8.07.2019

„Die GIFA hat ihren Anspruch als Weltleitmesse untermauert“

Heinz Nelissen erwartet eine Fortsetzung des Trends zur Digitalisierung und pocht auf den Vierjahresrhythmus der Messe, die ihren Status "als Weltleitmesse gewährleistet" (Foto: Martin Vogt).

Die Erwartungen an das 2019er-Messe-Quartett aus GIFA, Metec, Thermprocess und Newcast waren ambitioniert. Heinz Nelissen, Präsident von GIFA und Newcast, im Interview-Rückblick zu den fünf Messetagen.

Herr Nelissen, bei unserem Gespräch vor der GIFA hatten Sie die hohen Erwartungen, aber auch die Wolken am Konjunkturhimmel thematisiert. Haben sich Ihre Annahmen bestätigt?
In der Tat hatten wir im Vorhinein eine Rest-Unsicherheit im Kopf, ob die aktuelle Konjunkturdelle das Besucherinteresse beeinträchtigen könnte und spürbar qualitativ auf die Messe durchschlägt. Aber diese Bedenken waren unbegründet.

Wann sind die bei Ihnen verflogen?
Ganz ehrlich? Schon 20 Minuten nach Messebeginn – als wir die ersten Besucher bei uns am Stand hatten. Wir haben insbesondere an den ersten drei Tagen ein sehr hohes Besucherinteresse registriert. Die Besucher sind – so habe ich es wahrgenommen – mit der klaren Motivation gekommen, sich im Wettbewerb zu stärken. Ich habe diese 2019er-Messe als sehr vorwärts gerichtete Messe erlebt.

Welchen Schwerpunkt hatten die Kundengespräche?
Foseco hatte einen sehr guten Zulauf an Besuchern mit qualitativ hochwertigen, also durchaus konkreten Kundenkontakten von Beginn der Messe an. Es gab sehr interessante Gespräche – beispielsweise ging es um die Optimierung der Anschnittsysteme. Mit dem Ziel, ein höheres Ausbringen zu erzielen und auch Energie zu sparen. Also wirtschaftlicher und mit höherer Qualität zu fertigen.

Also eine 2019er-Messe mit interessierten und qualifizierten Kundenkontakten?
Ja, eine Messe mit sehr positiven Kundenkontakten mit interessanten technischen Gesprächen, die nach unserer Einschätzung auch ein Followup erleben werden. Rund die Hälfte der Kunden hat in den Gesprächen den Wunsch geäußert, dass wir sie besuchen. Das ist ein sehr positiver Wert.

Gilt das auch für Kunden aus der Automobilbranche? Hier war ja im Vorfeld von Zurückhaltung zu hören.
In der Tat hätte die Resonanz hier stärker sein können. Nach meiner Kenntnis gab es vonseiten der Autohersteller aber wohl nicht die Möglichkeit, die Messe zu besuchen, und sogar regelrechte Reisebeschränkungen. Gerade bei den Kunden aus dem Automobilbereich werden also wir die Followups anregen müssen.

GIFA und Newcast sind internationale Messen. Wie haben Sie die Mischung beim Publikum wahrgenommen?
In der Tat haben wir traditionell einen hohen Prozentsatz an internationalen Besuchern. Nach meiner Wahrnehmung sind die Asiaten hier sehr stark aufgetreten, bei uns speziell auch Besucher aus Indien. Weniger stark allerdings die amerikanische Seite. Die Gespräche mit den deutschen Kunden haben auf höchstem technischen Level stattgefunden. Hier hatte man im Vergleich den Eindruck, dass die Technik in den asiatischen Ländern etwas zurückhängt.

Kann Deutschland seinen Vorsprung halten?
Wir halten den Vorsprung, aber die Asiaten kommen näher. Dort sehen wir eine große Investitionsbereitschaft und es wird stark automatisiert. Der Qualitätslevel wird hochgeschraubt, denn die chinesischen Autobauer haben hohe Anforderungen. Die Chinesen holen auf, aber wir haben noch einen Vorsprung.

Gilt das auch für den Maschinenbau?
Der deutsche Maschinenbau arbeitet an modernsten Lösungen und ist nach wie vor führend. Aber auch da gilt es, den Vorsprung zu verteidigen. Denn auch auf diesem Feld sind die Chinesen ehrgeizig und holen auf.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte haben Sie auf der Messe beobachtet?
Ich habe deutlich wahrgenommen, dass sich im Vergleich zur letzten GIFA insbesondere bei den Themen Digitalisierung und Automatisierung einiges getan hat. Auf sehr vielen Ständen waren Roboter im Einsatz. Die Robotertechnik ist günstiger geworden und leichter zu programmieren.

Was wird das für die betriebliche Praxis bedeuten?
Meine Prognose ist: Es wird einen großen Schub nach der Messe geben. Viele Gießereien werden sich überlegen, in welchen Bereichen zusätzliche Automatisierungen sinnvoll eingesetzt werden können. Und dann auch Lösungen in ihren Betrieben implementieren.

Haben Sie eine konkrete Investitionsbereitschaft der Unternehmen wahrgenommen?
Wir hatten 2017 und 2018 Rekordjahre der Gießerei-Industrie. Jetzt erleben wir eine kleine Delle – wobei natürlich viele Unternehmen überlegen, wie es weitergeht. Ich habe tatsächlich eine Investitionsbereitschaft wahrgenommen und die Kapitalkosten dafür sind ja nach wie vor gering.

Sehen Sie Schwerpunkte für diesen Automatisierungsschub?
Generell dort, wo wir heute schon einen hohen Automatisierungsgrad haben, also bei den Druckgießern. Und das wird auch weitergehen. Aber auch in der Kern- und Maschinenformtechnik wird weiter automatisiert und optimiert werden. Außerdem in sicherheitsrelevanten Bereichen, wo heute noch Mitarbeiter im Einsatz sind und dabei auch gewissen Gefahren ausgesetzt sind. Auch dort wird man stärker Roboter zum Einsatz bringen.

Gab es weitere Schwerpunkte?
Das Printen von Kernen war nach meiner Beobachtung ein weiterer Schwerpunkt. Die Drucker werden günstiger und auch schneller, sodass ein immer breiteres Spektrum von Kernen mit diesem Verfahren wirtschaftlich hergestellt werden kann.

War die Nachwuchswerbung erfolgreich?
Aus meiner Sicht ja. Wir hatten jeden Tag eine Schulklasse im Rahmen der Kampagne „Metals4you“ bei uns am Stand. Wir haben die Schüler auf spaßige Weise mit technischen Themen konfrontiert. Wir müssen zusammen mit BDG und VDG an dem Thema dranbleiben, denn wir werden in den kommenden Jahren eine Pensionierungswelle in der Gießerei-Industrie haben und wir müssen junge Leute von unserer Branche überzeugen. Wir sind eine kleine Branche und müssen auf uns aufmerksam machen.

Welche Impulse gehen von der GIFA 2019 aus und wie lautet ihr finales Fazit?
Wir werden 2023 die nächste GIFA haben – wichtig und sehr hilfreich aus meiner Sicht ist der Vierjahresrhythmus. Er gewährleistet, dass die GIFA Weltleitmesse bleibt. Denn diesen Anspruch hat die 2019er-Messe sehr deutlich untermauert. In vier Jahren wird noch weiter digitalisiert und automatisiert sein, auch, um Personalkosten im Griff zu behalten.

Das Interview führten Robert Piterek und Martin Vogt