24.06.2019

„Wahres Feuerwerk an Innovationen!“

GIFA-Präsident Heinz Nelissen, Geschäftsführer von Vesivius, im Borkener Betrieb. Auf der Messe werden über 2300 Aussteller und rund 78 000 Besucher erwartet.

Zum Messe-Quartett aus GIFA, Metec, Thermprocess und Newcast (GMTN, auch Bright World of Metals genannt) erwartet Heinz Nelissen ein „wahres Feuerwerk an Innovationen“. Der Präsident von GIFA und Newcast erläutert im Interview, was die Messe so besonders wertvoll für Aussteller und Besucher macht und wie Nachwuchs gewonnen werden soll.

Beginnen wir mit einem gewissermaßen daueraktuellen Thema: Was sagen Sie zum Brexit?
Man muss sagen: Die ursprüngliche Angst, dass das Wirtschaftsleben komplett zusammenbricht, ist längst verflogen. Das wird offensichtlich nicht passieren. Wie sich das Brexit-Thema entwickelt ist dennoch unerfreulich, weil es eher verunsichert. Man hätte sich auch ein konkretes und belastbares Datum gewünscht. Der 29. März ist vorüber – und jetzt? Ich hoffe auf vernünftige Regelungen und die Vermeidung von Zöllen.

Dafür hat die GIFA ein konkretes Datum Ende Juni. Was können Sie berichten?
GIFA und NEWCAST knüpfen nahtlos an die erfolgreiche Vorveranstaltung aus 2015 an. Beide Messen sind hervorragend gebucht, die Weltmarktführer sind ebenso vertreten wie kleinere und mittlere Unternehmen. Insgesamt – also auf allen vier Messen des Quartetts – wird die Bright World of Metals wieder die Schallmauer von 2000 Ausstellern durchbrechen: Mehr als 2100 Firmen aus der ganzen Welt werden erwartet. Entsprechend groß ist die internationale Reichweite hinsichtlich der Besucher: Wir erwarten – nicht zuletzt dank unserer umfassenden Marketingmaßnahmen – rund 78 000 Besucher aus Europa und Übersee.

Die Konjunktur trübt sich inzwischen ein. Kann das Auswirkungen auf die GIFA in diesem Jahr haben?
Die Aussteller haben ihre Planungen für die Messe weitgehend abgeschlossen, die Standplätze sind fest gebucht und die für die GIFA vorgesehenen Innovationen wurden entwickelt und gemeinsam mit den Kunden messetauglich aufbereitet. Wir kommen aus zwei Jahren mit hervorragenden Produktionszahlen, also aus einer deutlichen Boomphase. Wir hatten mehrere Boomjahre in den NE- und Eisengießereien. Jetzt haben wir eine gewisse Eintrübung der Konjunktur. Das haut uns als Gießer nicht um. Gerade jetzt ist es wichtig, sich selbst die Frage zu beantworten: Wie gehe ich als Unternehmer die kommenden Jahre an? Und da kommt die GIFA gerade recht.

Inwiefern?
Es passiert sehr viel in Richtung der Digitalisierung. Aufgrund des hohen Tempos bei der Digitalisierung ergeben sich neue Möglichkeiten bei der Fertigungsautomatisierung. Die Anlagenbauer nutzen dies und stellen innovative Lösungen vor. Folgerichtig setzt die GIFA hier einen Schwerpunkt.

Die Messe bietet ein umfangreiches Rahmenprogramm an Fachkonferenzen. Wie wichtig ist das?
In der Tat ist das fachliche Rahmenprogramm mit seinem Angebot an internationalen Kongressen, Symposien, Foren und Sonderschauen extrem wichtig und weltweit wohl auch einzigartig. Ob Additive Manufacturing, Metallurgiethemen, Trends in der Stahlbranche, aktuelle Aspekte in der Thermoprozesstechnik oder Innovationen im Bereich von Energie- und Ressourceneffizienz – das gesamte Spektrum von Gießereitechnik, Gussprodukten, Metallurgie und Thermoprozesstechnik wird abgedeckt. Premiere haben einige Fachevents, wie beispielsweise das zweitägige Fachforum Thermische Energiespeicher, die Fachkonferenz Metall-3D-Druck oder die Sonderschauen „Additive Manufacturing“ und „Digitalisierung & Klimaschutz“. Die Digitalisierung ist weit fortgeschritten und wird zu innovativen Lösungen führen, die auf der Messe präsentiert werden. Eine Vielzahl von Kongressen und Vortragsveranstaltungen hilft beim Netzwerkausbau und beleuchtet innovative Themen.

Täuscht der Eindruck oder hat sich tatsächlich im Bereich Automotive – Stichwort E-Auto – seit unserem Gespräch im vergangenen Herbst am meisten getan?
Das nehme ich auch so wahr. Im Bereich der E-Mobility hat sich in der Tat einiges bewegt in den letzten Monaten. Man muss hier unterscheiden zwischen Nutzfahrzeugen und PKW. Im Bereich schwere Nutzfahrzeuge, insbesondere für den Überlandverkehr, wird weiter mit konventionellen brennstoffbetriebenen Antrieben gearbeitet, die Paketdienste in den Städten, der Innerstadtverkehr und auch Busse werden stärker elektrisch angetrieben.

Sie beschreiben damit einen noch weiter ausdifferenzierten Markt. Was bedeutet das für die Branche?
Ich schätze es als gut ein, dass für alle Antriebsarten und Fahrzeugtypen auch weiterhin Gussprodukte verwendet werden. Sowohl herkömmliche als auch E-Fahrzeuge benötigen Gussprodukte, aber natürlich sehr unterschiedliche. Und darauf muss sich der Gießer einstellen. Und entsprechend werden momentan viele Teile konstruiert, gerade im NE-Bereich, beispielsweise Batteriegehäuse und Strukturbauteile.

Und was macht ein heutiger Gießer von klassischen Motorkomponenten?
Der wird sich Gedanken machen müssen, denn möglicherweise ist der Maschinenpark für E-Mobility-Teile nicht geeignet. Dann könnte man entweder mehr in den Nutzfahrzeug-Sektor gehen – der ja weiterhin Verbrenner produzieren wird – oder sich neue Segmente suchen. Entscheidend ist die Spezialisierung.

Zurück zur GIFA. Die Bright World of Metals sowie BDG und VDG haben ein Jugendprogramm wie auf der letzten Messe angekündigt. Im Wettbewerb „Gießzeit“ geht es auch um den Abguss eines Ziffernblattes. Auf der Messe werden wieder zahlreiche Jugendgruppen erwartet. Wie schätzen Sie das ein?
Wir wissen, wie stark die Zukunft der Gießereien auch am Nachwuchs hängt. Im Leitbild des BDG gehört Nachwuchsgewinnung zu den Prioritäten und der Verband hat schon viele Veranstaltungen durchgeführt. Der VDG hat Nachwuchsförderung sogar als Satzungsaufgabe definiert. Daher ist auch ein wesentlicher Teil des Messauftrittes von BDG und VDG diesem Thema gewidmet. Zahlreiche Schülergruppen lernen den Gießereiberuf beim Besuch der Messe und insbesondere in der Schulgießerei in Halle 13 kennen. Dabei werden auch Gussteile produziert. Das ist ein handfestes Argument für den Beruf, denn das produzierte Gussteil gibt dem Ganzen einen greifbaren Sinn. In diesem Jahr können Schülergruppen das Ziffernblatt einer „Klassenuhr“ formen und gießen. Die beste wird prämiert. Um die Faszination des Berufs klarzumachen, ist ein solches Jugendprogramm unerlässlich. Und der Wettbewerb spornt an. Ich kann die Gießereien nur ermutigen, sich an den durch die Initiative Metals4you organisierten Exkursionen zur Messe in Düsseldorf zu beteiligen. Wir erwarten täglich mehr als 500 potenzielle Nachwuchskräfte.

Welche Nachwuchs-Aktivitäten werden wir von Ihnen selbst auf der Messe erleben?
Einen Teil unseres Standes nutzen wir in diesem Jahr als Carreer Corner. Dieser Stand wird von unserer Personalabteilung und von den Auszubildenden betreut. Damit ist die Zielrichtung dieses Standkonzeptes schon in etwa umrissen. Die Personalabteilung wird relevante Informationen zu Standort und Konzern bereithalten, die Auszubildenden zeigen interessante Projekte ihrer Ausbildung. Wir laden auch unsere Partnerschule ein und nehmen an der Metals4You teil. Das Konzept ist darauf ausgelegt, junge Leute bereits vor der endgültigen Entscheidung über ihre Berufsrichtung für technische Berufe zu begeistern.

Was bringt die GIFA Ihrer Meinung nach für die Branche?
Auf der NEWCAST wird das komplette Spektrum von Gussprodukten präsentiert. METEC und THERMPROZESS sind die internationalen Leitmessen für Metallurgie und Thermoprozesstechnik. Die GIFA findet im bewährten 4-Jahres-Rhythmus statt. Daher wird dort die Weltklasse präsentiert. Die großen Zulieferer haben ihre Entwicklungsprogramme auf diesen Messerhythmus abgestimmt, daher können wir ein wahres Feuerwerk an Innovationen erwarten.

Wie sieht Ihr abschließender Appell an die Branche aus?
Deutschland ist Messeland, und zwar mit einem weltweit extrem hohen Qualitätsstand. Auch die GIFA, denn alle Entscheidungsträger der globalen Gießereibrache sind auf der GIFA. Das ist eine hervorragende Gelegenheit zum Netzwerken, auch international. Auf keiner der vergleichbaren Fachmessen liegt der Anteil internationaler Besucher annähernd so hoch wie in Düsseldorf. Verpassen auch Sie diese Gelegenheit nicht!

Herr Nelissen, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten Martin Vogt und Robert Piterek