5.07.2019

„Siemens ist ein großartiger Partner!“

ExOne-Geschäftsführer Eric Bader (Deutschland) und John Hartner (USA; v. l. n. r.) beim GIESSEREI-Interview auf der GIFA (Foto: Martin Vogt).

ExOne hat auf der GIFA eine Kooperation mit Siemens zur Industrialisierung des 3-D-Drucks bekannt gegeben. Über die neue Partnerschaft und die zunehmende Bedeutung von 3-D-Druckern in der Gießereibranche sprachen John Hartner und Eric Bader, die Geschäftsführer für die USA und Deutschland, mit der GIESSEREI.

Deutsche Kern- und Formhersteller setzen überwiegend noch auf die klassischen Methoden wie Kernschießmaschinen und Formanlagen. Welche Entwicklung hat die Branche genommen seit ExOne und andere das Drucken von Kernen und Formen anbieten?
John Hartner: Damit sich die Industrie wandelt, sind zum einen Marktfaktoren entscheidend, zum anderen unsere Bemühungen diese Marktfaktoren zu beschleunigen. Der Wandel deutet sich dadurch an, dass die Kunden immer komplexere Designs nachfragen, die immer schneller in Gussteile umgesetzt werden sollen. Das ist einer der Markttreiber für den 3-D-Druck. Um diesem Trend nachzukommen, senkt ExOne die Gesamtbetriebskosten (Cost of Ownership). Unsere neue Maschine S-Max Pro ist da das beste Beispiel. Bei etwa gleichem Anschaffungspreis ist die Anlage um 25 bis 30 Prozent produktiver als herkömmliche Anlagen. Ich habe früher in der Halbleiter- und Elektronikindustrie gearbeitet. Da musste man jedes Jahr mehr zum selben Preis anbieten. Genauso ist es auch mit den Herstellern von 3-D-Druckern.

Eric Bader: Da kann ich nur zustimmen. Der Cost of Ownership muss soweit sinken, dass sich nicht nur der Druck von Prototypen lohnt, sondern auch der von kleinen und mittleren Serien.

Glauben Sie, dass die Serienproduktion von Gussteilen mit 3-D-gedruckten Kernen und Formen einmal möglich ist?
John Hartner: Ja, das glauben wir. Und dann haben wir Kunden, die auf einer noch größeren Basis arbeiten und auch eine Vernetzung mit Industrie 4.0-Anlagen erwarten und so die Automatisierung in ihre Fabrik aufbauen.

Und hierbei kommt dann wohl Siemens als wichtiger Partner für die Industrialisierung des 3-D-Drucks ins Spiel?
John Hartner: Ja, die Kooperation wird uns zum einen bei der Qualitätskontrolle helfen, zum anderen bei der Digitalisierung. Unsere neue Maschine hat viele neue Sensoren, deren Daten in die Optimierung des Prozesses einfließen können. Und Siemens ist ein großartiger Partner, der sich für jede Art von Industrialisierung eignet. Siemens arbeitet mit allen Automobilfirmen in Deutschland zusammen, ebenso wie mit allen wesentlichen Unternehmen weltweit. Es ist eine fantastische Partnerschaft und wie Siemens es schon sagte: Unser System verfügt über die höchste Integration in Industrie 4.0-Anwendungen von allen Additive Manufacturing-Anbietern.

Eric Bader: Die Industrialisierung ist die Anforderung, die die Industrie an uns stellt. Es geht nicht um eine Stand-Alone-Lösung, bei der man wie vor einer Black-Box steht, bei der nicht sicher ist, wie es z. B. um die Qualität bestellt ist. Jetzt geht es darum, die Verlässlichkeit der Maschinen unter Beweis zu stellen und die Transparenz der Prozesse zu gewährleisten. Genau das erreichen wir durch die Partnerschaft mit Siemens.

Ihr Unternehmen gibt es seit 2005. Wie hat sich ihr Umsatz seither entwickelt?
John Hartner: Wir sind schon länger als 2005 im Geschäft mit einer anderen Firma, die das Verfahren schon seit mehr als 20 Jahren nutzt. 2013 ist ExOne offiziell auf dem Markt aufgetaucht. Seitdem wachsen wir Jahr für Jahr um rund 15 Prozent und wir erwarten ein kontinuierliches oder sogar noch ansteigendes Wachstum.

Der 3-D-Druck ermöglicht die Erhöhung der Komplexität von Kernen und Formen. Nennen Sie ein Beispiel für eine Geometrie, die nur mit dem Drucker möglich ist?
Eric Bader: Das beste Beispiel ist hier sicher die Funktionsintegration, bei der z. B. aus zehn Kernen einer wird oder Form und Kerne sogar als Einheit ausgedruckt werden. Die komplette Geometrie ist dann darin integriert. Das ist sicherlich ein großer Verdienst der Binder-Jetting-Technologie, die ExOne einsetzt. Es gibt da beispielsweise jetzt innovative Wassermantelkerne für das Temperaturmanagement in Motoren. Wir werden hier noch viele Beispiele sehen, etwa in der Pumpenindustrie. Auch bei der E-Mobilität dürfte die 3-D-Technologie wichtig werden, um wie beim Wassermantelkern einen größeren Kühleffekt in die Teile hineinzubekommen. Das erhöht dann die Wertschöpfung und in einem zweiten Schritt senkt das die Gesamtbetriebskosten.

Wie wird sich der 3-D-Druck Ihrer Meinung nach auf die traditionelle Industrie auswirken? Eric Bader: Der 3-D-Druck wird in mehr und mehr Anwendungen eingesetzt werden können. Ich glaube nicht, dass der 3-D-Druck den traditionellen Markt hinwegfegen wird. Es wird wie bei hybriden Teilen sein. Mehr und mehr Teile werden gedruckt sein, aber diese werden dann mit traditionell hergestellten Teilen verbunden.

Wer sind Ihre Kunden in der Gießereibranche?
Eric Bader: Zum Beispiel die Gießerei Grunewald in Bottrop und Georg Fischer. Viele Unternehmen aus der Automobilbranche in Europa, Amerika, China und Indien nutzen 3-D-Drucker-Technologie, ein Großteil davon gehört auch zu unseren Kunden. Wir arbeiten mit Flugzeugbauern zusammen und mit der Bauausrüstungsindustrie. Das sind die Märkte, in denen wir heute aktiv sind. Wir haben auch eine solide Basis in der Automobilindustrie.

John Hartner: Viele unserer Kunden haben schon Folgeaufträge bei uns lanciert. Wir haben auch den größten Marktanteil. Kürzlich wurden zwei brandneue Systeme im Advanced Manufacturing Center in Detroit aufgestellt. Das Zentrum gehört zu unseren ältesten Kunden.

Das Geschäft in den USA läuft also auch gut?
John Hartner: Wir haben gerade Bauausrüstungsunternehmen am Stand, mit denen wir verhandeln. Ja, das Geschäft in den USA läuft gut. Wir haben aber zum Beispiel auch einen sehr großen Kunden in Japan, der Kunden hat, die hohe Komplexität einfordern und der wegen Fachkräftemangel stärker automatisieren will.

Wird die Bedienung der Anlagen auch leichter?
Eric Bader: Durch die Integration in Industrie 4.0, die wir nun mit unserem neuen Partner realisieren, sollte die Furcht potenzieller Kunden vor der Komplexität der Anlagen weichen. Auch die Transparenz ist gestiegen. Es gibt ein Kamerabild aus der Box, auf dem man den Druckvorgang Schicht für Schicht beobachten kann. Das sollte die Hürde senken, in die 3-D-Drucker-Technologie einzusteigen.

Gibt es aktuell weitere Installationen von 3-D-Druckern in deutschen Gießereien?
Eric Bader: Nun neben der bereits genannten Installation eines Druckers bei Grunewald in Bottrop gibt es natürlich noch weitere Projekte über die ich aber nicht sprechen kann. Ich beobachte aber bei vielen Unternehmen der Gießereibranche auch, dass die Technologie nicht nur verstanden, sondern auch daran geglaubt wird. Da die Vorteile nun bekannt sind, wollen manche jetzt in größerem Umfang in die Technologie einsteigen.

Wie wichtig ist Deutschland als Markt für 3-D-Drucktechnologie?
Eric Bader: Das Land steht auf der obersten Stufe, wir haben hier einige Unternehmen im Land, die die Technologie an ihre Grenzen bringen. Es gibt Gießereien, die ihren eigenen Sortierprozess eingebracht haben. Plötzlich öffnet sich dann der Raum für viele weitere Anwendungen, die mit dem 3-D-Drucker möglich sind. Das japanisch-amerikanische Unternehmen Kimura ist ein Paradebeispiel, denn es verfügt über mehr als zehn unserer Maschinen. Das Unternehmen hat komplett von der traditionellen Kern- und Formherstellung auf 3-D-Druck umgestellt. Wichtig für Unternehmen ist es aber auch, Besitzer einer Maschine zu werden. Es reicht nicht, sich mit 3-D-gedruckten Produkten beliefern zu lassen. Man muss die Maschinen selber benutzen, um die Möglichkeiten zu begreifen.

Wie sieht es bei der Umweltfreundlichkeit Ihrer Technologie aus?
Eric Bader: Der Druck in Sachen Klimaschutz lastet auf allen Unternehmen. Wir drucken mit anorganischen Bindemitteln – das ist ein Trend, der die ganze Industrie erfassen wird. Darüber hinaus arbeiten wir auch mit Chemie- und Rohstoffunternehmen zusammen, um Bindemitteln mit niedrigen Emissionen herzustellen. Derzeit versuchen wir die Emissionen von Furanharzbindersystemen zu verringern. Entscheidend für den ökologischen Fußabdruck ist aber auch, dass durch den 3-D-Druck Produkte nicht unbedingt mehr verschifft werden müssen, sondern dass die Daten einfach an einen Drucker in einem anderen Land geschickt und dort ausgedruckt werden können. Damit haben sie die Flexibilität, die Teile da zu produzieren, wo Sie sie brauchen.

Wie kommentieren Sie den Einstieg von Laempe Mössner Sinto in die Herstellung von 3-D-Druckern oder die Allianz zwischen Loramendi, voxeljet und ASK Chemicals?  Beides wurde hier auf der Messe bekannt gegeben.
John Hartner: Der Markt wächst, das Interesse nimmt zu. Wie auch immer sich der Markt entwickelt: wir werden damit umgehen können und uns noch weiter verbessern!

Mit Eric Bader und John Hartner sprach Robert Piterek