28.06.2021

"Wir sind EINE Branche!"

Clemens Küpper: "Ein gewisser Respekt vor einer Branche, die unverzichtbar ist und sich anstrengt, wäre angemessen!"

Der neue BDG-Präsident Clemens Küpper über seine Erfahrungen als Manager, die Situation der deutschen Gießerei-Industrie – und seine Vision als BDG-Präsident.

Clemens Küpper, Jahrgang 1967 und kürzlich 54 Jahre alt geworden, ist neuer Präsident des BDG. Der studierte Diplom-Ingenieur und Diplom-Wirtschaftsingenieur, verheiratet und dreifacher Vater, lebt und arbeitet heute dort, wo er auch geboren wurde: In Bielefeld. Küpper, Sprecher der Geschäftsführung der Eisengiesserei Baumgarte im Bielefelder Stadtteil Brackwede und Geschäftsführer der Eisengiesserei Karlshütte in Bünde, gab der GIESSEREI kurz nach seinem Amtsantritt ein Interview.

Sie sind am 27. Mai Präsident geworden. Wie fühlt sich das an?
Es fühlt sich ganz gut an, weil ich von sehr vielen Menschen Glückwunschgrüße und -Postkarten bekommen habe. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Wahl offenbar doch von sehr vielen als positiv wahrgenommen wird.

Wie lief denn Ihr bisheriger Werdegang in der Gießerei-Industrie?
Interessant ist ja: Wie kommt man in diese Branche? Ohne Verwandte, die schon in der Gießerei-Industrie arbeiten. Ich komme aus einem Akademiker-Haushalt, ging nach der Grundschule aber zur Realschule, was früher ziemlich normal war. Lehrstellen waren seinerzeit knapp – ich gehöre ja mit Jahrgang 1967 zu den geburtenstarken Jahrgängen. Hier bei der Gießerei Baumgarte kam ich als Lehrling unter – und entschied mich damit für den damals noch recht jungen Beruf des Gießereimechanikers. Der damalige Senior-Direktor hat in mir recht bald mehr gesehen als einen Gesellen und mich quasi zum Studium nach Duisburg geschickt. Das war alles gesetzt. Und so kam ich dann nach dem zweiten Bildungsweg und dem Abschluss in Duisburg 1992 wieder in den Betrieb, zunächst als Assistent, um dann nahezu alle Bereich des Unternehmens zu durchlaufen. 2003 studierte ich dann zusätzlich noch Wirtschaft in Bielefeld und bin mit einer zweijährigen Unterbrechung auch bis heute bei Baumgarte geblieben. Seit 2008 bin ich Sprecher der Geschäftsführung und leite den Betrieb zusammen mit meinem Geschäftsführer- Kollegen Eckhard Winter.

Welche Eigenschaft finden Sie an sich selbst besonders wichtig?
Ich bin jemand, der nach vorne schaut. Natürlich schaue ich mir die Ergebnisse der letzten Jahre an, aber ich hake das ab und gehe nach vorne. Ich wechsele – manchmal zum Leidwesen meiner Familie – auch durchaus meine Hobbys und Interessen. Ich kann mich mit Salatsoßen beschäftigen und englischen Oldtimern, das kann dann aber auch wieder wechseln. Momentan beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Thema Rasen, mal sehen, wie lange das anhält ...

Hat das Konsequenzen für Ihre Arbeit?
Also ich finde es ganz gut, breit interessiert zu sein. Aber natürlich kann ich dann nichts so absolut zu hundert Prozent. Ich bin nicht der Spezialist in Buchhaltung oder im Gießen. Für alle Bereiche haben wir – gerade in der Größenordnung unserer Firma – hervorragende Spezialisten, auf die ich mich verlassen kann. Ich bin dann derjenige, der sich vor seine Leute stellt, wenn es eng wird. Können Sie so etwas wie einen Firmenethos benennen? Es gab mal eine Zeit, da hieß es: Es dürfen keine Fehler gemacht werden. Das kennzeichnet einen Führungsstil, den wir hier nicht haben und den ich auch ablehne. Ich freue mich über jeden Fehler, den wir finden – denn so einen Fehler können wir bearbeiten und abstellen. Ich habe da eine sehr positive Sicht auf unsere Mitarbeiter: Keiner macht absichtlich Fehler. Und wir arbeiten gemeinsam konstruktiv daran, immer besser zu werden. Ich verlasse mich auf meine Leute und jeder weiß: Wer Hilfe braucht, meldet sich sofort. Diese Selbstverantwortung fordere und unterstütze ich.

Gibt es eine berufliche Erfahrung, die Sie besonders geprägt hat?
Ja, durchaus, und zwar in den beiden Jahren 2006 bis 2008 bei der Gießerei Tigges. Herr Tigges war jemand mit einer ganz bemerkenswerten Eigenschaft: Je schlimmer eine Situation war, umso ruhiger wurde er – und wenn es ganz schlimm wurde, schmunzelte er sogar. Das habe ich mir zu eigen gemacht. Wenn es mal knallt und Ärger gibt, bin ich der entspannteste in der Runde. Denn meine Erfahrung über all die Jahre in unserer Branche ist: Wir haben immer eine finale, letzte Chance, um etwas hinzubekommen. Die muss man nutzen. Und wir alle wissen – oft kommt dann die nächste Chance von selber. Ich finde das beruhigend – irgendwie hört das nicht auf – es geht immer weiter.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die Eigenschaften, die ein Manager mitbringen muss, um am Ende erfolgreiches, profitables Geschäft zu machen?
Ich bin froh, dass wir hier in einer Gießerei mit zwei Geschäftsführern sind – denn so können wir uns die Bereiche professionell aufteilen. Ich kümmere mich mehr um den administrativen Teil und den Vertrieb – also das, was mehr nach außen gerichtet ist. Eckhard Winter macht den technischen Teil. Jeder macht das, was er tut, sehr gerne, und obwohl wir natürlich auch den Part des anderen übernehmen könnten, ist es besser so in dieser Aufteilung, weil hier unsere jeweiligen Stärken am besten zur Geltung kommen. Jeder von uns hat seine Spezialgebiete und gleichzeitig agieren wir beide mit uns als Sparringspartner. Zwei sind ideal, denn wir sind bei aller Spezialisierung beide nahe dran an den Themen und unseren Mitarbeitern: Wir können rausgehen in die Halle und kennen die Teile, kennen die Kollegen und Mitarbeiter.

Also eine deutliche Aufgabenteilung mit Konzentration auf ihre Stärken – nicht alle Gießereien sind personell in einer solchen Situation. Die Gefahr, wenn man alleine in einem Unternehmen Geschäftsführer ist, besteht meines Erachtens in folgendem Punkt: Es kann die Überzeugung entstehen, dass man recht hat – nur weil alle Mitarbeiter immer ja sagen. Man schwebt irgendwann über den Dingen und untenherum zerläuft es. Selbstzweifel, ein realistischer, vielleicht manchmal auch professionell distanzierter Blick auf sich selbst, halte ich deswegen für sehr wichtig. Das Risiko haben wir nicht – glauben wir zumindest.

Hat sich nach Ihrer Erfahrung die Anforderung an die Unternehmensführung verändert?
Es ist noch anspruchsvoller – wenn ich das interpretieren sollte: auch pingeliger – geworden. Früher haben wir Entscheidungen per Handschlag getroffen. Wir konnten untereinander rau umgehen, das war okay. Heute sprechen wir viel mehr über Messgrößen, über sogenannte KPIs. Wir haben es mit anderen Sprachen zu tun, mehr mit Verträgen. Früher waren die im Schrank und wenn man mal einen Vertrag rausgeholt hat, war die Geschäftsbeziehung schon deutlich in der Krise. Heute ist es das Tagesgeschäft, über lange Rahmenvereinbarungen zu sprechen, der Kunde will sich absichern, wir haben 20-, 30-, sogar 40-seitige Lieferverträge, die man bei sehr genauer rechtsanwaltlicher Prüfung niemals abschließen würde. Also muss man als Geschäftsführer auch sagen: Okay, wir gehen diesen Weg und hoffen das Beste. Die Dinge werden komplexer, auch komplizierter? Definitiv, nicht nur bei Verträgen. Es gibt mehr zu lesen, auch einzuhalten, an Vorgaben. Sowohl kunden- als auch behördenseitig. Es ist deutlich mehr geworden mit dem externen Prüfen und Auditieren. Es gab die Zeit der Zertifizierung – und dann war man geschützt vor Audits. Inzwischen kommen Kunden selber und prüfen uns. Das ist viel, viel administrative Arbeit.

Kommen wir auf Ihre Kandidatur zur BDG-Präsidentschaft. Welche Motivation hatten Sie dafür?
Ich bin nicht eines Morgens aufgestanden und habe mir gesagt: Du musst BDG-Präsident werden. Meine Frau sagt, ich sei politischer als ich glaube. Das kann ein Grund sein.

Was könnte Ihre Frau denn damit meinen?
Sie könnte zum Beispiel meinen, dass ich ständig das Gefühl habe, ich müsste Politiker über bestimmte Sachverhalte informieren. Es gehört zu meinen Hobbys, dass ich regelmäßig Politiker anschreibe. Ich stelle dann fest, dass oft Meinungsgleichheit besteht in der Einschätzung von Sachverhalten. Dennoch ändert sich dann in der praktischen Politik nichts. Ich bin, was das Feedback angeht, nicht sehr verwöhnt, insbesondere erlebe ich, dass die mentale Distanz immer großer wird, je weiter die Hierarchieebene entfernt ist. Aber: Wenn man die Leute dann mal da hat, ganz konkret im Betrieb – sei es von Gewerkschaften oder Parteien – dann ist man gemeinsam stolz auf das, was wir hier machen. Alle finden das toll – sicherlich auch, weil Politiker dann die Zusammenhänge sehen.

Sehen Politiker die Zusammenhänge?
Teilweise. Bleiben wir bei den Steuern. Der Staat selbst hat ja nicht so viele Einnahmearten. Wenn das Steueraufkommen sinkt, gibt es für den Staat entsprechend weniger Etat zum Ausgeben. Nun erwarten wir in unserer Branche vielleicht keinen expliziten Dank im Sinne: Schön, dass Ihr da seid, schön, dass Ihr den Menschen Arbeit gebt. Bei uns hier übrigens über 300 Mitarbeitern und branchenweit immerhin 70 000. Aber einen gewissen Respekt vor einer Branche, die unverzichtbar ist und sich anstrengt, wäre aus meiner Sicht angemessen.

Was haben Sie sich vorgenommen für Ihre Präsidentschaft?
Ich möchte, dass wir alle gemeinsam das Gefühl und die Überzeugung teilen, eine Branche zu sein. Es mag Unterschiede in Werkstoffen geben und Unternehmensgrößen, Eisen und Nichteisen, das will ich nicht, denn nach außen hin interessiert niemanden, wer was gießt. Wenn wir weiterhin so bleiben wollen wie wir sind mit unseren 70 000 oder vielleicht auch mehr Mitarbeitern, dann müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Das ist Teamplay: Ich will, dass die Hansaallee, das Präsidium, der Präsident für etwas stehen: Wir stehen für das Gießen von Metallen. Und dieses Verfahren ist unverzichtbar. Wir sind stolz darauf. Das möchte ich rüberbringen. Ich sehe mich als Spitze der Interessenvertretung der Mitglieder und ich möchte in den kommenden Monaten verschiedene Gießereien besuchen und besprechen, wo die Interessen liegen.

Wie sehen Sie denn die aktuelle Situation unserer deutschen Gießerei-Industrie?
Wirtschaftlich ist die Situation nach einem Jahr mit 20%igem Umsatzrückgang wieder auf dem Weg der Besserung. Wir werden zwar in diesem Jahr nicht die Minuszahlen ausgleichen können, gehen aber von einer recht nachhaltigen Entwicklung auch im Folgejahr aus. Die Halbleiterkrise macht uns da natürlich ähnlich unsicher wie die Strukturkrise in der Automobilindustrie und die sehr unklaren Signale, was den Klimaschutz anbelangt. Denn wir haben eine Situation, die die Branche, so denke ich, noch nicht erlebt hat: Ganz grundsätzlich befinden sich nach meinem Eindruck viele Betriebe in einer Art Achtung, in einer Warteposition. Keiner weiß genau, was die Zukunft bringt, beispielsweise wie verlässlich das eigene Schmelzaggregat noch ist. Wie verlässlich ist das Thema Energie? Es geht natürlich um CO2, Umweltthemen. Für wen fertige ich denn überhaupt in Zukunft noch?

Was unterscheidet nach Ihrer Ansicht die jetzige Situation von den normalen Prozessen der Veränderung?
Es gab immer mal Branchen, die haben unser Land verlassen. Die Textilindustrie beispielsweise hat – zumindest in weiten Teilen – unser Land verlassen. Das sind marktgetriebene Dinge, auf die kann man sich einstellen. Aber aktuell haben wir viele politische Ungenauigkeiten, die wir klären müssen. Ungenauigkeiten, an denen der Verband dran ist: den Politikern erklären, was sie entscheiden. Und anschließend uns Gießern erklären, was das bedeutet. Diese Situation – dass wir nicht mehr genau verstehen, was die Politik von uns will, ist definitiv neu.

Wie gehen wir als Branche damit um?
Dass es Interpretationsbedarf gibt bei Gesetzen, dass es Unverständlichkeiten gibt, das hat es früher so nicht gegeben. Damit muss sich jeder Betrieb auseinandersetzen. Wir können dann auch nicht mehr sagen: Das ist Sache des Verbandes, das muss er regeln. Nein, das kann der Verband nicht alleine, ich muss mich selbst mit den Themen auseinandersetzen: Was gilt beispielsweise für mich im Themenkomplex EEG? Und was gilt im Bereich Zoll? Was gilt im Bereich Umwelt? Ich muss Messungen und Gutachten von Technikern und Anwälten beauftragen, mit den Umweltämtern und anderen staatlichen Stellen zusammenarbeiten. Das war früher entspannter.

Sie haben gerade das Stichwort „Warteposition“ genannt. Worauf wartet unsere Industrie oder – anders gefragt – was muss in der Politik passieren?
Wir haben viel Unklarheit in der Politik. Und diese Unklarheit behindert Entscheidungen und auch ganz konkret Investitionen. Und dann mache ich mir durchaus Sorgen darüber, ob diese Entscheidungen anderswo schneller getroffen werden können und manches an uns vorbeirutscht und in andere Länder geht. Wir haben dann politisch auch das Thema Wasserstoff. Hört sich erst mal gut an – aber technisch Interessierte fragen sich dann zu Recht. Woher soll denn der Wasserstoff kommen? Das ist ein Beispiel für die vielen Konjunktive in der Politik. Sollte, könnte, müsste. Das sind unscharfe Dinge. Viele Betriebe der Branche, auch wir, warten mit Investitionsentscheidungen. Wir warten, weil es nicht richtig entschieden ist und wir warten, weil wir es nicht richtig verstehen. Und die, die entscheiden, es manchmal auch nicht ganz richtig verstehen.

Wo genau vermissen Sie Klarheit?
Zunächst mal möchte ich sagen, dass ich Verständnis habe für den Politikbetrieb und die Politiker. Die Themen sind superkomplex, schwierig. Alleine wenn man über CO2, Wasserstoff, Schmelztechnik spricht – das kann man nicht alles wissen als Politiker. Aber man kann ein technisches Grundverständnis haben und ich erwarte, dass wir zu vernünftigen Kompromissen kommen, weil Politiker mit entsprechenden Erklärungen und Hintergründen verstehen, dass eben nicht alles geht. Wasserstoff haben wir eben jetzt nicht – und deswegen geben wir der Branche die nächsten zehn Jahre eine Art Übergangsphase. Es muss dem Verantwortlichen einer Gießerei, der einen Kupolofen oder E-Ofen hat, klar sein, was die nächsten fünf bis zehn Jahre auf ihn zukommt.

Momentan fehlt genau diese Planungssicherheit?
Ja, und die kann sogar Angst machen, weil unklar ist, was die kommenden Jahre passiert. Kann ich meinen Kupolofen weiter betreiben? Vielleicht ist es mit dem E-Ofen schwierig, weil ich keine Leitung habe oder die Stadtwerke gar nicht die entsprechende Kapazität bieten. Und da gibt es noch die seltsame EEG-Übergangsregelung, die einen Betrieb Richtung Insolvenz treiben könnte. Diese Dinge müssen wir adressieren und Gespräche führen mit den Menschen, die die Gesetze machen. Da erwarte ich mehr Kompetenz und entsprechende Gespräche. Ich hätte gern, dass die Politik versteht. Wir stehen in einem extremen Wettbewerb. Und dieser Wettbewerb wird beeinflusst von bestimmten Kosten, die natürlich zusätzlichen Druck erzeugen. Wir können nicht einfach unsere Preise erhöhen. Deswegen erwarte ich von der Politik, dass sie erstens versteht, wie die Branche funktioniert und zweitens diesen Druck abbaut. Das muss passieren, wenn die Politik will, dass unsere wichtige Branche mit ihren gut bezahlten Arbeitsplätzen auch weiterhin in Deutschland erfolgreich produzieren kann. Dafür müssen wir die Nachteile im Wettbewerb – ganz wesentlich Energiekosten – reduzieren. Diese Diskussionen mit verantwortlichen Politikern vermissen wir. Was wir momentan erleben, ist zu wenig.

Sind wir in Deutschland zu wenig Industrie-freundlich?
Ich beobachte schon, dass die Affinität zu technischen Themen im weitesten Sinne nachgelassen hat. Wenn wir Führungen im Betrieb haben, dauert allein das Helmaufsetzen 20 Minuten – denn die Schüler haben damit alle erst mal ihren Spaß. Das trifft mich, weil ich da die Ernsthaftigkeit vermisse. Spätesten, wenn man dann aber nach Kenntnissen wie einem Dreisatz fragt, herrscht aber wieder Ruhe bei der Führung.

Wo steht deutsche Gießerei-Industrie im Vergleich zum Wettbewerb?
Wenn ich unsere großen Kunden frage, sagen die ganz klar: Die Großserien gehen ins Ausland und die schwierigen mittleren Serien lassen wir bei Euch. Das ärgert mich, denn die Großserien gehen ja nicht ins Ausland, weil wir die nicht können, sondern weil wir teurer sind. Da, wo man uns braucht, unsere Flexibilität, da sind wir in Deutschland super. Aber sobald es über 50 000, 100 000, 200 000 Stück rausgeht, gibt es gar keine Anfragen mehr. Ich verstehe natürlich die Kunden, die müssen agieren, im Weltmarkt wettbewerbsfähig sein, aber die Gesamtsituation ist unbefriedigend.

Dabei sind wir ja im Grundsatz schon in unseren Prozessen des Re- und Upcyclings enorm nachhaltig. Dringen wir mit diesen Themen durch, insbesondere in den Monaten jetzt vor der Bundestagswahl?
Ich verstehe, dass man mit dem Thema Nachhaltigkeit enormen Zuspruch bekommt – weil es extrem wichtig ist. Es ist unbedingt richtig und wir als Gießerei-Industrie sind hier gut unterwegs: Wir sprechen nicht nur über Nachhaltigkeit, sondern wir sind nachhaltig. Und wir sollten denen, die gewählt werden wollen, das auch klarmachen. Dass es nämlich nichts Nachhaltigeres gibt, als etwas in der Nähe vernünftig und im Rahmen der Möglichkeiten herzustellen. Das ist das Nachhaltigste, was es gibt. Auch Industrie ist nachhaltig – denn davon leben wir.

Wo steht die deutsche Gießerei-Industrie in 15 Jahren?
Ich würde mir wünschen, dass wir durch unsere Arbeit die Akzeptanz und gewissermaßen den Stolz auf das, was wir tun, besser rüberbringen. Dass wir den Kontakt von Politik und Bevölkerung mit der Industrie als normal empfinden. Dass wir wirtschaftlich ein Umdenken erreichen mit dem Ergebnis, dass wir stabilere Auftragslagen bekommen. Meine Vision für die Branche wäre, dass wir ein wichtiger Teil der deutschen Industrie-Landschaft sind und bleiben. Eine Branche, die als ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortlich und damit nachhaltig produzierend wahrgenommen wird – und auf die Politiker, die Bevölkerung und natürlich wir selbst als Branche stolz sind.

Das Gespräch mit Clemens Küpper führte Martin Vogt