der Regel hohe Investitionen in den Maschinenpark, insbesondere in die Kernmacherei, die Formerei und die Putzerei sowie automatisiertes Handling mit Robotern bis hin zur Bearbeitung.

Wo sehen Sie Chancen für Stahlguss?
Im Bereich Stahlguss erwarten wir sehr viel. In den letzten Jahren war der Leichtguss besonders im Eisenbereich stark gefragt, generell ist zu sagen, dass Guss für bionische Konstruktionen prädestiniert ist. Für den Stahlguss eröffnen sich hier weitere Anwendungsfelder. Zurzeit wird die Stahl-Dünnwandtechnologie weiterentwickelt, denn es gibt neue Anwendungen, die erst mit E-Mobility entstehen und durch Stahl-Dünnwandguss ermöglicht werden. Einige Komponenten im Bereich des Chassis werden entwickelt, ein Beispiel sind Federstützen.

Sollten sich Gießereien noch stärker mit IT-Themen und neuen, datengetriebenen Geschäftsmodellen befassen?
Gießereien sind geübt im Umgang mit datengetriebenen Geschäftsmodellen, weil viele Kunden diese Vorgehensweise nutzen. Hier kommen die Anforderungen in der Regel von Kunden und müssen zeitnah bedient werden. Inwieweit man seinen Kunden Einblick in Prozesse und Betriebsabläufe gewähren will, sollte von jedem Unternehmen gut überlegt werden. Dem Wunsch nach gläserner Fertigung muss man nicht entsprechen. Hier gibt es andere Möglichkeiten. Es ist beileibe nicht so, dass die Gießer hier in einer defensiven Abwehrhaltung sind, sondern wir sind gegenüber anderen Industrien vielfach Vorreiter und haben Qualifikationen in einem Umfang, wie sie anderswo nicht verfügbar sind. Unsere Branche hat sich seit 5 000 Jahren durch Fortschritt aus Tradition weiterentwickelt und ich bin zuversichtlich, dass sich die Gießer bei der digitalen Transformation mit interessanten Lösungen zeigen werden.

Ist Industrie 4.0 für Gießer eine Chance?
Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Prozesse zu vergleichmäßigen, sind die Gießer aufgefordert, noch weiter in Automatisierung und Prozesssteuerung zu investieren. Es gibt konkrete Planungen von neuen Gießereien hier in Westeuropa, die sich im Wesentlichen durch eine deutlich verbesserte Produktivität, reduzierten Wartungsaufwand und geringere Energiekosten rechnen. Der Investitionsaufwand dafür ist hoch, die Kapitalkosten jedoch zur Zeit niedrig. Viele Gießer machen einen neuen Anlauf und stellen Ressourcen dafür zur Verfügung, ihren Betrieb digitaler und smarter zu machen. Der Gießereiprozess gilt allgemein als nicht voll beherrschbar. Mit der heutigen Rechenpower und der Möglichkeit, mehr Gießereiparameter quantitativ zu erfassen und über geeignete Softwareprogramme in einen Prozessregelkreis einzubinden, bieten sich viele neue Möglichkeiten.

Wo sehen Sie im Gießereibereich die wichtigsten Entwicklungen digitaler Transformation? Generell wird das ganze Geschäft der Abwicklung mit dem Kunden verstärkt elektronisch und im Internet erfolgen. Konstruktion, Angebot, Termine, Besprechungen über Skype oder Videokonferenz sind heute wegen des schnellen Internets einfacher möglich. Intern dann Simulation und Modellbau, im Schmelzbetrieb Chargierung und Ofensteuerung. Dann die Optimierung der Maschinensteuerung in Kernmacherei, Formerei, Putzerei und ggfs. Bearbeitung, da wird sehr viel mehr mit Big Data und digitalen Lösungen gearbeitet werden, wie auch bei Betriebsdatenerfassung, Kalkulation und Kostenrechnung, Qualitätsdatenerfassung und -auswertung. Viele Gießereiparameter werden in Zukunft noch stärker erfasst werden, um mit Hilfe von Rückkopplung den Gießereiprozess zu optimieren. Der Einsatz von Robotics in Formerei, Kernmacherei, Putzerei und Bearbeitung bis zum Versand wird weiter voranschreiten. Generell also alle Prozessschritte, die sich anbieten, Kosten im Griff zu behalten, den Prozess zu vergleichmäßigen und schneller zu werden. Administrative Prozesse wie Einkauf und Finanzwesen sind vielfach bereits stark digitalisiert. After Sales Service und das Ersatzteilgeschäft werden ebenso digitaler werden.

Sind klassische Geschäftsmodelle heutiger Gießereien von digitaler Disruption bedroht?
Disruptive Entwicklungen hat es nur selten gegeben und daher sollten wir vorsichtig sein, jede Entwicklung als Disruption oder Revolution zu bezeichnen. Die Gießer werden sich, auch gerade wegen ihrer mittelständischen Struktur, Veränderungen schnell anpassen können, und ihre Flexibilität und Agilität sind gelebte Realität in unserer Branche.

Wird sich die Arbeitswelt des Gießers mit der Digitalisierung nicht verändern?
Die Gießer sind als klassische Zulieferindustrie in höchstem Maße flexibel in Bezug auf Kundenwünsche und Termine. Die Entwicklung der Kommunikationstechnologien schreitet rasant fort. Die „neue Generation“ der Gießer wächst mit diesen neuen Technologien auf und nutzt sie problemlos auch in der Arbeitswelt. Der Gießer der näheren Zukunft steuert seine Formanlage sicherlich über eine App. Das Tempo dieser Entwicklung wird enorm hoch sein, aber auch hier gilt: Ein Gießer kann alles!

Welchen neuen Herausforderungen müssen sich Gießer künftig stellen?
Alle Herausforderungen sind denkbar. Wirtschaftlichkeit, Technologie, Kundenbeziehungen, Wettbewerb, Umweltauflagen, Technikfeindlichkeit, Mitarbeiter, Regulierung, und viele andere. Hinzu kommen sicher einige Herausforderungen, die derzeit nicht vorstellbar sind und uns überraschen werden. Denn wer hätte vor einiger Zeit noch gedacht, dass weltweit Handelsbeschränkungen eingeführt werden? Und für alle gilt: Der Gießer wird sich diesen Herausforderungen stellen und die Probleme lösen - zusammen mit seinen Kunden und Zulieferern.

Was sehen Sie als die größten Herausforderungen, vor denen die Gießer in den nächsten fünf Jahren stehen werden?
Jedes Unternehmen muss sich dem permanenten Überlebenskampf stellen. Dabei gibt es nicht immer eine klare Frontlinie, sondern oft ist es ein Kampf an vielen Fronten. Neben den wirtschaftlichen Zwängen und den technologischen Herausforderungen werden insbesondere die Sicherstellung und Qualifizierung des Mitarbeiterstamms noch wichtiger und erfolgskritischer werden. Durch den anstehenden Generationswechsel in allen Bereichen der Gießerei wird es an Fachleuten mangeln.

Welche Entwicklung im Gießereiwesen verfolgen Sie zur Zeit mit der größten Freude?
Für die Nachhaltigkeit der Branche ist es überlebenswichtig, dass wir heute die Gießer der nächsten Generation gewinnen und qualifizieren. BDG und VDG sowie die Hochschulen und Unternehmen haben hier einige Anstrengungen unternommen, um das Branchenimage zu verbessern und mehr junge Leute für das Gießereiwesen zu interessieren. Hier zeigen sich jetzt erste Erfolge. Auf Gießereitagen, zu denen in den letzten Jahren verstärkt Absolventen der Hochschulen eingeladen waren, kann man sich ein gutes Bild machen. Auch auf der GMTN gibt es wieder ein Schülerprogramm, durch das neue Interessenten für technische Berufe gewonnen werden.

Das Interview mit dem GIFA- und Newcast-Präsidenten Heinz Nelissen führte Gerd Krause, Mediakonzept, Düsseldorf