1.10.2019

„Schaeffler ist technologieoffen“

Die Antriebskonzepte wandeln sich – und damit auch die Anforderungen der OEMs an ihre Zulieferer. Matthias Zink, Vorstand Automotive OEM bei Schaeffler, über die Potenziale der Techniken.

In Deutschland fokussierte sich die öffentlich wahrnehmbare Diskussion zuletzt sehr stark ausschließlich auf das batterieelektrische Fahren. Wie nehmen Sie den Status quo wahr?
Ja, diese Fokussierung nehme ich ebenso wahr – und halte sie für falsch. Für mich ist nach wie vor nicht ersichtlich, dass die Batterie der einzig richtige Speicher sein soll. Schaeffler ist technologieoffen.

Wie wird denn aus Ihrer Sicht der Mobilitätsmix von morgen aussehen?
Zunächst gehen wir bei Schaeffler davon aus, dass im Jahre 2030 noch rund 70 % aller Autos über einen Verbrennungsmotor verfügen werden – viele davon in Hybridfahrzeugen. Wir rechnen entsprechend mit rund 40 % Hybriden und jeweils 30 % Verbrennern und rein elektrischen Fahrzeugen.

Welches Potenzial hat die Brennstoffzelle?
Bei der Brennstoffzelle lohnt es sich Gas zu geben – und zwar aus zwei Gründen: Es ist schwer vorstellbar, irgendwann weltweit eine Milliarde batteriebetriebene Elektrofahrzeuge im Markt zu haben. Das gibt die Ressourcenlage nicht her. Zweitens ist es technisch auch nicht sinnvoll – etwa im Langstreckenverkehr. Entsprechend sehen wir Potenzial für die Brennstoffzelle, nicht nur, aber vor allem für den Lkw. Wir forschen intensiv an der Brennstoffzellentechnik.

Wie schätzen Sie das Potenzial von E-Fuels ein?
Auch wenn der Wirkungsgrad aktuell nicht sehr groß ist: Die E-Fuels sollte man nicht abschreiben. Wir haben heute genügend volatile regenerative Energie, die zur Erzeugung nutzbar wäre. Die Programme für die nächste Generation von Flugzeugen beinhalten die Verwendung von E-Fuels, der Flugzeugbau ist also an dem Thema deutlich näher dran, als wir das im Automotive-Bereich sind.

Was wird sich hinsichtlich Ihres Materialeinkaufs verändern?
Schaeffler ist einer der größeren Stahleinkäufer. Stahl als Material werden wir nicht ohne Weiteres ersetzen – der wird von unseren Vorlieferanten auch in Zukunft gefragt sein. Wir werden allerdings einen weiteren Switch vom Grauguss zum Aluminium-Druckguss erleben und damit natürlich auch weniger Gusstonnage.

Kommen explizite Anforderungen auf die Gießereien zu?
Was das Thema Zertifizierung und Produktion angeht auf jeden Fall. Wir werden uns in Zukunft sehr viel stärker auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz fokussieren.

Das Interview führte Martin Vogt